Diskussion um Zukunft des Pendelverkehrs auf dem Main

Interessenten für die Fähre

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Mühlheim - Das Thema Fähre hat, nachdem es in Mühlheims Stadtparlament erneut für Diskussionen und gegenseitige Vorwürfe zwischen Opposition und Koalition sorgte, eine Runde durch den Kreistag gedreht. Von Marcus Reinsch

Nächste Runde im Parallelwelt-Kampf um eine Zukunft für die Mühlheimer Fähre: Nachdem sich die Mühlheimer Stadtverordnetenversammlung vergangene Woche einen weiteren Schlagabtausch in der Frage geliefert hatte, ob die Stadt dem zuständigen Kreis Offenbach eine finanzielle Beteiligung anbieten soll, hat Landrat Oliver Quliing (CDU) am Mittwoch im Kreistag informiert, dass durchaus potenzielle Pächter für den stillgelegten Pendelverkehr da sind.

Es gebe Interessenten, die die Fähre übernehmen wollen, sagte Quilling. Die seien bei der Stange zu halten, bis der Kreis seine Verhandlungen mit der Mitte Oktober wegen Sicherheitsverstößen fristlos aus dem Betreibervertrag geworfenen ehemaligen Pächterfamilie abgeschlossen habe. Bei diesen Gesprächen geht es bekanntlich um die schon einmal nach hinten verschobene Rückgabe des vom Zahn der Zeit angenagten Vehikels an den Kreis. Und mit Blick auf den Motor wohl auch um die Eigentumsverhältnisse.

Wie berichtet, wird die Neuausschreibung des Pachtvertrags wohl bis zur Klärung aller Ansprüche warten müssen. Ebenso die Unterhaltung darüber, ob der Kreis Offenbach die Investition weitgehend alleine wird stemmen wollen. Der bisher finanziell nicht involvierte Main-Kinzig-Kreis hatte vor wenigen Wochen mit dem Angebot überrascht, bis zu 15.000 Euro in die auf das Doppelte geschätzte technische Instandsetzung der Fähre stecken zu wollen.

Themenseite zur Mainfähre

Denn immerhin ist Maintal-Dörnigheim das Main-Kinzig-Pendant zum Mühlheimer Ufer. Und gerade von dort kommen auch Nutzer. Das hatte eine vom Kreis Offenbach in Auftrag gegebene und wegen des daraus abzulesenden Bedeutungsverlustes der Fährverbindung von vielen Mühlheimer Politikern gefürchtete Verkehrsuntersuchung ergeben.

Mittlerweile werden auch Unmut oder Befürchtungen von Institutionen laut, die ihre Klientel vom mindestens vorübergehenden Fähren-Verlust betroffen sieht. Für die oppositionellen Freien Wähler lenkte Rudolf Schulz im Kreistag die Aufmerksamkeit beispielsweise auf Mühlheimer Montessori-Schüler aus dem Main-Kinzig-Kreis. Und im Mühlheimer Stadtparlament hatte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Dr. Jan Winkelmann davon gesprochen, dass auch Lehrkräfte des Friedrich-Ebert-Gymnasiums nun Umwege in Kauf nehmen müssten, wenn sie über den Fluss zur Arbeit müssen. Die nächsten Alternativrouten zur Mühlheimer Fähre sind die nach Wahrnehmung des Mühlheimer Grünen-Kreistagsabgeordneten Robert Müller mittlerweile mit langen Rückstaus kämpfende Fähre in Rumpenheim und die Mainbrücke in Hanau-Steinheim.

Nichts geht mehr: Mainfähre außer Betrieb

Die Kreis-Opposition fürchtet weiterhin, dass die Große Koalition dort die Fähre in Wahrheit sterben lassen will. Hier werde, sagte der als Freier Wähler auch im Kreistag sitzende Mühlheimer „Bürger für Mühlheim“-Fraktions-chef Dr. Jürgen Ries, wohl auf Zeit gespielt. Sein Haushaltsantrag im Stadtparlament, die Stadt möge dem Kreis bis zu 200.000 Euro für den Kauf einer neuen Fähre anbieten, wurde abgelehnt. Derweil betreiben die Mühlheimer Grünen ihr mit einer Unterschriftensammlung begonnene Demokratisierungsmission weiter. Auf der Internetplattform change.org stehen aktuell rund 11.000 digitale Autogramme für den Erhalt der Fährverbindung.

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