Harmonie mit Pinsel und Kamera

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Bärenrunde im Bürgerhaus: Die originellen Kuscheltiere zogen mit ihrer klaren Mimik viele Besucher in ihren Bann .

Mühlheim - Es ist schon ein Kunststück, eine solche Vielfalt in ein Foyer zu bannen. Der Künstlerwerkstatt Mühlheim gelang das am Wochenende bereits zum 36. Mal, und obendrein gewann der Vorstand ein junges Talent für die zweitägige Schau in der Willy-Brandt-Halle. Von Michael Prochnow

Walter Winkler, evangelischer Pfarrer im Ruhestand mit Wurzeln im Osten, brachte die Schnitzkultur des Erzgebirges in die Mühlenstadt und übernahm am Samstag die Eröffnung der Veranstaltung. „Es ist nicht so locker wie im Sommer“, erinnerte er an das gesellige Fest des Kreises, „es ist intimer, familiärer“. Der Termin biete eine weitere Möglichkeit, zusammenzukommen. Die meisten der Hobbykünstler üben ihr kreatives Steckenpferd in der Abgeschiedenheit des eigenen Ateliers oder in der Enge der eigenen Wohnung aus, wünschen aber einen regelmäßigen Austausch mit anderen Kunstschaffenden.

Winkler malte mit sächsischem Zungenschlag ein Bild von einer fröhlichen Runde, die sich in Kellerräumen des Bürgerhauses trifft, um Anregungen weiterzugeben, Tipps und Erfahrungen von Gleichgesinnten zu erhalten. „Wir fühlen uns sehr wohl im Untergrund“, scherzte Winkler und dankte den anwesenden Vertretern der Stadt, die ihnen den Platz im Untergeschoss bereit stellt.

Gemeinschaft in die Jahre gekommen

Mittlerweile ist die Gemeinschaft in die Jahre gekommen. 2011 mussten die Mitglieder der Künstlerwerkstatt zwei aus ihren Reihen zu Grabe tragen, Marianne Dietrich und Erhard Kraus, erinnerte der Sprecher. Auch wenn die meisten der 25 Aussteller schon das Rentenalter erreicht haben - oder gerade deswegen - pflegen sie ihr Hobby mit Akribie und großer Leidenschaft.

Bürgermeister Daniel Tybussek lobte als Schirmherr der Ausstellung, dass viele Teilnehmer „zeigen, wie’s gemacht wird“. Er lud die Besucher ein, mit den Talenten an den Tischen ins Gespräch zu kommen. Um diesen Prozess zu fördern, erläuterte Vorsitzender Hans-Jörg Wittkamp, habe man das Wochenende gewählt, an dem das Akkordeonorchester sein Konzert gibt. Dieser Anlass führte am Samstagabend viele Musikinteressierte an die Stände der Freizeitkünstler.

Mit Acryl oder Ölkreide

Erstmals dabei war die junge Erzieherin Katharina Hrubes aus Hausen. Sie zeichnet im Dunklen mit einer Lichtquelle vor der geöffneten Kamera Figuren und Ornamente oder schreibt Wörter. Die Ergebnisse zieren Bilder, Karten und Kalender. Mit Acryl oder Ölkreide schafft die Dietesheimerin Imka Hainz aussagekräftige Köpfe in Comic-Manier. Die Städel-Absolventin wurde von der Künstlerwerkstatt eingeladen, brachte helle und kräftige Farben in die abwechslungsreiche Präsentation.

Sie verwirkliche ihre Ideen im Garten sitzend, sie benötige Licht und Sonne, die auch in geometrischen Linien in ihren Werken auftaucht. Außergewöhnlich sind ihre Arbeiten mit Filzstiften: Sie verlaufen nicht, erlauben einen feine Strich, seien lichtecht, und robust.

Trudi Stemper fertigte ihre 100. Skulptur aus Speckstein. Alle zeigen Liebende, Familien, eng umschlungen, betend oder anlehnend. Kollegen bearbeiteten Schwippbögen sowie Teddybären, boten Keramik, Aquarelle und Hexen an sowie Adventsdekoration.

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