Engagement in allen Facetten

Internationaler Tag des Ehrenamtes: Deutscher Bürgerpreis für Karl-Heinz Stier aus Mühlheim

Ehrung für Karl-Heinz Stier (Mitte): Walter Metzger (links) hielt die Laudatio, Bürgermeister Daniel Tybussek gratulierte.
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Ehrung für Karl-Heinz Stier (Mitte): Walter Metzger (links) hielt die Laudatio, Bürgermeister Daniel Tybussek gratulierte.

Karl-Heinz Stier hat den Deutschen Bürgerpreis in der Kategorie Lebenswerk verliehen bekommen. „Was gestern war, ist heute schon Geschichte.“ Dieses Motto prägte die Laudatio, die Walter Metzger von der Sparkasse Langen-Seligenstadt (SLS) im großen Sitzungssaal des Rathauses zu Ehren Stiers hielt.

Mühlheim – Er wollte sich „vom Virus nicht unterkriegen lassen“ und verdiente Mitbürger ehren, begründete der Öffentlichkeitsarbeiter des Geldinstituts einen der seltenen Termine – einen seiner letzten vor dem Eintritt in den Ruhestand. Seit 15 Jahren zeichne die SLS herausragende Leistungen in Musik, Sport und Heimatkunde zum Internationalen Tag des Ehrenamtes aus.

Der Preis gelte einem „Mann, der sich in vielfältiger Weise um die Allgemeinheit verdient gemacht hat“, begann Metzger. So trat Stier zur Jahrtausendwende in den Geschichtsverein ein, übernahm bereits nach zwei Jahren das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden und steht bis heute an der Spitze der Gemeinschaft. Die Zahl der Mitglieder wuchs in dieser Zeit von 180 auf 340 Mitglieder.

Über „Ärzte und Hebammen im Stadtgebiet“ habe der einstige Fernsehjournalist recherchiert, „Weihnachten und Winterszeit im alten Mühlheim“ mitdargestellt und „Von Metzger Peter und Kino-Heiner in Dietesheim“ geschrieben. Besondere Aufmerksamkeit fand das jüngste und reich bebilderte Buch „Fabuliert und schnabuliert“ mit alten Rezepten aus der Mühlenstadt. 16 Autoren schrieben über Gepflogenheiten bei Kochen und Essen, Tierhaltung und Schlachtung.

Es sei immer das Bestreben Stiers, die Bevölkerung einzubeziehen, zum Beispiel mit Erzählcafés. Vom Geehrten stamme auch die Idee einer Gemeinschafts-Fastnachtssitzung. Für viele Jubiläen heimischer Vereine habe er eine Laudatio geschrieben, für Ausstellungen Bürger um Exponate und Fotos gebeten, etliche Konzerte moderiert.

Außerdem sei Karl-Heinz Stier unter die Weinbauern gegangen, berichtet Metzger: In der Streuobstwiesen-Landschaft auf dem Gailenberg seien schon vor dem 30-jährigen Krieg Rebstöcke angebaut worden. Diese Kulturaufgabe habe Stier wiederbelebt. Seit 1971 ist der Preisträger Kreistagsabgeordneter, saß in den Ausschüssen für Gesundheit und Sport sowie für Europa, Kultur und Ehrenamt. Auf seine Initiative hin wurde das Kreis-Jugendorchester gegründet. Als Parlamentschef der Mühlenstadt hat er im Hessischen Städte- und Gemeindebund die Arbeitsgemeinschaft der Stadtverordneten- und Gemeindevertretervorsteher gegründet.

Auch Bürgermeister Daniel Tybussek lobte das gesellschaftliche Engagement des Sozialdemokraten, sein „vielfältiges und facettenreiches Wirken: „In Vereinsleben und Kommunalpolitik hast du Spuren hinterlassen und die Stadt geprägt“, davon zeuge auch der Erhalt der Brückenmühle. Der so Hervorgehobene zeigte sich sehr bewegt und dankte den Initiatoren der Auszeichnung, Horst Baier, Ingeborg Fischer und Dr. Hartmut Gries.

Karl-Heinz Stier erkannte eine „Bindestrich-Kultur: Man redet von Diskussions-, Ess-, Sprach- und Wein-Kultur“. Doch, „wer bestimmt darüber, wer macht sie, wer verhindert sie möglicherweise?“ Das Wort stamme vom lateinischen „colere“, was „bauen, pflegen, ausbilden“ bedeute: „Von Anfang an galt die Priorität dem landwirtschaftlichen Anbau und der Pflege der geistigen Güter“, erzählte der Geehrte seinem kleinen Publikum.

Kultur umfasse auch die Regeln des Zusammenlebens in Sprache, Schrift, Bräuchen und Sitten, „hat also einen breiten sozialen Ursprung und erklärt den Zusammenhalt von Gruppen, Völkern und Religionen“. Er wollte nicht nur die 38 Bücher in seiner Amtszeit mit herausgeben, sondern auch „Zeitzeugen gewinnen, über lokale Ereignisse zu berichten“.

„Auch das Aufzeigen sozialer Benachteiligung ist ein Stück ,Kultur verbindet’“, sagt Stier, und „das gemeinsame Eintreten für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit ist ein wesentlicher Teil des Kulturerbes“. (Von Michael Prochnow)

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