Vereinsjubiläum der Käferfreunde

Mops im optimierten Käfer

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Ein Rennen auf Augenhöhe. An den Käfern ist nichts getunt oder optimiert. Ein Top-Sprinter dürfte nach den ersten hundert Meter vorne liegen.

Mühlheim - Es steht und fällt mit dem Wetter, das Käfertreffen auf den Wiesen an der Anton-Dey-Straße. Am Samstagmittag zählt Andreas Becker von den Käuferfreunden Mühlheim schon 300 Autos, „im letzten Jahr waren es zum selben Zeitpunkt gerade mal 100“. Von Stefan Mangold

Was Becker nicht wundert. Schließlich ist das Auto, mit dem die Leute erscheinen, weit mehr als ein Gefährt, um von A nach B zu fahren: „Bei Regen lassen die Leute ihr Schätzchen in der Garage.“ Ohne den besonderen Faible käme etwa ein Stephan Wagner (46) aus Waldsee nicht auf die Idee, ein Automobil ohne Motor zu kaufen: einen Käfer von 1974, mit dem Wagner am Beschleunigungsrennen teilnimmt, das der Motorsportclub Mühlheim (MSC) auf der gesperrten Ulmenstraße ausrichtet. Als Moderator agiert Ralf Rink. Die motorisierten Duelle gehen über 201,17 Meter. Das entspricht einer achtel Meile. Angst haben die Starthelfer Winfried Tirpitz und Michael Schenk augenscheinlich nicht. Manche Fahrzeuge rasen die wenigen Meter zur Aufstellung mit quietschenden Reifen auf die beiden zu. Wenn die Bremsen versagten, müsste sich der MSC im nächsten Jahr um neue Starter kümmern.

Käfertreffen in Mühlheim

Beim Käfertreffen können Oldtimer- und Autoliebhaber hunderte der kultigen Gefährte neben dem Mühlheimer Sportzentrum bestaunen.

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Es ist das erste Rennen, an dem Stephan Wagner mit seinem VW 1302 teilnimmt. Unter der Motorhaube schlummern 100 PS. Das lässt nicht nur den Kenner der Materie vermuten, da stimmt was nicht. Kein Käfer brummt außerdem mit 190 Sachen über die Autobahn. „Nein, von Tuning sprechen wir nicht“, erklärt Wagner, „das Auto ist optimiert“. Mit von der Partie ist Hund Alfred. Ein Mops, der sich nicht hetzen lässt. Manche Konstellationen im Rennen muten an, als würde Mops Alfred gegen einen Windhund um die Wette rennen. Super optimierte Karren von Opel treten gegen Käfer an, die mit 34 PS genauso langsam fahren wie vor Jahrzehnten. Am Ende zählt die gemessene Zeit. Die Pokale verteilt der MSC an die Platzierten der verschiedenen Klassen.

Am Rand schaut Sandra König zu, wie ihr Freund Markus Rupp (35) mit seinem Opel-Vectra Turbo ein ums andere Mal versucht, die eigene Bestzeit zu drücken. Ein bisschen mulmig sei ihr schon, „aber dann denke ich, Markus kann das, da wird nichts passieren“. Was dieser bestätigt. Selbst wenn ein Reifen auf der geraden Strecke platzte, „schert das Auto nicht aus“. Wer gegen wen fährt, können sich die Teilnehmer aussuchen oder der Zufall der Position in der Warteschlange entscheidet.

Dieser VW Käfer ist märchenhaft

Dieser VW Käfer ist märchenhaft

Normalerweise veranstalten die Käferfreunde das Treffen nur alle zwei Jahr. Die Ausnahme begründet Becker mit dem Vereinsjubiläum, „in diesem Jahr werden wir 25 Jahre alt“. Was manche Gäste schon am Freitag lange im Festzelt begießen. Im vergangenen Jahr bilanzierten die Käferfreunde eine schwarze Null nach dem Treffen. „Bis Sonntag rechnen wir mit einem Gewinn“, den der Verein etwa für gemeinsame Ausflüge verwende. Auf dem Gelände stehen nicht nur Käfer. Auch andere Oldtimer sind willkommen. „Die Käfer sterben langsam aus“, beobachtet Rainer Zickert, Vorsitzender der Käferfreunde, einen natürlichen Prozess. Älter als die meisten anderen Fahrzeuge ist ein NSU-Prinz, Baujahr 1959.

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