Mit dem Lift direkt ins Wasser

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Im Mühlheimer Hallen bad soll im kommenden Jahr endlich barrierefreies Schwimmen möglich werden. Dass die hohen Umbaukosten von 50.000 Euro gestemmt werden können, ist der Hilfe von Vereinen zu verdanken.

Mühlheim - Hans-Dieter Seydel hat lange darauf gehofft und auch dafür gekämpft, dass Menschen mit Behinderung das Mühlheimer Hallenbad ebenso nutzen können wie andere. Von Barbara Hoven

„Weil ein barrierefreier Zugang zum Becken fehlt, mussten wir immer wieder Plätze für Schwimmtherapien außerhalb Mühlheims suchen. Oder wir konnten Therapien im Wasser gar nicht anbieten, obwohl diese für so viele Kranke und Behinderte sehr wichtig und heilsam sind“, berichtet der Gründer und Vorsitzende von „Rettet Kinder - Rettet Leben“. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, aids-, krebs- und schwerkranken Kindern zu helfen - unter anderem eben auch durch die Schaffung von Therapiemöglichkeiten. Momentan sind es 45 schwerkranke Patenkinder, denen der Verein zur Seite steht; 25 Mädchen und Jungen werden derzeit Reit-, Musik- und andere Therapien finanziell ermöglicht.

Bald sollen einige davon auch Schwimmtherapien in Mühlheim bekommen können - trotz leerer Stadtkasse. Wichtigster Punkt auf der Liste der anstehenden Bad-Umbauten: Ein Schwimmbecken-Lift wird installiert, um einen direkten Transfer etwa vom Rollstuhl ins Becken möglich zu machen. Das 14 000 Euro teure Gerät, das optisch einem Kran gleicht, ist um 360 Grad schwenkbar und transportabel, so dass es an jeder Stelle im Hallenbad verwendet werden kann.

Außerdem bekommt das Bad eine behindertengerechte Umkleidekabine mit separater Dusche und Toilette. „Da wir festgestellt haben, dass das Hallenbad an der ein oder anderen Stelle nicht mehr der Norm entspricht, nutzen wir die Gelegenheit und machen es allgemein behindertengerechter“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Kressel. So werden etwa die Türen um zehn Zentimeter verbreitert und die Auffahr-Rampe am Eingang wird erneuert, da sie nach heutigen Maßstäben zu steil ist.

Kosten von 50.000 Euro

Die Kosten für den behindertengerechten Umbau beziffert Bürgermeister Daniel Tybussek auf insgesamt rund 50.000 Euro, mit den Arbeiten soll im Januar, spätestens im Februar begonnen werden. Doch auch wenn im Innenbereich gewerkelt wird, werde dies den normalen Badebetrieb nicht beeinflussen.

Dass die nicht ganz billige Umsetzung der Umbauten so schnell möglich wird, verdanken die Stadtwerke als Betreiber des Hallenbads der Tatsache, dass diesmal mehrere Mühlheimer Initiatoren für die Sache an einem Strang ziehen. 15.000 Euro kommen von den Stadtwerken selbst, der Verein „Rettet Kinder - Rettet Leben“ stellt weitere 15.000 Euro Spendengelder für den Umbau bereit.

Und auch der Mühl-heimer Gewerbeverein (GMF) ist mit im Boot. Auf der Suche nach einem förderungswürdigen Projekt in der Stadt sei man auf die Hallenbad-Umgestaltung aufmerksam geworden, berichtet der Vorsitzende Thomas Gronau. Rund 8000 Euro steuern die Gewerbetreibenden bei - den gesamten Erlös der in diesem Jahr neu ins Leben gerufenen Adventskalender-Aktion „Mühlheimer Weihnacht 2011“.

Macht 38.000 Euro. Aber es muss eben noch etwas mehr werden. Da jeder Cent zählt, um barrierefreies Schwimmen möglich zu machen, hofft Daniel Tybussek auf die Unterstützung weiterer Spender und Sponsoren. Auch Privatleute und Vereine sind gesucht, potenzielle Geber können sich direkt an den Bürgermeister wenden (E-Mail: d.tybussek@stadt-muehlheim.de).

Tybussek und Roland Peterson, Leiter der städtischen Bäder, sind sich sicher, dass auch andere Vereine und Bürger vom Umbau profitieren werden. „Wichtig ist, dass wir die Therapien künftig parallel zum regulären Schwimmbetrieb anbieten können“, freut sich Seydel. Das sei ein wertvoller Beitrag zur Integration behinderter Menschen.

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