„Lämmerspiel... einmalig“ ist fertig

Brutkasten für Erinnerungen

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Die Wegbereiter des Heimatbuchs.

Lämmerspiel - Das Heimatbuch „Lämmerspiel. . . einmalig“ ist fertig. Es ist weit mehr als eine aufgepustete Version der Festschrift zur legendären 700-Jahr-Feier 1989. Auch die war ja schon nur äußerlich von Pappe. Von Marcus Reinsch und Ottilie Roth 

Zum gerade eingeläuteten 725-Jahre-Jubiläum gibt der Geschichtsverein nun ein Buch heraus, das wirklich in jeder Hinsicht eins ist. Offizielle Vorstellung ist am Sonntag. Wo fängt man an mit einem Heimatbuch und wo hört man auf? Mit dem Anfangen hatte Günter Schmitt keine Probleme - mit dem Aufhören schon. Es war März 2009, als er in der 20 Jahre zuvor geborenen Geschichtsgruppe der Lämmerspieler Ortsvereine mit seinem Vorschlag für ein Heimatbuch offene Türen einrannte. Beiträge aus der 700-Jahre-Festbroschüre sanft aktualisieren, andere Veröffentlichungen über Lämmerspiel durchforsten, ein bisschen Staubschlucken in Archiven, Fotos sammeln.... alles in allem vielleicht 200 Seiten?

Im Wortsinn weit gefehlt. Zwischen seinen beiden jubiläumsgrünen Deckeln hat „Lämmerspiel... einmalig“ 352 Seiten. Und könnte leicht noch mehr haben. Die Frage „Habt Ihr noch alte Fotos in eurem Schuhkarton“ beantworteten viel mehr alteingesessene Lämmerspieler als erwartet mit einer wahren Bilderflut aus ihren Jugendtagen und jenen ihrer Eltern und Großeltern. Schmitts Archiv selbst war mehr als üppig. Es schien, als hätte der halbe Ort nur darauf gewartet, wie vor 25 Jahren schon einmal sein kollektives Gedächtnis vor den Buch-Machern auszubreiten. Die Geschichtsgruppe hatte einen wahren Brutkasten für Erinnerungen vor sich.

Die Grenze war am Ende der Preis. Ein allumfassendes Buch zu haben, das niemand mehr bezahlen kann oder will, hätte keinen Sinn gehabt. Jetzt wird das in einer Erstauflage von 500 Exemplaren gedruckte Werk, das bisher umfangreichste im Repertoire des Geschichtsvereins, für 19,50 Euro zu haben sein. Das Unterbieten der magischen 20-Euro-Grenze möglich machen auch Sponsoren, die das Projekt großzügig unterstützt haben und die Maxime des Verzichts auf Anzeigen respektierten.

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Vor allem aber ist es die Eigenleistung der Geschichtsgruppe, die die Kosten im Rahmen hält. Horst Baier beispielsweise, der als Berufsschullehrer zuletzt Kommunikationsdesign lehrte, übernahm die komplette Aufarbeitung des Materials am Computer. Hunderte Fotos einscannen und bearbeiten, teils mit der selbst schon historischen Schreibmaschine oder dem Kuli verfasste Texte in Dateien umwandeln, die Druckvorlagen.... Ein Glücksfall für die Hobbyhistoriker, deren eigene Leidenschaft für digitale Datenverarbeitung eher überschaubar ist. Hinzu kamen Heinz Lindner, Pfarrer Werner Fey, Mathilde Bauder, Lydia Büchs, Marga Ehmann. Adolf Fischer, Alfons Ott, Klaus Roth und Michael Roth. Als Co-Autoren lieferten sie eigene Beiträge, machten aus Erzähltem Geschriebenes. Heinz Lindner, der Lämmerspieler Tausendsassa, und Pfarrer Fey erleben die Veröffentlichung des Buchs leider nicht mehr. Sie starben Ende vergangenen Jahres.

Man kann das Heimatbuch lesen wie einen Roman, immer brav eine Seite der Kapitel „Die Geschichte Lämmerspiels von der Gründung bis zur Eingemeindung“, „Tatsachen... wie es einmal war“ und „Erzählungen - Legenden-Geschichten“ nach der anderen. Oder eben querbeet. Von Seite 240, der „Aufnahme von Heimatvertriebenen nach 1945 in Lämmerspiel“ in die 50er- und 60-Seiten, auf denen Herbert Heinrich Roth es schafft, die Zeit des Nationalsozialismus nicht verschämt zu verschweigen oder aufs Allernötigste zu komprimieren. Von den der Erzählung über die Bauern und die landwirtschaftlichen Selbstversorger gewidmeten Texten ab Seite 136 zu den Umschlagrückseiten mit den Karten Lämmerspiels aus der Zeit nach 1945 und der Neuzeit. Von der Seite 15, auf der endlich auch Zugezogene erfahren, wie wenig der Name Lämmerspiel spielenden Lämmern zu verdanken ist und dass der Ort bis heute tatsächlich einmalig ist, bis zur Seite 313, die den Spottnamen „Lämmerspieler Russen“ herleitet.

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