Hilferuf aus der Karibik

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Viele Mühlheimer werden sich noch an Pater Dr. Martin Lenk (Mitte) erinnern. Als Missionar wirkt er in der Karibik.

Mühlheim ‐ Die verheerenden Folgen des Erdbebens in Haiti aus der Entfernung zu verfolgen, lässt den Schrecken in diesem Land nur vermuten. Doch wie muss sich das Leid der Menschen aus der Nähe, aus der unmittelbaren Betrachtung des Helfers vor Ort darstellen? Von Veronika Szeherova

Ein ehemals in Mühlheim tätiger katholischer Geistlicher ist derzeit in der Karibik ganz nah dran: Pater Dr. Martin Lenk. Der heute 52-jährige Pfarrer war in den Jahren 1987 bis 1989 als Kaplan in der Pfarrgemeinde St. Markus tätig gewesen, bevor er als Missionar in die Dominikanische Republik ging, dem Nachbarstaat von Haiti. Derzeit bildet Dr. Lenk in der Hauptstadt Santo Domingo Priester aus und unterstützt zudem immer noch Pfarreien in diesem Land bei ihrem Aufbau. Durch das Erdbeben im Nachbarland geriet auch der Alltag der dominikanischen Priester aus den Fugen.

Das Erdbeben sei in der Dominikanischen Republik kaum spürbar gewesen. Einige von Lenks Jesuitenstudenten an der philosophischen Fakultät („Juniorado Filosofado“) stammen jedoch aus Haiti. „Es war schrecklich für unsere Leute, die Bilder der Zerstörung zu sehen, ohne von ihren Familien, Freunden und Angehörigen zu wissen“, schreibt der Geistliche in einer E-Mail an Jürgen Oberbeck, den Sprecher des Pfarrgemeinderats von St. Markus. Die Jesuitenstudenten seien sofort in ihre Heimat gereist, um dort zu helfen. Einer aus der Gruppe brachte eine schwerverletzte Schwester mit, die nun zur Genesung bei den dominikanischen Priestern im dortigen Sozialzentrum bleibt. Auch der Direktor des Sozialzentrums, Pater Moreno, reiste Lenks E-Mail zufolge nach Haiti. Was er aus der Hauptstadt Port-au-Prince berichtet, ist niederschmetternd.

E-Mail-Zitate aus dem Katastrophengebiet

Morenos Eindrücke zitiert unsere Zeitung an dieser Stelle wörtlich aus der E-Mail an Oberbeck:

„Port-au-Prince ist völlig zerstört. Alle staatlichen Gebäude sind zusammengebrochen. Das erklärt, warum es praktisch noch keine Präsenz der Regierungsstellen gibt. Von den Schulen und Kirchen, die wir gesehen haben, ist keine stehengeblieben. Die Kathedrale ist vollkommen zerstört. Aus dem erzbischöflichen Ordinariat werden noch die Leichen geborgen. Dasselbe gilt für das große Priesterseminar. Wir haben einige Nichtregierungsorganisationen besucht und nur zerstörte Gebäude vorgefunden. Die Überlebenden stehen noch ganz unter dem Schock des Vorgefallenen. Das erklärt ein wenig, warum es noch so wenig organisierte Hilfe gibt. Telefonnetz sowie Wasser- und Stromversorgung sind völlig zusammengebrochen. Das Geschäftsviertel der Stadt ist am meisten zerstört. Es gibt keine Läden, um etwas zu kaufen, und auch keine Banken. Wir haben dort nur Trümmer, Tod und Schmerz vorgefunden.“ Mit diesen Worten schließt die Nachricht.

Lenk ergänzt: „Die ansonsten zwischen der Dominikanischen Republik und Haiti herrschende alte Feindschaft scheint völlig vergessen.“ Nach dem ersten Schock tue nun jeder im Land sein Möglichstes, um den Opfern der Naturkatastrophe zu helfen.

„Viele fragen natürlich, warum so etwas geschehen ist“, so der 52-jährige Ex-Mühlheimer. „Das ist eine Frage, auf die es keine Antwort gibt.“

Möglichkeiten, zu spenden

In den vier Sozial-Zentren in der Dominikanischen Republik sammeln die Priester nun eifrig Hilfsgüter für das geschundene Nachbarland. Da Dr. Martin Lenk bis heute sehr gute Kontakte zu seiner alten Mühlheimer Gemeinde hat, bittet er durch sie um Hilfe. Unsere Zeitung unterstützt diesen Hilferuf gerne, indem wir das Spendenkonto der Pfarrei St. Markus veröffentlichen: Kontonummer: 450130001 (Pfarrgemeinde St. Markus), Bankleitzahl: 505040028 (Commerzbank Mühlheim), Kennwort: Haiti. Das gespendete Geld geht gegen eine Spendenbescheinigung ohne Umwege direkt zu Lenk und kommt den Opfern des Bebens zugute, so Oberbeck.

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