Holzhäuser für Flüchtlinge

Die unlösbare Rechnung

+
Die Grafiken aus der Bürgermeister-Vorlage zeigen im Luftbild den Bereich südlich der Bahnlinie, der rechts und links der Anton-Dey-Straße für die Flüchtlingsunterbringung vorgesehen ist.

Mühlheim - Acht Holzhäuser, jeweils elf Wohnungen auf drei Geschossen, pro Gebäude bis zu 44 Flüchtlinge: Die Politik entscheidet heute über eins der mit mehr als 10 Millionen Euro kostspieligsten Projekte, die es in Mühlheim je gab. Von Marcus Reinsch 

Es war eng. Was den Platz betrifft sowieso; die Sitzung des Bau- und des Finanzausschusses ging am Mittwochabend im kleinen Saal über die Bühne. Aber auch inhaltlich hält sich der Bewegungsspielraum in Grenzen. Es gab zwar mehr Informationen zum möglichen Bau von acht Holzhäusern für Flüchtlinge als beim ersten Anlauf vergangene Woche. Doch gemeinsame Nenner zwischen Großer Koalition und Opposition sind immer noch knapp. Am Ende der mehrstündigen Sitzung fassten die Ausschüsse keine Beschlussempfehlung für oder gegen den Befreiungsschlag. Die Entscheidung fällt also erst in der heutigen Sondersitzung des Stadtparlaments (18 Uhr, Rathaus, Friedensstraße 20).

Die Vorlage von Bürgermeister Daniel Tybussek sieht Folgendes vor: Um in diesem Jahr einerseits weitere Flüchtlinge in Mühlheim aufnehmen und andererseits hier wohnende Hilfesuchende aus Notlösungen wie dem Zelt am Bürgerhaus umquartieren zu können, sollen südlich der Bahnlinie acht Holzhäuser eines österreichischen Holzbauers hochgezogen werden. Fünf davon westlich der Anton-Dey-Straße, drei östlich. Im Norden wird das 1,8 Hektar große Gebiet von der Bahnlinie begrenzt, im Süden von der Lämmerspieler Straße. Einst war hier die BMX-Bahn.

Die Fertigstellung der ersten Häuser ist bisher für Mitte September erwartet. Doch dieser für die Flüchtlingsunterbringung wichtige Termin, gab Tybussek bereits zu bedenken, werde sich vielleicht nicht halten lassen.

Die Knackpunkte, die für eine Verschiebung des Votums gesorgt haben: In Sachen Kosten gilt das Modell als risikoreich. Dafür kann die Stadt nichts. Denn zu beziffern sind zwar „nach aktuellen Schätzungen“ 1,27 Million Euro - pro Haus. Doch ob sich das auf Dauer mit den 12,50 Euro pro Tag und Flüchtling vom Kreis Offenbach finanzieren lässt, ist unklar. Denn je nachdem, wie viele Flüchtlinge noch ankommen, werden Land und Kreis mutmaßlich eher eigene Unterkünfte auslasten als die von Kommunen. Und sobald ein Asylantrag genehmigt ist, gibt es perspektivisch viel weniger Zuschüsse auf der einen Seite und zu wenige bezahlbare Wohnungen auf dem freien Markt auf der anderen. Deshalb werden zwangsläufig anerkannte Flüchtlinge in den Unterkünften wohnen bleiben.

Bilder: So helfen Sie Flüchtlingen in der Region

Als Bauherr soll nach der Vorlage die Frankfurter Baugesellschaft GSW aktiv werden. Und zwar nicht im Auftrag der Stadt, sondern für die städtische Wohungsgesellschaft Wohnbau GmbH. Von ihr soll die Stadt die Häuser mieten. Durchgerechnet sind momentan Modelle mit verschiedenen Laufzeiten. Bei 15 Jahren wären 91 600 Euro Miete pro Jahr und Haus fällig. Bezahlen ließe sich das von den 200 000 Euro Kreis-Zuschuss pro Haus locker. Die gibt es allerdings nur bei voller Belegung, also bei 44 Flüchtlingen je Gebäude. Vollbelegung wiederum ist aber eigentlich nicht gewollt - zu eng. Nur im Fall sehr vieler Flüchtlinge will sich die Erste Stadträtin Gudrun Monat das vorstellen.

Gesprochen wird heute auch über Schallschutz, Vermietungschancen umgebauter Holzhäuser auf dem regulären Wohnungsmarkt nach der Flüchtlingswelle, Umwidmung des momentan als Grünfläche definierten Areals per Bebauungsplan und Vergabe der Grundstücks per Erbpacht an die Wohnbau.

Bilder: Umgang mit Flüchtlingen in der Region

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion