Schneemänner sind gefragt

In der Mühlheimer Weihnachtsscheune gibt es Hölzernes zum Fest

Der Trend geht zum Schneemann, weiß Gisela Bormann. In ihrer Weihnachtsscheune finden Besucher allerhand Dekoratives von Manufakturen aus dem Erzgebirge.
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Der Trend geht zum Schneemann, weiß Gisela Bormann. In ihrer Weihnachtsscheune finden Besucher allerhand Dekoratives von Manufakturen aus dem Erzgebirge.

Mühlheim – Winzige Schneemänner mit bunten Hüten und Schals, kleine Mädchen mit einem Lebkuchenherz in der Hand oder Räuchermännchen mit einem Korb voller Geschenke: Ist nicht ganz Dietesheim ein großer Weihnachtsmarkt? In Gärten, Höfen und Scheunen findet sich so manches Kleinod mit kunstvollem Sortiment. So auch im alten Ort, in der Obermainstraße 23, wo Gisela und Thomas Bormann seit 25 Jahren Handwerkskunst aus dem Erzgebirge anbieten.

Der Ackergaul Bella war einst in dem Verschlag zu Hause, dann Reitpferde und Ponys. Jetzt haben sie den Unterstand in eine Weihnachtsscheune verwandelt, in der sie ganze Serien von ausgewählten Schnitzer-Werkstätten vorhalten. „Sonst standen wir immer den ganzen Advent in Seligenstadt auf dem Weihnachtsmarkt“, berichtet Gisela Bormann. Diese Verkaufsmöglichkeit ist jetzt natürlich ausgefallen. Drei Wochen Jahresurlaub reservierte die Angestellte des Blutspendedienstes stets für den Stand im Herzen der Einhardstadt. Allein Auf- und Abbau der Bude waren aufwendig, „die Figuren sind sehr empfindlich“, betont die Händlerin.

Zu Corona-Zeiten ist es nun der einstige Kuh- und Pferdestall ihres Vaters Wilhelm Hainz, der bis zum Fest fast täglich geöffnet hat.

„Alles kommt aus Seiffen im Erzgebirge“, erläutert die begeisterte Geschäftsfrau. Die „Liebe zu einem Räuchermännchen“ führte sie vor 25 Jahren dorthin. Es geschah beim Sauerwein, einem großen Porzellangeschäft in Frankfurt. „Der hatte immer eine Ecke mit erzgebirgischer Kunst“, und da stand er mittendrin, der Räuchermann mit Leierkasten. Auch für die Schwibbbögen erwärmte Bormann sich, streifte durch Erbach und Michelstadt. Doch erst im sächsischen Seiffen fand sie, wonach sie suchte.

Die 500 D-Mark vom Ehemann haben nicht gereicht, „aber ich war sehr zufrieden – und habe mein eigenes Gewerbe angemeldet“. Das bietet Engelchen, Skifahrer in einer halben Walnussschale, deren Details erst mit einer Lupe zu erkennen sind, oder eine Reiterin in Einzelteilen, die eine fingernagelgroße Figur ergeben. In einer Vitrine sind Sänger und Dirigent formiert, ein Engelchor auf Wolken, Baumschmuck und Spieluhren runden die kunterbunte Auswahl ab.

„Jedes Jahr gibt es einen neuen Jahresengel von verschiedenen Werkstätten“, sagt die Fachfrau. „Das Gesicht bleibt dasselbe, aber er wird immer mit einem anderen Instrument ausgestattet.“ So spielt er etwa Trompete, Posaune oder Saxofon. Das Modell 2020 begnügt sich mit einem Klangholz. Zwischen 27 Euro und 78 Euro kosten die Sammlerstücke aus dem Hause Wendt & Kühn.

Die Bormanns besuchen regelmäßig Hausmessen, vor allem in Leipzig, wo auch kleine Aussteller ihre Kunst präsentieren, oder in Frankfurt. „Es macht einfach Spaß“, schwärmt sie. Und längst hat sie mit ihrem Steckenpferd Ehemann Thomas angesteckt. Ihre Kunden sind junge Eltern, „manche kennen die liebevolle Dekoration noch aus ihrer Kindheit“, weiß Gisela Bormann. „Sie kaufen jedes Jahr ein neues Teil für den Christbaum.“

Den aktuellen Trend zum Schneemann erklärt sich die Dietesheimerin damit, dass er den ganzen Winter über die Wohnung zieren kann. Nussknacker, Engel und der typische Bergmann seien als Baumschmuck typisch fürs Erzgebirge wie die Lederwaren für Offenbach. Doch gibt es nicht mehr so viele Firmen. Die Traditionsbetriebe in Seiffen fertigen schon mehr als 100 Jahre.

Geöffnet ist montags von 13 bis 17 Uhr, donnerstags bis samstags von 10 bis 12 Uhr, an den Adventssonntagen von 13 bis 18 Uhr. (Michael Prochnow)

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