Familiengesundheitszentrum „Schritt für Schritt“

Hauptmieterin für Vereinsräume in Mühlheim gesucht

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Vor Corona standen Valentina Flack (von links), Sabine Grossmann und Daniela Klier vom Vorstand sowie Katja Clanget-Junker für ein Foto zusammen.

Vor 14 Jahren gründete sich das „Familiengesundheitszentrum Schritt für Schritt“ im Hof hinter dem Mühlheimer Buchladen an der Bahnhofstraße.

Mühlheim – Das Angebot aus 23 Kursen reicht von der Geburtsvorbereitung bis zum Beckentraining nach einer Prostata-OP, von der Säuglingspflege bis zur Clown-Gruppe. Zurzeit sucht „Schritt für Schritt“ eine Hebamme als Hauptmieterin seiner Räume.

Mit der Gründung übernahm Sabine Grossmann von 2006 bis heute den Vorsitz. „Wir entstanden aus der Hebammen-Praxis von Dorothea Kühn“, erzählt die Diplom-Sonder- und Heilpädagogin. Als Kühn vor drei Jahren verstarb, sprang der Verein als Hauptmieter der Räume ein.

Grossmann ließ sich selbst zur Leiterin für das sogenannte „Familienzentrierte Baby-Eltern-Konzept“ ausbilden. Die 52-Jährige kam einst durch die Erfahrung mit ihren mittlerweile 16- und 20-jährigen Kindern auf die Idee. In der Regel sind es die Mütter, die zu den Kursstunden kommen, um die motorische und die geistige Beweglichkeit ihrer Säuglinge zu fördern.

Dabei geht es um mehr als den Stolz, was der eigene Nachwuchs schon alles beherrscht. So knüpfen die Mütter Kontakte, bilden Netzwerke, um Informationen auszutauschen und einander Freiräume zu schaffen. Grossmann erzählt von Müttern, die sich während der Anfangszeit des Vereins kennenlernten und sich immer noch treffen, längst ohne ihre mittlerweile pubertierenden Kinder.

Um den sozialen Aspekt geht es auch bei den Männern in einem Alter meist jenseits der Pensionsgrenze, die sich in Folge einer Krebsdiagnose einer Prostata-Operation unterziehen mussten. Im Zentrum steht das Beckenbodentraining bei Daniela Klier, dazu gehören die kommunikativen Momente, wie nach Chorproben und Fußballtrainings. Zum einen weiß jeder, von welchen körperlichen Malaisen der andere spricht, „zum anderen gehen sie hinterher gerne zusammen ins Eiscafé“.

„Schritt für Schritt“ bietet in seinem Räumen etwas an, das in den Familien- und Gesundheitszentren der Republik ziemlich einmalig sein dürfte: die Clown-Gruppe geleitet von Monika Schloz. Sie ließ sich in Paris vom Pantomimen Jacques Lecoq ausbilden, einer der Koryphäen des Fachs.

Auch in manchen medizinischen Berufen herrscht während der Coronakrise saure Gurkenzeit. Kontrollbesuche beim Zahnarzt fallen ebenso aus wie psychotherapeutische Sitzungen. Hebammen müssen dagegen keine Angst haben, die Kundschaft könnte Termine sausen lassen. Im vergangenen Jahr verschob niemand eine geplante Schwangerschaft.

Anna Schnappauf, neben Eva Niedenthal eine der beiden Hebammen unter dem Dach des Vereins, erzählt, dass die Nachfrage nach der Nachsorge durch das Virus nicht abnahm. Ein Großteil der Arbeit von Hebammen beginnt erst nach der Geburt, wenn die Eltern mit dem Nachwuchs nach Hause kommen und sich unsicher fühlen – besonders derzeit. Dann erklären Schnappauf und ihre Berufskolleginnen, dass zehn Gramm Gewichtsverlust in den ersten Tagen normal seien und auf kein Hungerleiden deute. Die Krise verändert auch die Arbeit einer Hebamme. Bevor Anna Schnappauf klingelt, müssen die Eltern die Wohnräume ordentlich durchlüften. Schnappauf trägt ebenfalls eine Maske zum Schutz.

Die Hebamme kümmert sich um eigene Kleinkinder, weshalb sie die Vereinsräume nicht als Hauptmieterin übernehmen will. Grossmann hofft daher auf eine Hebamme, die sich nach jahrelanger Arbeit im Krankenhaus einen Wechsel wünscht.

VON STEFAN MANGOLD

" schrittfuerschritt.net

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