Klar definierte Ziele

Jugendarbeit des F.C. Kickers Viktoria Mühlheim 1910 trägt Früchte

Teamgeist wird groß geschrieben: Der Aufstieg der C-Jugend soll nur die Etappe vor dem nächsten Aufstieg sein. Der F.C. Kickers Viktoria Mühlheim 1910 formuliert für seine Jugendmannschaften ambitionierte Ziele.
+
Teamgeist wird groß geschrieben: Der Aufstieg der C-Jugend soll nur die Etappe vor dem nächsten Aufstieg sein. Der F.C. Kickers Viktoria Mühlheim 1910 formuliert für seine Jugendmannschaften ambitionierte Ziele.

Nach der Fußball-Europameisterschaft im Jahrr 2000 stand fest, die „deutschen Tugenden“ reichen nicht mehr aus. Die Nationalmannschaft hatte nur ein Tor geschossen, nur einen Punkt geholt. Jeder sah, mit dem Prinzip „Rennen, Kämpfen, doch beim Stoppen springt der Ball vom Fuß“, lässt sich kein Blumentopf mehr gewinnen. Bis dahin hatte sich der DFB offenbar für die Ausbildung junger Kicker nicht sonderlich interessiert. Strukturen, wie sie heute beim F. C. Kickers Viktoria Mühlheim 1910 (KV) vorzufinden sind, gab es vor 20 Jahren kaum.

Mühlheim – Die Trainer von KV haben zum Großteil eine Ausbildung hinter sich, allen voran Allan Kuzbik, der als Jugendlicher für Vereine wie die TSG Hoffenheim, Kickers Offenbach und Darmstadt 98 gegen den Ball trat, bis den heute 27-Jährigen eine Knieverletzung stoppte. Vor zwei Jahren begann Kuzbik in Mühlheim als Trainer. „Er ist ein großes Talent“, betont Francesco Civale, der sportliche Leiter der Jugendabteilung, der eng mit dem aus Lämmerspiel gewechselten Günter Schrebel zusammenarbeitet. Erfolgreich ist Kuzbik, der zur Zeit die Prüfungen für den B-Trainer-Schein absolviert, schon jetzt. Der A-Schein soll folgen, mit dem sich auch in der Bundesliga trainieren lässt. Mit der aktuellen C-Jugend stiegen Kuzbik und Co-Trainer Leonard Kitzinger in die Gruppenliga auf. Vor dem Abbruch der Runde wegen Corona hatte die Truppe nach 14 Spieltagen ein Torverhältnis von 104:10 und 39 Punkte gesammelt.

Junge KV-Talente wechseln zu größeren Klubs

Aber für Mühlheim gilt letztlich nichts anderes als für Bundesliga-Vereine wie Frankfurt oder Freiburg: Der Erfolg sorgt für Aderlass. Die besten Spieler sind begehrt und gehen. „Wir sehen das mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, sagt Ina Kober, die vor vier Jahren mit ihrem Gatten Boris zum Verein kam, als der damals vierjährige Sohn anfing, bei den Bambinis zu kicken. Kober ist für die Organisation zuständig, rechnet etwa aus, wer zu welcher Zeit auf welchem der Plätze an der Anton-Dey-Straße trainieren und spielen kann.

Oli Kuzbik, der Bruder des Trainers, kam vor anderthalb Jahren von der SG Rosenhöhe nach Mühlheim. Nach einem Sichtungstraining bei Kickers Offenbach wechselt er nun in deren Nachwuchsleistungszentrum. Stürmer Dario Bellobuono gefiel den Talentsuchern des FSV Frankfurt und Mustafa Bayram läuft nach acht Jahren KV nun für die U 16 des FSV Mainz auf.

„Innerhalb der nächsten fünf Jahre wollen wir im Jugendbereich in der jeweils höchstmöglichen Liga spielen“

Wer als Kind kickt, der träumt meist davon, einmal im Camp Nou des FC Barcelona, im Trikot des FC Bayern oder Eintracht Frankfurt nach dem entscheidenden Tor in der Nachspielzeit mit dem Champions League-Pokal eine Ehrenrunde zu drehen. Doch von denen, die in der E-Jugend Profi werden wollen, schaffen es nur wenige. „Aber was die Kinder und Jugendlichen beim Fußball lernen, das hilft auf jeden Fall fürs Leben“, sagt Kober, die vor allem die integrative Wirkung betont, wenn etwa Flüchtlingskinder das Gefühl bekommen, „die Mannschaft braucht mich“.

In den vergangenen vier Jahren nahm der Club, den der Mühlheimer Unternehmer Lino di Dato finanziell unterstützt, eine rasante Entwicklung. Die Zahl der Jugend- und Kindermannschaften verdoppelte sich von acht auf 16. Um die Teams kümmern sich 35 Trainer und Betreuer. Zehn Übungsleiter können einen Schein vorweisen, sieben weitere befinden sich in Ausbildung. Der Aufstieg der C-Jugend in die Gruppenliga soll erst der Anfang sein. Das Ziel definiert Francesco Civale klar: „Innerhalb der nächsten fünf Jahre wollen wir im Jugendbereich in der jeweils höchstmöglichen Liga spielen.“ (Von Stefan Mangold)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare