Eingewöhnungsphase bei der Bürgerbeteiligung

Einspurigkeit B43: „Insgesamt überwiegen Vorteile“

Die Bilder zeigen, wie sich im Zustand der Einspurigkeit vor allem in der morgendlichen Rush Hour Rückstaus vor den Knotenpunkten bilden, jeweils kurz danach aber auch wieder verschwunden sind.

Mühlheim - Die erste Bilanz zur Einspurigkeit auf Mühlheims nördlicher Ortsdurchfahrt B43 fällt aus städtischer Perspektive vorsichtig optimistisch aus. Es gibt zwar Rückstaus und auch Nebenwirkungen vor allem auf Anwohner und Ladenbesitzer. Von Marcus Reinsch 

Doch unterm Strich, hieß es bei der ersten Bürgerbeteiligung nach der Eingewöhnungsphase, „überwiegen die Vorteile“. Edwin Meyer ist um den Wortschatz seiner Branche zu beneiden. Die „Reisezeit“ ist da ein besonders hübsches Juwel. Klingt nach Urlaub, meint aber die nicht erst seit Beginn der Einspurigkeit auf Mühlheims nördlicher Ortsdurchfahrt B43 wenig geliebte Zeitspanne, die Autofahrer von der Ludwigstraße bis zur Albertstraße brauchen.

Nach eigenen Testfahrten im morgendlichen einspurigen Berufsverkehr hat die Ingenieurgesellschaft Habermehl & Follmann zwei Minuten und 46 Sekunden als Durchschnitt für die Eingewöhnungsphase errechnet. Das ist länger als in der seit April faktisch beendeten zweispurigen Epoche der Bundesstraße (2:05 Minuten) und auch mehr als die von den Verkehrsdenkern um Meyer einst prognostizierten 2:21 Minuten.

Aber es ist nicht so schlimm, dass es bei Meyer nicht mehr für eine vorsichtig optimistische Bilanz der Eingewöhnungsphase im Mai reicht. „Insgesamt überwiegen die Vorteile“, sagt er am Ende der dritten Bürgerbeteiligung zur Einspurigkeit.

Das ist ein sehr wichtiges Treffen. Denn jetzt lassen sich erstmals hochgerechnete und tatsächliche Auswirkungen der bundesweit einmaligen Reduzierung von einer schmalen Doppelspur auf eine mit 4,50 Meter überbreiten Fahrbahn plus von ausweichenden Autos mitnutzbarem Streifen vergleichen. Sie liegen recht nah beieinander, berühmtere Propheten lagen häufiger daneben.

Als einzige negative Kernaussage zum Eingewöhnungszeitraum haben die Ingenieure formuliert, was vor allem in der mangels Verkehrsleitelementen noch wenig aussagekräftigen Aufbauzeit Betroffene schon weniger diplomatisch beklagt hatten: „temporäre Beeinträchtigungen des fließenden Kfz-Verkehrs in der morgendlichen Hauptverkehrszeit“. Meyer macht das an den Rückstaulängen und besagter Reisezeit fest (siehe Grafiken). „Es kann jetzt jeder für sich selbst bewerten, ob das eine Katastrophe ist.“

Auf seiner Plus-Seite stehen auf der hochbelasteten, in ihrer Leistungsfähigkeit aber nicht reduzierten Straße keine Behinderungen für Busse, Rettungswagen und Feuerwehrautos dank Ausweichmöglichkeit, die Verbesserung der Situation für Radler, mehr Platz für Fußgänger und die Zusatzparkplätze.

Einfließen in den Testbericht, den nächsten Sommer die letztlich über die dauerhafte Einspurigkeit oder ihre Beseitigung entscheidenden Verkehrsbehörden von Land und Bund bekommen, kann aber weder das Eine noch das Andere. Denn um der Vergleichbarkeit willen wird dafür nur der seit Juni bis Ende Mai 2019 laufende Regelzeitraum betrachtet.

In dem ist nun zumindest in Sachen Verkehrsfluss alles im finalen Testzustand. Mittlerweile hat die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil mit dem Ziel grüne Welle auch die Ampelschaltungen an den Knotenpunkten Fährenstraße, Bahnhofstraße und Albertstraße aufeineinander abgestimmt.

Zum teils bereits abgehakten Arbeitsprogramm gehören der Wegfall von Parkplätzen an der Einmündung Au-straße und vor Poststelle und Volksbank, um schlechte Sichtverhältnisse zu verbessern, plus zusätzliche Leitelemente, um Falschparker in den Griff zu bekommen. Außerdem die Verlängerung der erlaubten Parkzeiten zwischen Jean-Monet-Straße und Lerchenweg – zwei Stunden statt 30 Minuten – und zwischen Bahnhofstraße und Friedrichstraße.

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In Abstimmung mit der Straßenverkehrsbehörde – und darum lieber noch nicht im Kalender anzukreuzen – sei auch die Durchbrechung von Markierungen, um bessere Anlieferzonen schaffen zu können. Zudem sei der schon früher bewegte Gedanke an eine Linksabbiegerspur in die Bahnhofstraße nicht endgültig weg, bestätigt Bürgermeister Daniel Tybussek. Priorität habe aber der Test des jetzigen Zustands.

Vorher-Nachher-Vergleich: Die Rückstaus auf Höhe der drei ampelgeregelten Knotenpunkte (KPO) haben sich an der Fährenstraße und der Bahnhofsstraße erhöht und an der Albertstraße minimal reduziert. Das Bild variiert je nach Betrachtungszeit natürlich.

Gerade beim Thema Parken fällt bei der Bürgerbeteiligung, zu der viele Mühlheimer ihre Erfahrungswerte sachlich und durchdacht beisteuern, mehrfach das Stichwort Anwohnerparkausweis. Es gebe nun zwar gut drei Dutzend Parkplätze mehr entlang der Achse. Doch es seien einfach keine mehr für dort Wohnende mehr zu finden, heißt es. Andere Bürger zeigen, wie entscheidend der Standort der eigenen Wohnung im Zentrum ist. Ein Mann klagt über Parkdruck („Parkstreifen vor der Post reicht nicht für Anlieferungsverkehr“), Lärm und dicke Luft („Wir können überhaupt nicht mehr lüften“). Mehrere Anwohner stellen hingegen fest, es sei viel ruhiger und sicherer geworden.

Einen weiteren Bürgerbeteiligungsabend wird es im November zum Ende des Winterbetriebs geben. Land und Bund bekommen bis nächsten Sommer noch zwei Sachstandsberichte und den Schlussbericht.

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