ADFC-Clubvorsitzender und Stadt bewerten Ergebnisse

ADFC-Fahrradklimatest in Mühlheim

Ausbaufähig: 66 Mühlheimer haben am Fahrradklimatest teilgenommen.
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Ausbaufähig: 66 Mühlheimer haben am Fahrradklimatest teilgenommen.

Wie gut ist das Fahrradklima in der Mühlenstadt? Dieser Frage geht der nun vorliegende, deutschlandweite Test des ADFC nach. Die Ergebnisse bewerten der örtliche ADFC-Vorsitzende und die Stadt. Insgesamt haben an der Befragung im Jahr 2020 rund 230 000 Menschen bundesweit teilgenommen, was im Vergleich zu 2018 eine Steigerung um 35 Prozent bedeutet.

Mühlheim – Mühlheim belegt bei 415 bewerteten Städten zwischen 20 000 und 50 000 Einwohnern den 195. Platz und schließt mit der Gesamtnote 3,88 (2018: 3,5) ab. Allerdings haben nur 66 Teilnehmer das Fahrradklima in Mühlheim bewertet, 2018 waren es 50. Das kann bei einer Einwohnerzahl von mehr als 28 000 nicht unbedingt als repräsentativ gelten. Zum Vergleich: In Heusenstamm mit rund 10 000 Einwohnern weniger haben mehr als doppelt so viele Bürger (146) bei der Umfrage mitgemacht, in Obertshausen (rund 24 000 Einwohner) waren es immerhin 58 Teilnehmer. Und doch lohnt sich ein Blick auf einzelne Punkte, denn das Velo ist ein umweltfreundliches und gesundes Fortbewegungsmittel, auf das möglichst viele aufsatteln sollten.

„Der kürzeste Weg ist nicht immer der schnellste.“

Positiv bewertet wurden unter anderem die Punkte Erreichbarkeit des Stadtzentrums (2,5), geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung (2,9) und zügiges Radfahren (2,9). Bei der Frage, „macht Radfahren Spaß?“ gab’s die Note 3,1, das ist im Vergleich zu anderen Orten der Einwohnerkategorie 0,3 Prozent über dem Schnitt. Auch der ADFC-Ortsvereinsvorsitzende Gerald Klatt bewertet die Situation für Radfahrer „im Großen und Ganzen als gut“. Er sehe eher Kleinigkeiten, an denen es „etwas zu mäkeln“ gebe und nennt abzusenkende Bordsteine oder die Werbung fürs Radfahren (4,5), die auch beim Test mit mangelhaft abgeschnitten hat. Klatt plädiert etwa für ein jährlich stattfindendes Stadtradeln. Damit würde man mehr Menschen gewinnen, Alltagswege mit dem Velo zurückzulegen. Beim Punkt „Sicherheitsgefühl“ (3,8) geht er mit der Bewertung d’accord. Man müsse nicht immer auf der Bundesstraße fahren, sagt Klatt im Hinblick auf die Bewertung der Ampelschaltungen (4,6), Mühlheim habe ein gutes Schattennetz wie eben geöffnete Einbahnstraßen oder Wege parallel zum Main. „Ein Umweg kann auch schneller sein, der kürzeste Weg ist nicht immer der schnellste.“

Insgesamt meint Klatt mit Blick auf die im Vergleich zu den Vorjahren gefallene Gesamtbewertung, seien die Teilnehmer wohl kritischer geworden. Vielleicht sei da auch der Unmut über die fehlende Fähre zu spüren, denn Radfahrer müssten nun über die nicht barrierefreie Schleuse die Mainseite wechseln. Das sei etwa mit einem Lastenfahrrad oder einem Anhänger nicht möglich. „Eine Radbrücke wäre schon schön“, findet der ADFC-Vorsitzende.

Eine kritische und konstruktive Beurteilung werde immer begrüßt

Mangelhafte Bewertungen bekommt die Mühlenstadt von den Teilnehmern bei den Punkten Führung an Baustellen (4,6), Öffentliche Fahrräder (4,9) und Falschparkerkontrolle auf Radwegen (5,1). Bei öffentlichen Fahrrädern sieht Klatt eigentlich keinen Bedarf, dafür sei Mühlheim zu klein. Falschparkerkontrollen seien ein Dauerthema, was aber im Auge des Betrachters liege. Ihm persönlich falle das nicht so auf. Bei der Führung an Baustellen nennt Klatt etwa die Passage zwischen Bahnschienen und den Neubauten „Sixplaces“ in Dietesheim. „Das war ein bisschen unglücklich, da musste man ganz schön außen herum fahren.“ Er würde sich wünschen, wenn im Frühjahr statt im Herbst das Fahrradklima abgefragt würde, da könnte man mehr Öffentlichkeitsarbeit machen und mehr Teilnehmer gewinnen, vermutet er.

Im Rathaus werde man das Ergebnis auswerten und die verschiedenen Themenfelder überprüfen. „Mit Abschluss der Analyse und Auswertung werden wir sicher auch den ADFC ansprechen.“ Zudem habe man in der Verwaltung „immer ein offenes Ohr für Anregungen des ADFC sowie aus der Bürgerschaft“. Eine kritische und konstruktive Beurteilung werde immer begrüßt, „entsprechende Anregungen werden aufgenommen und die Umsetzung auf Machbarkeit geprüft, um konstruktiv an vorgeschlagenen Verbesserungen mitzuwirken“. Die Einschätzung Klatts, dass die Befragten in ihrer Bewertung kritischer geworden seien, teilt man im Rathaus. „Auch wo es faktisch keine Verschlechterung gibt – zum Beispiel geöffnete Einbahnstraßen oder Abstellanlagen – wird dieser Punkt schlechter bewertet.“ Auch aus diesem Grund sei dabei „vermutlich ein Einfluss der Corona-Pandemie zu beobachten“, was grundsätzlich zu einer „breiten Zunahme an Unzufriedenheit bei den Menschen in allen Lebensbereichen geführt“ habe. Das spiegele sich nun auch in den Ergebnissen wider. „Dieser Eindruck manifestiert sich, da auch in anderen Kommunen in und außerhalb des Kreises ein ähnliches Abstimmungsverhalten zu beobachten ist.“ Die schlechtere Bewertung seit dem letzten Test sei auch darauf zurückzuführen, dass der Radverkehr immer mehr an Bedeutung gewinne und sich die Ansprüche gerade der zahlreichen Neu-Radler änderten beziehungsweise auch durch die so entstandenen Zuwachszahlen die Bedeutung des Fahrrades stärker in die öffentliche Wahrnehmung rücke. Zu Klatts Wunsch, das Stadtradeln im jährlichen Turnus zu veranstalten, heißt es aus dem Rathaus: „Das Stadtradeln ist eine Aktion des Landes Hessens, bei der gefahrene Kilometer unter anderem von Kommunalpolitikern gesammelt werden und der Punktestand mit denen anderer Kommunen verglichen werden können. Die Möglichkeit einer jährlichen Teilnahme besteht, wenn das entsprechende Interesse gegeben wäre.“ (Ronny Paul)

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