Kreis will kein Zwangsgeld mehr

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Vom Hunger- und Kältetod bedrohte Stacheltiere und andere notleidende Geschöpfe päppelt die Igel-Insel nun wenige Kilometer hinter der Landesgrenze auf baden-württembergischem Hoheitsgebiet auf.

Mühlheim (mcr) - Kein Verfahren mehr und kein Zwangsgeld - ihr Rechtsanwalt hatte in dieser Woche gute Neuigkeiten für Ulrike Pachzelt. Aber sie kamen zu spät: Die Tierfreundin wird Ende Oktober endgültig weg sein.

Weg von Mühlheim, wo sie 22 Jahre lang die „Igel-Insel“ betrieben hat. Weg vom Kreis Offenbach. Sogar weg von Hessen. Ihre neue Heimat und damit die ihrer längst zur Institution gewordenen Auffangstation für vom Hunger- und Kältetod bedrohte Stacheltiere und andere notleidende Geschöpfe liegt wenige Kilometer hinter der Landesgrenze auf baden-württembergischem Hoheitsgebiet. Die Nachbarn im nächsten Dorf sind schon Bayern.

Sicherheitsabstand zum Veterinäramt des Kreises Offenbach, das ihr so viele Probleme machte, seit sie Rudi, den Rehbock, aufgenommen hatte? Eher nicht. Zum einen sucht die mit Preisen und Respektbekundungen überhäufte Ulrike Pachzelt einen Neuanfang und nicht einen Ort, an dem keine Behörde Zugriff auf ihre Mission hat.

Das spart Ulrike Pachzelt gut 7000 Euro

Zum anderen hat der Kreis Offenbach mittlerweile aus unserer Zeitung erfahren, dass Rudi, den die Kontrolleure auf dem Igel-Insel-Gelände im Mühlheimer Müllerweg als nicht artgerecht untergebracht betrachteten, jetzt mit amtlichem Segen auf dem Wenelinushof in Bayern lebt. Am Mittwoch hat das Kreis-Veterinäramt deshalb dem Anwalt der Tierschützerin mitgeteilt, dass das Verfahren gegen seine Mandantin eingestellt sei und auch auf die „Beitreibung der Zwangsgelder“ verzichtet werde.

Das spart Ulrike Pachzelt gut 7000 Euro. Die kann sie gut gebrauchen. Das neue Domizil für sie und ihre Tiere, ein von ihrer Altersvorsorge und dem Erbe ihrer Mutter erworbener ehemaliger Gutshof mit Stallungen, hat seit Jahren leergestanden. Sie kann anrufen, aber nicht angerufen werden, die Heizung funktioniert noch nicht, Internet gäbe es höchstens über Satellit.

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Und der Umzug ist auch noch lange nicht gestemmt. Michael Schumann, ihr Lebensgefährte, verzweifelt in diesen Tagen zunehmend. Das Müllerweg-Terrain muss geräumt werden, das teils sehr lange Stationsmobiliar muss abgebaut und verfrachtet werden, der Teich muss verfüllt werden... Schumann sehnt sich nach „Manpower“. Ein paar Leute, die mal mit anpacken, das wäre echt schön, sagt er. Und ein Spediteur, der für einen Tag oder länger ein richtig großes Auto zur Verfügung stellt, das wäre richtig großes Glück. Und neben der Verpackung der Vergangenheit ist natürlich auch die Zukunft zu regeln. Die Igel-Insel ist weg. Aber eine wenigstens kleine Auffangstation für Igel in Not, die werde seine Freundin im Rhein-Main-Gebiet noch einrichten.

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