Hoffnung auf weiteren Regen

Lokalpolitiker informieren sich über den Zustand des Mühlheimer Waldes

Wie ist der Zustand des Waldes? Darüber informieren Forstamtsleiter Melvin Mika und Revierförster Till Schmid-Lanek die Kommunalpolitik.
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Wie ist der Zustand des Waldes? Darüber informieren Forstamtsleiter Melvin Mika und Revierförster Till Schmid-Lanek die Kommunalpolitik.

Den Wald zukunftssicher machen, das ist die Aufgabe von Forstamtsleiter Melvin Mika und vom neuen Revierförster für Mühlheim und Obertshausen, Till Schmid-Lanek. Sie führten rund 30 Stadtverordnete und Mitglieder des Magistrats, Jagdpächter und Ortslandwirte an Flächen zwischen Lämmerspiel, der Kreisstraße und der B448. Dort sollen vor allem Kiefer-Kulturen ausgeweitet werden.

Mühlheim – Die Gemarkung sei von viel Wald geprägt, erinnerte Stadtverordnetenvorsteherin Gudrun Monat, dieser bringe Erholung, gute Luft und ein besseres Klima und biete zudem Lebensräume für Flora und Fauna. Bürgermeister Daniel Tybussek verwies auf die lange Tradition, dass sich die Kommunalpolitik für ihre Entscheidungen von kompetenten Fachleuten beraten lässt.

Mika informierte bei seinem dritten Rundgang auf Mühlheimer Boden, dass es die Bürger während der Pandemie laut Statistik bis zu 62 Prozent häufiger in den Wald ziehe. Dadurch werde er noch intensiver genutzt, was auch Probleme für Tiere und Pflanzen mit sich bringe. Schmid-Lanek verwies auf Kiefern in verschiedenen Altersstadien, Restbestände der Fichte, die „nicht ins Rhein-Main-Gebiet gehört“ und durch Kiefern ersetzt werden soll. Auch die umfangreichen Tätigkeiten zur Verkehrssicherung entlang stark frequentierter Wege sowie dort, wo die Bebauung bis an den Waldrand reicht, gehören zu ihrem Beruf. „Eine um ein Grad höhere Temperatur verstärke Winde um 20 Kilometer pro Stunde“, machte Mika auf eine Gefahr des Klimawandels aufmerksam. 2018 war das trockenste Jahr, das Meteorologen je gemessen haben, auch 2020 blieb zu trocken und zu heiß. Trotz des aktuellen feuchten Sommers sei das Grundwasser vielerorts noch nicht in den tieferen Bodenschichten angekommen. Das bedeute Stress für den Wald, denn viele Baumarten seien gegen Stürme, Hitze und Trockenheit nicht gewappnet. „Wir hoffen, dass es weiter regnet.“

„Die Kiefer braucht Licht“, lehrte der Förster. Also verjüngen Arbeiter die Flächen, fällen Stämme unterschiedlicher Qualität. Durch Alter und Fäule werde Holz entwertet und tauge bestenfalls noch zur Herstellung von Euro-Paletten oder Spanplatten. „Wenn die Stämme der Kiefern 45 Zentimeter Umfang haben, sind sie erntereif“, erfuhr die Gruppe. Für Forstamtsleiter Mika wiegen die ökologischen und sozialen Funktionen des Waldes schwerer als die ökonomischen, betonte er.

Wo es möglich ist, werden Harvester eingesetzt, schwere Holzernte-Fahrzeuge. Sie dürfen sich nur auf Rückegassen bewegen, um nicht zu viel Waldboden zu verdichten. Sandboden regeneriere sich dabei schneller. Sehr vorsichtig zögen die Fahrer zudem die Humusschicht ab. Im dichten Unterholz seien Facharbeiter mit Motorsägen unterwegs, üben „den gefährlichsten Job in Deutschland“ aus, forderte Schmid-Lanek Respekt ein.

„Buche dunkelt ab und fällt teilweise aus“, erklärte der 29-Jährige die zurückhaltende Aussaat dieser Sorte. Auch die Entwicklung der Amphibien in den künstlich angelegten Teichen beiderseits des Wegs von der TSV zur Bundesstraße benötige Licht. Zwar sterben Kiefern mancherorts durch Pilzbefall ab, kehrten die kundigen Kräfte von Hessen Forst zum Thema zurück, „aber sie kommen mit der Trockenheit gut zurecht“. „Bäume sind halt Individualisten“, erläuterte Mika die Reaktionen. Schmid-Lanek plant, verstärkt auch die nordamerikanische Küstentanne zu setzen. Auch sie trotze mit ihren tiefen Wurzeln der Veränderung des Klimas. „Ihr Holz ist zwar weniger wert, sie passt aber gut in die Gegend.“ Die Douglasie hingegen mag keine „nassen Füße“, antwortete der Experte auf eine Anregung aus dem Kreis seiner Zuhörer, sie eigne sich nicht für das sumpfige Areal.

„Trampelpfade werden nicht freigeräumt“, reagierte er auf eine weitere Anfrage, das sei bei fast 800 Hektar Stadtwald personell nicht zu schultern. „Äste abknicken“, schlug er vor, wenn man der Traubenkirsche begegne. Die buschartigen Fremdlinge stünden in Konkurrenz zu den heimischen Gehölzen. (Von Michael Prochnow)

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