Kriminalstatistik 2020: Polizei bilanziert weniger Straftaten als noch 2019

Hohe Aufklärungsquote in Mühlheim

Erfreuliche Kriminalstatistik: Doch Mühlheims Polizeidienststellenleiter Jürgen Hampel tritt auf die Bremse und sagt, man dürfe die Zahlen auch nicht überbewerten und müsse immer weiter am Ball bleiben.
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Erfreuliche Kriminalstatistik: Doch Mühlheims Polizeidienststellenleiter Jürgen Hampel tritt auf die Bremse und sagt, man dürfe die Zahlen auch nicht überbewerten und müsse immer weiter am Ball bleiben.

Mehr Rohheitsdelikte, weniger Diebstähle: Insgesamt 1219 erfasste Straftaten bilanziert Mühlheims Polizeiwache für das Jahr 2020. Das ist der drittniedrigste Wert im Zehn-Jahres-Vergleich. Und obwohl Mühlheim in der 43 Städte und Kommunen zählenden Gesamttabelle des Polizeipräsidiums Südosthessen, gelistet nach der Häufigkeitszahl – also der Anzahl der registrierten Fälle, errechnet auf 100 000 Einwohner – den siebten Platz belegt und damit auf dem Papier schlechter dasteht als noch 2019, weiß der Dienststellenleiter der Wache an der Friedensstraße, Jürgen Hampel, das einzuschätzen:

Mühlheim - „Das hatte keine größeren Auswirkungen auf die Kriminalität in Mühlheim.“´Denn die Häufigkeitszahl der Mühlenstadt lag 2019 noch um 3,4 Prozent höher. 2020 weise den seit 2005 besten Wert auf, betont der Erste Polizeihauptkommissar. Allein mit der Pandemie will Hampel die Zahlen aber nicht erklären. „Es könnte sein, dass sie höher wären, wenn die Pandemie nicht wäre“, sagt er. Aber das sei spekulativ.

Hampel, der seit sechs Jahren die kleinste Polizeidienststelle im Kreis Offenbach leitet, ist nicht bekannt dafür, angesichts positiver Zahlen in Euphorie zu verfallen oder bei negativen Werten den Kopf in den Sand zu stecken. Vielmehr blickt der 59-Jährige eher nüchtern auf die Kriminalstatistik für 2020 und tritt auf die Bremse: „Man darf die Zahlen nicht überbewerten, wir müssen immer am Ball bleiben.“ Prinzipiell liege man im Trend: „gesunkene Fallzahlen, gestiegene Aufklärungsquote“.

Und vor allem Letztere kann sich mit 57,6 Prozent sehen lassen, ist sie doch die höchste Aufklärungsquote Mühlheims in den vergangenen zehn Jahren. Chef Hampel lobt sein „junges, motiviertes Team: Wir sind gut aufgestellt“. Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt sei „sehr gut“, betont er. Man sei in ständigem Austausch mit dem Ordnungsamt. Auch wegen der seit mehr als einem Jahr zu kontrollierenden Corona-Maßnahmen. Da setzt Hampel auf die Devise: „Belehren, ansprechen, sachlich bleiben – so funktioniert’s meistens.“ Natürlich gebe es auch einige Unverbesserliche, die kein Einsehen haben, sagt Hampel, aber die Zahl sei sehr gering.

Eine deutliche Steigerung von 13 Fällen verzeichneten Mühlheims Ordnungshüter 2020 bei der Verbreitung pornografischer Schriften, worunter auch Fotos zählen. Die Straftaten ziehen sich durch alle Altersklassen, berichtet Hampel, betont aber auch, dass alle der insgesamt 15 Fälle aufgeklärt werden konnten.

Ähnlich erfolgreich war die Polizei bei der Aufklärung von Raubdelikten, also etwa Überfällen auf den Kiosk an der Jahnstraße oder die Tankstelle an der Dietesheimer (wir berichteten). In acht von neun Fällen haben die Beamten die überwiegend örtlichen Täter überführt, informiert Hampel.

Einen Anstieg gab es 2020 bei den Körperverletzungen. Da seien Täter und Opfer meistens einander bekannt. Besondere Auffälligkeiten hat Hampel trotz des Fallanstiegs nicht beobachtet. Von 112 Fällen konnte die Polizei fast 93 Prozent aufklären.

Gesunken ist die Zahl der Diebstähle, etwa von Fahrrädern (minus 32 Fälle im Vergleich zu 2019). Da zeige sich, dass die Präventivangebote der Polizei wirken, meint Hampel. Von 122 auf 70 Fälle gesunken sind auch die Diebstähle an Kfz, allerdings liegt da die Aufklärungsquote bei null.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist 2020 zurückgegangen. Hampel verweist zudem auf die Versuchsquote von 57 Prozent. Das heißt, die Täter haben es nicht geschafft, in die jeweilige Wohnung einzubrechen. „Das spricht für die Sicherung der Häuser und Wohnungen.“ Auch da zeige sich, dass die Präventionsarbeit, etwa des Polizeiladens in Offenbach, Gehör bei den Bürgern finde. Doch auch da, mahnt Hampel, „müssen wir dranbleiben“.

Unerfreulich ist der Anstieg bei den Sachbeschädigungen mit einem Plus von 36 Fällen im Vergleich zu 2019 (103). Allein 23 davon gehen auf mutwillig zerkratzte Autos an verschiedenen Orten der Stadt zurück.

Angestiegen sind ebenso die Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz (90 Straftaten zu 73 im Jahr 2019). Überwiegend habe es sich dabei um Cannabisbesitz gehandelt, aber auch Kokain, Crack und Amphetamine fand man bei den regelmäßigen Kontrollen im vergangenen Jahr. Zudem habe es auch vermehrt Hinweise aus der Bevölkerung gegeben, die zur Ermittlung der Straftäter geführt haben, sagt Hampel, der abermals betont, dass die Polizei trotz verstärkter Kontrollen nicht überall sein kann und auch auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen ist. (Ronny Paul)

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