Italienische Küche ohne Pizza

Vereinshaus der Gemeinschaft hat neuen Pächter

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Franz-Dieter und Bärbel Buchheimer, Maurizio Ingala und Jürgen Fritz sehen das „PerBacco“ als neues Zentrum im Viertel.

Mühlheim - Im Vereinshaus der Siedlergemeinschaft „Rote Warte“ an der Henri-Dunant-Straße verändert sich gerade viel. Mit „PerBacco-Osteria & Enoteca“ übernimmt ein Italiener eine Lokalfläche, die ewig brach gelegen hatte. Der Vorstand wählte die Pächter mit viel Sorgfalt aus. Von Stefan Mangold 

„Endlich ist in der Roten Warte wieder etwas los“, spricht Vorstandsmitglied Bärbel Buchheimer wohl für so ziemlich alle der rund 500 Mitglieder der Siedlergemeinschaft. Drei Jahre hatte Leerstand geherrscht. Das Verhältnis zwischen dem letzten Pächter und dem Verein kennzeichnete nicht unbedingt bruchlose Harmonie.

Kneipiers gab es einige, die sich um die Nachfolge beworben hatten. Doch der Verein wollte niemanden, der eine 08/15-Wirtschaft plant. „Wir suchten jemanden, der ein schlüssiges Konzept vorlegen kann“, sagt der Vorsitzende Franz-Dieter Buchheimer. So schieden schon mal jene aus, die ein Interieur belassen wollten, das den Charme von Bürgerhaus-Gaststätten der 70er Jahre ausstrahlte. „Wir hatten das Gefühl, die schielten eher auf das Geschäft mit dem großen Saal“, erläutert Jürgen Fritz, der Vize-Vorsitzende des Vereins.

Der Saal für 200 Gäste plus Nebenraum bleibt weiter unter der Obhut des Vereins. Das minimiert das Risiko. Die Siedlergemeinschaft kann ihn weiter vermieten und so auf jeden Fall Einnahmen generieren, auch wenn das Restaurant nicht laufen sollte. Darauf deutet jedoch nichts hin. Noch vor der offiziellen Eröffnung und ohne Werbung, die über ein „hast Du schon gehört?“ in der Siedlung hinaus ging, servierte der neue Pächter Maurizio Ingala schon in voller Hütte, als hätte der Stadtteil nur auf einen Italiener mit gehobener Küche und zivilen Preisen gewartet. Die sind möglich, weil keine Pacht wie etwa im Frankfurter Westend auf den Inhabern lastet.

Jürgen Fritz erzählt von einem besonders kritischen Bekannten, der an kaum einem Restaurant ein gutes Haar lässt, „sogar der war voll des Lobs“. Manche aßen in den zwei Wochen nach der inoffiziellen Eröffnung schon mehrfach dort.

Die Speisekarte wirkt für die Qualität der Küche ähnlich als Indikator wie die Klingelschilder eines Mehrfamilienhauses für die Seriosität von Eigentümern und Verwaltung. Das Roastbeef mit Rucola, Grana Padano und rosa Pfeffer steht genauso handschriftlich auf Deutsch und Italienisch notiert wie Orecchiette mit Lachs, grünem Spargel und Zitronensauce. Auf eine seitenlange Karte verzichtet das „PerBacco“. Was auf den Tisch kommt, bereitet der Koch Gaetano Cacciola frisch zu. „Pizza gibt es bei uns genauso wenig wie 25 Saucen für Spaghetti“, skizziert Maurizio Ingala.

Wie frisch vom Italiener: Gnocchi selber machen

Meist schmecken Weine in Restaurants fernab von Hochgenuss. Bessere Tropfen können ein Vermögen kosten: „Bei uns gibt es richtig guten Wein für 21 Euro die Flasche.“ Der Raum neben der Gaststube dient als Weinhandlung und Probierstube. Für neun Euro bekommt man einen satten Roten, mit dem sich der Abend angenehm daheim verleben lässt. Der Kontakt zwischen Verein und Pächtern rührt von Paolo Bondi her. Der Kompagnon von Maurizio Ingala wohnt seit 25 Jahren im Viertel.

Die Siedlergemeinschaft investierte in die Sanierung des Hauses rund 150.000 Euro, teilweise durch großzügige Spenden finanziert. Der Vorsitzende Franz-Dieter Buchheimer erwähnt besonders Vereinsmitglied Walter Meides. Ehrenamtlich koordinierte der Architekt die Bauarbeiten.

Bärbel Buchheimer benennt, für was das „PerBacco“ in der Roten Warte steht: „Für Aufbruch und ein neues Zentrum der Gemeinschaft.“

Das Restaurant öffnet dienstags bis freitags von 12 bis 15 Uhr sowie 18 bis 23 Uhr. Samstags geht es um 18 Uhr bis „Open End“. Offiziell startet das „PerBacco“ am Samstag, 26. Mai, um 12 Uhr mit einer Eröffnungsfeier.

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