44. Baumpflanzaktion der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald

„Herbstprinzen“ auf dem Gailenberg

Eine Aktion der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald: Rainer Kraft und Gerald Fassing (mit Liste in der Hand) geben im Nieselregen 62 Obstbäume aus.
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Eine Aktion der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald: Rainer Kraft und Gerald Fassing (mit Liste in der Hand) geben im Nieselregen 62 Obstbäume aus.

Mit Verzögerung konnte der Mühlheimer Ortsverein der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) die jährliche Baumpflanzaktion auf dem Gailenberg starten. Der SDW-Vorsitzende Rainer Kraft berichtete bei der Begrüßung, zum eigentlich geplanten Termin Anfang November hätte die Baumschule noch nicht liefern können. Außerdem seien etliche Sorten ausverkauft.

Mühlheim – Nicht jeder kann für seine Parzelle auf der Streuobstwiese die Baumart mitnehmen, die er sich ursprünglich wünschte. Für Kraft und Mitstreiter Gerald Fassing dürfte der jährliche Termin stets mit der Hoffnung verbunden sein, das Wetter möge sich gnädig geben. Trocken kommt diesmal zwar niemand davon, aber die meisten Anwesenden erinnern sich an Baumpflanzaktionen bei starkem Regen statt Nieseln und eisigen Temperaturen.

60 Obstbäume auf dem Grundstück

Die Brüder Reinhard und Ewald Ricker gehören zu den 21 angemeldeten Grundstücksbesitzern auf dem Gailenberg, für die insgesamt 62 Bäume bereit liegen. Reinhard Ricker erzählt, er und sein Bruder seien schon bei der ersten Aktion in den 1970er Jahren dabei gewesen. Auf ihrem Grundstück stehen 60 Obstbäume.

Die Arbeit im vergangenen Jahr sei nur zum Teil von Erfolg gekrönt gewesen, „wir pflanzten fünf Bäume, davon gingen drei in die Binsen“. Das Wurzelwerk sei trotz ständiger Bewässerung nicht fit genug gewesen, in dem Boden anzuschlagen. „Ab 25 Zentimeter wird es trocken“, beschreibt der 79-Jährige die Folgen der Dürrejahre. Wenn alles gut läuft, mündet die Ernte der Brüder in 300 Litern süßem Most, „wir verteilen viel in der Nachbarschaft“.

Reinhard Ricker formuliert einen Wunsch. Auf dem Gailenberg engagierten sich viele ehrenamtlich, die aus Dietesheim kommen. Wenn die von dort mit dem Auto etwa Wasser antransportierten, müssten sie durch üble Schlaglöcher fahren, „es wäre schön, wenn die Stadt die mit Schotter auffüllte“.

Stadtverordnetenvorsteherin Gudrun Monat bemerkt, „viele gehen hier gerne spazieren, haben aber keine Vorstellung, welche Arbeit die Eigentümer hier reinstecken müssen“. Bürgermeister Daniel Tybussek konstatiert, bei der 44. Baumpflanzaktion sehe er die meisten Teilnehmer nicht zum ersten Mal. Ganz bestimmt auch nicht Bernd Schwerzel. Der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Lämmerspiel lässt sich von Gerald Fassing einen Baum der Sorte „Kaiser Wilhelm“ geben. Der gilt aktuell als der beliebteste Apfelbaum. Kraft bestellte davon zwölf Exemplare, gefolgt vom „Roten Boskoop“, von dem mittlerweile zehn weitere Bäume in der Erde des Gailenbergs stecken, von den Hölzern mit dem Namen ,Finkenwerder Herbstprinz’ sind es vier.

„In 120 Zentimetern Tiefe beginnt das Basaltgestein“

Bruno Schmück hatte zwei Bäume bestellt. Den Eigentümer der Dietesheimer Techniksammlung erwartet man nicht unbedingt bei der Aktion, schließlich gehört ihm auf dem Gailenberg kein Grundstück. Schmück springt jedoch für jemand anderes ein. Schmück gräbt anschließend in den Sand des Gailenbergs einen Rheinischen Bohnapfel und „Kaiser Wilhelm“ für einen Mann, der in Norddeutschland lebt und nicht mehr in der Lage sei, sich um seinen Grund zu kümmern. Der Dietesheimer erwähnt eine Besonderheit des Areals, „in 120 Zentimetern Tiefe beginnt das Basaltgestein“.

Wie in jedem Jahr zahlt der Kreis Offenbach nicht nur die Bäume, sondern auch die Drahtzäune, ohne die wohl jeder junge Baum ziemlich schnell dem Appetit von Rehen zum Opfer fiele.

Der „Mühlheimer Naturkalender“ der SDW ist bei der Aktion ebenfalls ein Verkaufsschlager. Etliche Grundstückeigentümer haben bei Rainer Kraft, der die Bilder heimischer Flora und Fauna fotografierte, mit den Bäumen auch einen Kalender für 2022 bestellt. (Stefan Mangold)

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