Hilfe zur Selbsthilfe fließt weiter

+
In Nouna in Burkina Faso wird jeder Cent gebraucht.

Mühlheim (hov) - Manchmal fehlt es nur an einem Schräubchen für den defekten Brunnen, um ein ganzes Dorf in Burkina Faso wieder mit sauberem Trinkwasser zu versorgen.

Mehr als 100 Tiefbrunnen sind es inzwischen, die durch das Engagement der Partnerstädte Mühlheim und Saint-Priest für das Trinkwasser- und Bildungsprojekt „Nouna“ repariert oder neu gebaut werden konnten. Begonnen hatte das Projekt einst als private Spendenaktion des ehemaligen Entwicklungshelfers Thorsten Ehmann und hat die Alphabetisierung der Einwohner von Nouna und Brunnensanierungen in der Region zum Ziel. Gekoppelt ist diese Initiative mit der Ausbildung von eigenverantwortlichen burkinischen Brunnenwarten. Vor Ort, in der Provinzhauptstadt Nouna, koordiniert Entwicklungshelferin Rosemarie Kempers die partnerschaftliche Hilfe für eines der ärmsten Länder der Welt.

Fleißige Mühlheimer Spender

Wenn der Mühlheimer Landschaftsökologe Ehmann Ende des Monats in den Flieger steigt, um wieder für Wochen vor Ort zu helfen, dann hat er auch viele Spenden der Mühlheimer dabei. Seit Jahren geben - um nur eins von vielen Beispielen zu nennen - Goetheschüler etwas von ihrem Taschengeld ab, um Kindern in Westafrika den Schulbesuch zu ermöglichen. „Auch Brillen nehme ich mit, die Mühlheimer gesammelt haben für die Augenklinik in Nouna“, nennt Ehmann ein Beispiel für eine „direkte und effektive Form der Hilfe“.

Frank (links) und Marcus Müller, Geschäftsführer des Autohauses Best, gaben Thorsten Ehmann (Mitte) gestern einen Scheck über 2500 Euro für das Trinkwasser- und Bildungsprojekt „Nouna“ mit auf den Weg nach Westafrika.

Mit in den Koffer wandern auch 4 000 Euro - die diesmal ausschließlich aus Privatspenden stammen. Die städtische Förderung von zuletzt 2500 Euro jährlich lief im vergangenen Jahr aus. Umso glücklicher ist Ehmann über Termine wie den gestern: Frank und Marcus Müller, Geschäftsführer des Autohauses Best, gaben ihm einen Scheck über 2500 Euro mit auf den Weg. Die Brüder waren auf der Suche nach einem Platz, „wo man Geld sinnvoller einsetzen kann, als für unpersönliche Weihnachtsgeschenke“, auf der Homepage der Stadt auf das Projekt gestoßen. „Uns geht’s allen gut“, sagen sie und überlegen, in diesem Jahr die rund 200 Mitarbeiter in eine Spendenaktion einzubinden. Seit 2005 hatten die Mühlheimer und die Franzosen verschiedene Projekte in Nouna unterstützt, das Engagement fand 2007 sogar bundesweit Beachtung: Die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit ins Leben gerufen Agentur InWEnt wurde auf das trinationale Partnerschaftsprojekt im Rahmen ihrer Förderung für die kommunale Entwicklungszusammenarbeit aufmerksam und erkor Mühlheim mit sieben deutschen Städten zur Modellkommune für die neue Kooperationsstruktur. Doch auch diese Förderung sei mittlerweile ausgelaufen, sagt Ehmann.

Franzosen wollen Kanalsystem bauen

In wenigen Wochen wird er in Nouna auch wieder eine Gruppe aus Saint-Priest treffen - darunter Bürgermeisterin Martine David und Stadtrat Gérard Heinz. Die Franzosen seien vor Ort, um ihrerseits ein neues Großprojekt, den Aufbau eines Kanalsystems für die 40.000-Einwohner-Stadt Nouna, voranzutreiben. Und auch seitens der Stadt Mühlheim lautete gestern auf Anfrage die Botschaft: Die Hilfe für Nouna soll fortgeführt, sogar ausgebaut werden. „Ich begrüße die Initiative unserer Partnerstadt zur weiteren Verbesserung der Lebensbedingungen in Nouna“, sagt Bürgermeister Daniel Tybussek. „Die Schaffung eines Abwassersystems ist dabei von großer Bedeutung. Daher haben wir im Haushalt 2012 5000 Euro für die Unterstützung dieses Projektes eingestellt und beabsichtigen, die Förderung auch in den nächsten Jahren vorzunehmen.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare