„Je größer, desto besser“

Maler Josef Weidner nimmt mit Erfolg an Kunst-Wettbewerb teil

Malt meist abstrakte Figuren: Josef Weidner.
+
Malt meist abstrakte Figuren: Josef Weidner.

Josef Weidner hat schon in Kinder- und Jugendjahren den Wasserfarbkasten und die Zeichenstifte ausgepackt, heute ist der Mühlheimer ein international dekorierter Künstler – vielleicht weil er die Kunst nicht zum Beruf gemacht hat, sondern die Architektur. Und neben seinen Aufgaben als Stadtplaner im Neu-Isenburger Rathaus findet er Muse, mit Pinsel und Farbe abstrakte Fantasie und figürliche Kreativität auf die Leinwand zu bringen.

Mühlheim – Mit seinem Talent hat der gebürtige Bayer aus Neustadt an der Waldnaab gerade wieder einen Preis errungen. Unter mehr als 600 Teilnehmern am Wettbewerb des Circle Quarterly Art Review Magazine ist seine Arbeit eine der prämierten. „Die Teilnahme ist durch Corona einfacher geworden“, so der Ingenieur. Anstelle einer Rechnung über hohe Gebühren für das Einstellen von kostspielig versendeten Bildern erhalte er jetzt Einladungen, weil er sich international einen Namen gemacht habe, erläutert Weidner. Die virtuellen Termine steigerten den Bekanntheitsgrad in Galerien, Museen und in sozialen Medien, sagt er. Dazu reicht er digitale Fotos von seinen Werken ein, die ein Kuratorium juriert. So hat er sich allein schon in diesem Jahr an sechs Veranstaltungen beteiligt. „Es ist eine andere Form, Kunst an den Mann zu bringen“, spielt er auf den Verkauf von Ausstellungsstücken an. „Aber von manchen kann ich mich gar nicht trennen“, gesteht der Hobbymaler. Analoge Kunst-Wettbewerbe seien eine teure Angelegenheit. So schickte er sechs großformatige Werke nach Salzburg, veräußerte ein Bild für 1500 Euro. Doch neben 3500 Euro Standgebühr war auch seine Anwesenheit übers Wochenende kostspielig. „Der Aufwand war viel zu groß für einen Autodidakten“, resümiert der Markwälder. „Ich bin froh, dass ich nicht von der Kunst leben muss.“

Noch als Jugendlicher unternahm Weidner Versuche mit Öl, doch „Acryl ist die bessere Wasserfarbe“. Sie lasse sich schichtweise auftragen, bereits nach wenigen Stunden könne er übermalen, nachbearbeiten, denn „ich bin der, der im Prozess ist. Ich muss meine Ideen in einer gewissen Zeit rausbringen“. Heute nehme er „die Farbe raus“, bevorzuge dezente Pastelltöne.

Seine Ansichten entstehen auf einem „Grundgerüst“ während des Malens. Dabei schaffe er Figuren, die aber nicht zwingend Menschen ähneln. Und dennoch sei in seinen Interpretationen „immer eine Person sichtbar“. Viele Ergebnisse seien abstrakt, dokumentiert er mit einigen Beispielen in seinem Büro. Die Objekte verteilt er asymmetrisch auf der Leinwand, mit einem Hintergrund stellt er Tiefe her, die dritte Dimension.

Der Prozess beginne mit Kohle- oder Bleistift, dann folge das Malen mit farblichen Tiefen, dunklen und hellen Feldern, dicken, dünnen, groben und geometrischen Elementen. „Es ist immer schwierig vor der weißen Fläche zu stehen“, findet der Büroleiter, „man braucht eine Ausbildung“. Er besuchte darum einen Kurs der Volkshochschule, doch „die gestalten meistens Landschaften“. Ein Lehrgang im Städel dagegen habe ihm sehr weitergeholfen.

„Ich kann mich nicht auf eine Sache beschränken“, sagt der Künstler. Er wolle „immer wieder“ was Neues ausprobieren. „Je größer, desto besser“, lautet seine Parole, „da kann ich mich richtig ausleben, ich bin nicht der Typ für Klein-klein“. Doch nur selten gelingt es ihm, sich auf vier Metern Breite ausleben zu dürfen. Auf Dauer wollte er auch nicht in der Wohnung seinem Hobby frönen: „Das wollte ich meiner Ehefrau nicht antun!“ (Von Michael Prochnow)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare