Seit zehn Jahren leitet Doris Müller die Kreativgruppe der Naturfreunde

„Die Ideen fliegen mir zu“

Engel, Nikolaus, Schneemann: Auch für die Weihnachtszeit hat Doris Müller viele Ideen in petto. Foto: M

Mühlheim – Sie kommt alle Jahre wieder, und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Die Frage: Was schenken? Klar im Vorteil ist, wer ein künstlerisches Talent sein eigen nennt, vor allem bei Feiernden, die sowieso schon alles haben. VON MICHAEL PROCHNOW

Doris Müller verfügt über gleich zwei hilfreiche Begabungen auf diesem Feld: Sie hat viel Fantasie – und weiß diese mit handwerklichem Geschick umzusetzen. Darum leitet sie seit zehn Jahren die Kreativgruppe der Naturfreunde.

Es war am 8. Oktober 2009, die Gruppenleiterin beweist auch noch ein gutes Gedächtnis. An diesem Tag traf sie sich zum ersten Mal mit einer Runde lernwilliger Damen im Vereinsheim im Maienschein. Seitdem kommen zehn bis 15 Frauen zu den regelmäßigen Treffen. Zuvor gestaltete sie beim Fest am 1. Mai Schmuck aus flachen Muscheln aus Thailand. Kleckse aus Acrylfarbe ließ sie ineinander laufen und lackierte die Teile, versah sie mit zur Schnur gedrehtem Stickgarn. Die fertigen Werke wurden schließlich verkauft, erinnert sie sich.

„Angefangen hat es mit der Kindergruppe der Naturfreunde im Jugendzentrum, die ich zusammen mit Hans Stier ins Leben gerufen habe“, erzählt sie weiter. Was so nicht ganz stimmt, denn Doris Müller hat ihre kreative Ader schon viel früher entdeckt. Beruflich hatte sie die Buchbinderarbeit in der Druckerei Trautwein & Seib in der Leonard- und später in der Dieselstraße übernommen. Von dort bezieht sie noch heute viel Material für ihre Kurse.

Noch weiter zurück reichen ihre Erfahrungen als Malerin. Sie hatte mit neun weiteren Frauen einen Zeichenkurs bei der Volkshochschule belegt. Nach dessen Ende wollten sich die Teilnehmerinnen nicht aus den Augen verlieren. Sie mieteten in der Kirchborngasse einen Raum an und schwingen dort seit 1980 den Pinsel. Die Hobbykünstlerinnen arbeiteten mit Öl-, Acryl- und Aquarellfarben, boten ihre Werke an einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt an, doch ihre Ware eignete sich offenbar nicht für den Bummel. Also wärmten sie fortan Punsch und bastelten.

Auf dem Esstisch des Bungalows an der Rilkestraße stehen kleine eckige Täschchen mit einem modernen Muster. Die Hausherrin hat Tapete auf aufgeschnittene Milchtüten geklebt, mit Blöckchen und Kulis gefüllt – ein praktisches Mitbringsel. Selbst als Schmuckdose taugen die Basteleien. Aber wie lässt sich ein Verschluss anbringen?

Die patentreife Idee besteht aus zwei ineinander gesteckten Tüten. Das ergibt zwei Fächer und mit einer Lasche auch noch einen Möglichkeit zum Verschließen. „Du musst auf die Spannung achten, damit es beweglich bleibt“, mahnt die Erfinderin. Dann hat sie eine Schablone erarbeitet, um Karton zu Tortenstücken zu falten. Aufgerichtet und gelegt, mit Strohhaar, Flügeln aus Pappe und Armen aus Pfeifenputzern ist’s ein Engel, mit Filzbart und in rot der Nikolaus und mit Ohren, Barthaar und Ringelschwänzchen eine Maus.

„Im Kreativkreis haben wir nur drei Stunden Zeit“, erläutert die Gruppenleiterin, „darum habe ich die Stücke schon fertig gefaltet, die Frauen brauchen nur die Verzierungen anzubringen“. Für das Oktober-Treffen hat sie Holzscheiben, Kunstgras, Blätter und Kürbisse aus Styropor bestellt, „echte Äpfel faulen zu schnell“, begründet sie ihre Auswahl für das Herbstgesteck mit zwei Figuren. „Es gibt zu wenig Bastelgeschäfte, in denen ich gerne stöbere“, bedauert sie. Also müsse sie jetzt im Internet einkaufen. Dabei assistieren ihr mittlerweile zwei Mitstreiterinnen.

Im November wollen sie Serviettenringe aus Filz kleben. Die eingesteckten roten Papiertücher werden als Nikolauskopf ausgestattet. Regelmäßig unternehmen die Damen Ausflüge, zum Glasdesigner in Rumpenheim zum Beispiel oder in die Keramik-Kunstschule nach Frankfurt, wo sie Rohlinge bearbeiten und zu Modeschmuck brennen.

„Die Ideen fliegen mir zu“, schildert die 79-Jährige selbstbewusst. Doch auch die 15 Rentnerinnen bringen ihre Begabungen ein, bewähren sich als exzellente Kuchen- und Tortenbäckerinnen. Das wiederum ist einer der Gründe, warum Gerd Katzmann als einziger Mann immer dabei ist, gesteht der Pressewart der Naturfreunde selbst. Ein anderer ist, dass er die Arbeit des Kreises mit der Kamera dokumentiert und zum kleinen Jubiläum eine Foto-Schau präsentieren konnte.

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