In Corona-Zeiten ist Schönheit gefragt

Dietesheimer Künstler Vladimir Hrubesat verschönert Schwimmhallen und andere Räumlichkeiten

Hat ein „Auge für schöne Sachen“: der Künstler Vladimir Hrubesat.
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Hat ein „Auge für schöne Sachen“: der Künstler Vladimir Hrubesat.

„Brotlose Kunst“, schimpft der Volksmund verächtlich. Tatsächlich hat die Corona-Ära Kunstschaffende hart getroffen. Nicht so Vladimir Hrubes, im Gegenteil: Der Dietesheimer profitiert davon, dass die Menschen jetzt mehr Zeit zu Hause verbringen. Kreativ und handwerklich geschickt verwandelt er öde und finstre Schwimmhallen in sonnenverwöhnte, südliche Urlaubsparadiese.

Mühlheim – Der Blick führt von einem Balkon mit einer antiken Balustrade, getragen von fraulich geformten Stützen, in die Ferne. Den geradlinigen Beckenrand begleiten schwere, korinthische Säulen, hinter der aalglatten, türkisblauen Wasseroberfläche eröffnet sich ein Panorama über eine liebliche Bucht, an die Pinienbäume und ein Fischerstädtchen reichen.

Das dreidimensionale Bild hat das Atelier geschaffen, das seit zwei Jahren in einer ehemaligen Metzgerei an der Hanauer Straße residiert. Die versierten Künstler des Teams erweiterten den Raum optisch durch eine Spiegeldecke und geschickt installiertes, indirektes Licht. Mehr als 100 private Pools in Gebäuden haben sie so bereits in sonnige Gegenden „verlegt“. Referenzen stehen nicht nur in Frankfurt, Offenbach, Hanau und im Kreis. Die Firma wurde bis nach Barcelona, Basel und Südfrankreich gerufen.

Vladimir Hrubes verwandelt einen schnöden Whirlpool in einen altehrwürdigen Tempel

Hrubes liebt Italien, die griechischen Inseln und den filigranen Stil der Antike. Er verwandelt einen schnöden Whirlpool in einen altehrwürdigen Tempel. Auf Wandfliesen entstehen fürstliche Parks mit traumhaften Villen oder exotische Vögel auf Zweigen mit prachtvollen Blüten. Den Boden bedeckt schon mal ein scheinbar historisches Mosaik, darüber erheben sich wohlgeformte Göttinnen. Profane Technik wie Entlüftungsanlagen und Dämmung verschwindet innerhalb der Objekte, in Schlitzen, Deckenbögen und hinter gekippten Spiegeln.

Der gebürtige Prager fertigt zunächst Entwürfe und Modelle. Mit seinem Bruder, einem gelernten Maurer, mit Schreiner und Glaser verwirklicht er seine Ideen. Hrubes hat ein „Auge für schöne Sachen“, beschreibt er sich selbst, mehrmals wurde er von Künstlerverbänden ausgezeichnet. „Viele Leute haben Angst wegen Corona“, beschreibt er die Situation, „sie wissen nicht, wie’s weitergeht, können nicht reisen und keine Vorstellung entwickeln, wie sie ihr Zuhause gestalten sollen“. Der Tscheche erinnert sich an seine Lieblingsorte und lässt die Kunden mit individuellen Konzepten in Träumen schwelgen.

Lebensgroß tanzende Menschen oder weinselige Momente als Silhouetten

Hrubes begann seine Laufbahn mit einer Lehre als Schriftenmaler, studierte Kunst in Prag und nach seiner Emigration 1970 in Frankfurt und Karlsruhe. Er konzentrierte sich auf Serigrafie, den Siebdruck, in dem er die Mainmetropole aus verschiedenen Perspektiven und als Collage darstellte. Bei dieser Technik wird jede Farbe einzeln in ein feinmaschiges Sieb gegeben und gedruckt. „Ich wusste nie, wie’s ausgeht, hab’ so lange gearbeitet, bis ich zufrieden war“, schildert er die Produktion seiner Exemplare.

An Ort und Stelle hat er vom Delta des Ebro erst eine Skizze angefertigt, sich dann für zwei oder drei Farben entschieden und Linoldrucke hergestellt. Oder die Szene in Monotypie wiedergegeben, mit Ölfarben auf eine große Glasscheibe gemalt und einmal auf Papier gepresst. Sein zweites Standbein ist heute die Raumgestaltung. Für Hotels, Restaurants und Cafés, Außen- und Innenwände fertigt er großflächige Malereien an oder Motive, lebensgroß tanzende Menschen oder weinselige Momente als Silhouetten, die von hinten mit dimmbarem LED-Licht Körper und Tiefe erhalten.

„Tapeten im Betonmuster – das ist krankhaft“, kritisiert der kreative Kopf, „das Puristische hat ausgedient, besonders in der Corona-Zeit ist wieder Schönheit gefragt“. (Michael Prochnow)

Infos auf atelier-hrubes.de

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