Hier haben die Opfer gewohnt

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So ähnlich wird‘s demnächst auch in der Mühlenstadt aussehen: Diese bereits ins Pflaster eingesetzten Stolpersteine haben wir gestern in Seligenstadt fotografiert.

Mühlheim - Manche Projekte dauern ihre Zeit: Vor mehr als einem Jahr hat sich die Interessengemeinschaft (IG) „Stolpersteine“ in Mühlheim unter dem Dach der Naturfreunde zusammengefunden. Von Christina Schäfer

Ihr Ziel: Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig auch in die Mühlenstadt zu holen, ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen, eine Erinnerung an die Opfer der Nationalsozialisten zu schaffen. Am Samstag, 17. Oktober, ist es soweit: Der Kölner Künstler verlegt dann insgesamt sieben Stolpersteine.

Anfang August vergangenen Jahres hatte der Vorstand der Mühlheimer Naturfreunde grünes Licht gegeben. Von da an machte sich die IG um Jörg Neumeister-Jung und Gerd Katzmann ans Werk. Mit Hans C. Schneider fanden sie einen Mitstreiter für die gute Sache. Schneider hatte bereits im Jahr 1984 die Schrift „Mühlheim unter den Nazis“ veröffentlicht.

Für die in der Nazizeit deponierten Mühlheimer gab es es bislang keinen Ort der Erinnerung

Ursprünglich wollte Jörg Neumeister-Jung die Gedenk-Aktion schon vor einigen Jahren innerhalb des Geschichtsvereins umsetzen. Doch da habe es leider kein Interesse gegeben, sagt Neumeister-Jung, der im Geschichtsverein ein Buch über den jüdischen Friedhof veröffentlicht hatte. Die zeitaufwändigen Recherchen waren somit bereits geleistet. Resultat: Es gebe für etwa 25 in der Nazizeit deportierte und ermordete Mühlheimer keinen Ort der Erinnerung.

Nicht nur jüdische Schicksale

Doch die Stolpersteine - kleine Gedenksteine aus Messing, die vor dem zuletzt selbstgewählten Wohnort des Opfers ins Trottoir eingelassen werden - erinnern nicht nur an jüdische Schicksale, sondern auch an die Vertreibung und Ermordung von Sinti und Roma, politisch Verfolgten, Homosexuellen, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfern. So hatte die Mühlheimer IG auch einen Erinnerungsstein für einen von den Nazis so titulierten „Asozialen“ sowie für einen Kommunisten im Auge. Doch die Nachfahren haben dem nicht zugestimmt.

Das Geld für 15 Steine hat die IG zusammen. Geplant war im ersten Schritt die Verlegung von elf Gedenksteinen an sechs Orten, jetzt sind es allerdings nur sieben Steine. Am 17. Oktober geht‘s los: Zwei Steine werden vor der Apfelbaumgasse 5 für Moritz und Berta Lehmann eingelassen, zwei vor der Pfarrgasse 17 für Albert und Mathilde Strauß, einer vor der Pfarrgasse 23 für Bertha Stiefel, einer vor der Offenbacher Straße 10 fürMathilde Stiefel und einer vor der Trachstraße 24 für Leopold Isaak, den letzten Vorsteher der jüdischen Gemeinde vor der Deportation am 17. September 1942.

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