In den Startlöchern

Jürgen Szczypski will Hessens älteste Sauna an der Büttnerstraße in Mühlheim wieder zum Leben erwecken

 Jürgen Szczypski arbeitet an der Sauna  in der Büttnerstraße in Mühlheim
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Letzter Feinschliff: Jürgen Szczypski hat die traditionsreiche Sauna an der Büttnerstraße aufgehübscht und eröffnet dort bald unter dem Namen „Magie der Wellness“.

Mühlheim – Eigentlich sollte er heute beginnen, der Traum vom eigenen Saunabetrieb. Flugblätter hatte Jürgen Szczypski verteilt, ein Hygienekonzept erarbeitet und sogar schon Buchungen angenommen. Alles war soweit wie möglich bereit für die „Magie der Wellness“. So heißt „Hessens älteste Sauna“ in der Büttnerstraße 46 nun.

Die Eröffnung ist allerdings durch die Ende vergangener Woche erlassenen Verordnungen des Landes erst einmal aufgeschoben. „Ich kann es nicht ändern“, sagt Szczypski und gibt zu, er habe in den vergangenen Tagen nicht gut geschlafen. Verständlich, hat er doch seit Anfang Juli Tag und Nacht an seinem Traum gearbeitet, bis auf das Streichen der Wände alles in der traditionsreichen Sauna selbst auf Vordermann gebracht. Dabei setzt der Ur-Mühlheimer auf recyceln: „Ich habe alles, was möglich war, wiederverwendet, abgeschliffen und neu gestaltet.“ Der alleinerziehende Vater von drei Kindern ist mit viel Herzblut dabei, sagt: „Ich lebe Sauna.“ Und wie es der Zufall so will, genoss er mit sieben Jahren das erste Mal ein Schwitzbad– bei den Seipels an der Büttnerstraße.

Die Tradition hat Artur Seipel nach Mühlheim gebracht. Nachdem er in Russland eine Sauna kennengelernt hatte, eröffnete er – zunächst als Hobby in einem alten Bauwagen im Garten der Eltern – 1947 die erste Rauchsauna in Mühlheim. In den folgenden Jahren entwickelte sich daraus ein öffentliches Schwitzbad, das seine Hochzeiten in den 1970er- und 80er-Jahren erlebte. Sohn Peter übernahm den Betrieb von Vater Artur in den 1980er-Jahren, der bis heute noch im Familienbesitz ist, aber alters- und krankheitsbedingt nicht mehr selbst von den Seipels geführt wird. Szczypski, der schon lange mit dem Gedanken spielte, eine eigene Sauna zu führen, ergriff die Chance, nachdem der vorherige Betreiber im März schloss. „Die Familie Seipel hat mich sehr unterstützt“, betont der 48-Jährige. Für sie sei es ein Test: „Mache ich was ich sage, sage ich was ich mache.“ Drei Schwitzbäder hat der Mühlheimer eingerichtet, eine Tannen-, eine Aufguss- und eine Barsauna, Ruheflächen, dazu ein aufgefrischter Außen-Pool. Ein Dampfbad sowie eine kleine Küche sollen noch sukzessive dazukommen, schließlich wolle er dahin, einen Tag Urlaub in Mühlheim anbieten zu können. Da gehöre auch Essen dazu, sagt der gelernte Bäcker und Koch

Szczypski, der seit 2004 selbstständig ist, liebt Wasser und Wärme: „Was gibt es Besseres, als im Winter in die Wärme zu gehen?“, fragt er und schiebt sein Motto hinterher: „Spaß gleich Erholung, Erholung gleich Wellness.“ Unterhaltung gehört für Szczypski dazu, für ihn ist saunieren ein Erlebnis. Der Mühlheimer bezeichnet sich seit 2008 als Sauna-Animateur, ist viele Jahre durch Deutschlands große Saunen und Thermen getingelt und hat Shows präsentiert. Zudem hat er die erste deutsche Sauna-Aufguss-Meisterschaft gewonnen und wurde 2012 zum „Besten Entertainer Europas“ von Sauna-Betreibern gewählt. Zudem darf er sich Saunameister nennen, hat auch solche schon ausgebildet. Er wolle junges Publikum anziehen, sagt der 48-Jährige, Aufgüsse, wenn die Beschränkungen es wieder zulassen, zelebrieren, Peeling anbieten und etwa Junggesellenabschieden einen entspannten Start ermöglichen.

Wenn es denn die Pandemie-Situation wieder zulässt. Szczypski steht jedenfalls in den Startlöchern und kann der Verzögerung dann doch noch etwas Gutes abgewinnen: „Ich kann den Monat jetzt nutzen, um alles fertig zu machen, was ich sonst noch während des laufenden Betriebs erledigt hätte.“

Infos unter 0177 5904665 oder per Mail an t-s-l@hotmail.de.

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