Tabea Ocker gehört der Juniorennationalmannschaft im Schießsport an

Hoffen auf den perfekten Treffer

Auf vieles kommt es beim Schießen an, auf den Stand, die ruhige Hand und die Atemkontrolle. Tabea Ocker, hier mit dem Vereinsvorsitzenden der Schützengemeinschaft Thomas Baier, weiß das natürlich längst. Foto: MANGOLD

Mühlheim – Wenn Tabea Ocker die Sportpistole hebt, um die Mitte der 25 Meter entfernten Scheibe anzuvisieren, wirkt die 18-Jährige für ein paar Sekunden bewegungslos. VON STEFAN MANGOLD

Der Betrachter ahnt in dem Moment, was Thomas Baier, Vorsitzender der Schützengemeinschaft Mühlheim-Dietesheim, meint, wenn er davon spricht, „das Ziel ist der perfekte Schuss“.

Tabea Ocker gehört seit diesem Jahr der Juniorennationalmannschaft im Schießsport an. Mit der Sportpistole holte sie sich bei der Deutschen Meisterschaft Bronze im Einzel, im Team gewann sie Gold. Im April gelang Ocker beim renommierten ISAS-Turnier in Dortmund einmal der erste und einmal der dritte Platz.

In der Nationalmannschaft trainiert die frühere Europameisterin Claudia Verdicchio-Krause die junge Sportlerin von der Schützengemeinschaft, die mittlerweile auch beim Schützenverein St. Hubertus Klein-Welzheim regelmäßig ihre Sport- und Luftpistole auspackt, wo sie der Heimtrainer Heiko Dörr betreut, Assistenztrainer im Bundeskader.

Zwar sollte der perfekte Schuss, von dem Thomas Baier spricht, durchaus in die Mitte treffen, in die „innere 10“. Schützen sprechen auch vom „Mouche“. Doch nicht jeder Schuss, der dort einschlägt, findet vor dem Auge von Trainern und Schützen automatisch Gefallen. Schießen habe vor allem etwas damit zu tun, das Glück als Helfer auszuschließen. Landet das Projektil in der 9, kann das dem Bild von Perfektion durchaus näher gekommen sein. Wichtig ist, dass die Balance zwischen dem Stand, dem Heben des Armes, der Ruhe beim Halten und der Atmung stimmt. Tabea Ocker erzählt, wie sie bereits bei den Trockenübungen vor einem Wettkampf spüre, wie es an dem Tag laufen könnte. Davon hänge ab, für welche Technik sie sich entscheide.

Eine gute Kondition ist unerlässlich. Die 1,5 Kilogramm der Luftpistole hören sich nicht nach viel an. Das Gewicht aber 60 Mal hoch konzentriert zu heben, bedarf neben mentaler Stärke auch einer straffen Bauchmuskulatur und einer starken Rumpfstabilität, wie Ocker ausführt.

Thomas Baier erzählt von Schützen, die mit dem Talent gesegnet sind, im richtigen Moment den Abzug zu drücken, ansonsten aber vieles falsch machen. Der Polizist, der auch schon Kollegen an der Pistole ausbildete, betont, „mir sind diejenigen lieber, die durch Training zur Spitze kommen“. Die erlernte Technik sei das, worauf sich ein Schütze auch dann noch verlassen könne, wenn ihn die Nervosität einholt, wenn das einsetzt, was Baier „Mikrozittern“ nennt.

Tabea Ocker verbindet beides, Talent und Fleiß. Normalerweise könnte man vermuten, dass eine 18-Jährige durch familiäre Bezüge zum Schießen kam. Schließlich fehlen mediale Vorbilder. Die Wettkämpfe tauchen im Fernsehen fast nur bei Olympischen Spielen auf, besonders dann, wenn die Deutschen eine Chance auf Medaillen haben.

Die Schützin erzählt vom Seifenkistenrennen in Hanau, an den sie vor sieben Jahren teilnahm. Die Schützengemeinschaft Mühlheim-Dietesheim bot an ihrem Stand eine Art Schnupperschießen an. Seit damals trainiert die Steinheimerin an der weit östlich im Wald von Dietesheim gelegenen Schießanlage. Egal, wie gut jemand schießt, von einem Dasein als Profi kann niemand leben. Vor Kurzem absolvierte Tabea Ocker am Franziskaner Gymnasium Kreuzburg in Großkrotzenburg mit den Hauptfächern Mathematik und Latein ihr Abitur. Beruflich plant sie, am Auswahlverfahren für eine Ausbildung zur Fluglotsin teilzunehmen. Kein leichtes Unterfangen, das erste Hindernis auf dem Weg zum Berufsbild überspringt nur jeder zwanzigste Bewerber.

Sportlich ist die Teilnahme an den Europameisterschaften in Italien das Ziel, dafür hilft ein gutes Ergebnis beim Alpencup im August.

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