Der Keller ist schon leer

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Horst Angerer beobachtet das Hochwasser von seinem Grundstück aus.

Mühlheim - Urs Stuckenbruck macht an diesem Morgen einen entspannten Eindruck. „Der Keller ist schon leer - bis auf Waschmaschine und Trockner. Die holen wir heute Abend nach oben. “ Von Heiko Wiegand

Der Projektmanager macht sich gerade auf den Weg zur Arbeit, geht vorher nochmal ums Haus. Stuckenbruck wohnt seit einigen Jahren im Franzosenviertel. Jetzt steht die braune Brühe nur einige wenige Meter von seinem Haus entfernt.

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Hochwasser in der Region

„Für die Kellerfenster sind Holzplatten mit Silikon vorbereitet, davor kommen notfalls Sandsäcke.“ Wenn das Hochwasser weiter ansteigt in der Mühlenstadt. So hoch jedenfalls wie an diesem Donnerstag hat es mindestens seit 2003 nicht mehr gestanden. Die Fluten sorgen inzwischen bei vielen Menschen aus der Region für Interesse: „Wir hätten hier gestern Abend Bratwürstchen verkaufen können und guten Umsatz gemacht“, erzählt Urs Stuckenbruck. Sein Zuhause liegt unweit der Fährenstraße. „Die Autofahrer fahren oft bis knapp an die Wasserkante. Das nervt schon ein bisschen.“

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Mühlheims Stadtbrandinspektor Heribert Hennig ist gestern Abend davon ausgegangen, dass der Hochwasserscheitel heute im Laufe des Tages Mühlheim erreicht. Gestern hat das Wasser fünf bis zehn Zentimeter hoch an der Dietesheimer Hochwasserschutzmauer gestanden. „Ich gehe davon aus, dass nochmal etwa 20 Zentimeter dazu kommen“, so Hennig. Aktuell wird die gesamte Mühlheimer Mainlinie im Vier- bis Fünfstundentakt von Ordnungspolizisten oder Feuerwehrleuten abgefahren.

Sorgen bereiten Hennig einige Main-Zuflüsse, von denen in letzter Zeit wieder steigende Pegel gemeldet worden sind. So sind die Wasserstände von Kinzig und Kahl am Donnerstag wieder etwas gestiegen. Außerdem soll es auch heute Abend wieder ergiebig regnen.

Die Zufahrt zur Fähre ist bereits ab St.-Priest-Straße gesperrt.

Horst Angerer sitzt an diesem Donnerstag früh in seiner Erdgeschosswohnung an der St.-Priest-Straße an seinem Laptop und arbeitet. „Es ist besser, im Moment hier zu bleiben, weil ich wissen muss, wie die Pumpen arbeiten.“ Das Anwesen ist gegen Wassereinbrüche hochgerüstet. An der mainseitigen Grenze des Grundstücks ragt eine dicke, mannshohe Hochwasserschutzwand in die Höhe, dahinter, schon an der Mauer, die braune Brühe des Mainhochwassers.

„Wir haben vier Hochleistungspumpen über das Grundstück verteilt, um das Wasser notfalls abzupumpen“, erklärt Angerer, als er einen Schacht direkt an der Mauer öffnet. „Wenn das Wasser eine bestimmte Höhe erreicht hat, fängt die Pumpe automatisch mit der Arbeit an.“ Sollte das Hochwasser für einen Zusammenbruch der Stromversorgung im Franzosenviertel sorgen, hat Angerer auch dafür eine Lösung: ein Notstromaggregat, gespeist von Diesel. Damit die Pumpen weiterlaufen, wenn das Wasser weiter steigt in Sichtweite des Franzosenviertels.

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