Kampf gegen den Schlamm

Mühlheimer Angelsportverein hofft auf Hilfe der Stadt bei Sanierung des Hansteinweihers

Bedenklich niedrig: Die Wassertiefe im Hansteinweiher nimmt immer mehr ab.
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Bedenklich niedrig: Die Wassertiefe im Hansteinweiher nimmt immer mehr ab.

Schlamm macht dem durch Kiesabbau entstandenen Hansteinweiher in Dietesheim weiter zu schaffen. Das Gewässer, das Heimat des Angelsportvereins (ASV) ist, muss saniert, der Schlamm entfernt werden.

Mühlheim –Die Stadt will dem ASV, der den Weiher gepachtet hat, vorbehaltlich der mehrheitlichen Zustimmung in der kommenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung, in dem Vorhaben unterstützten. Dabei sollen eine genehmigungsfähige Sanierungsplanung sowie ein Gutachten zur Nachhaltigkeit der Maßnahme in Hinblick auf die künftige Nutzung von der Stadt finanziert werden. Kostenpunkt: bis zu 20 000 Euro. Über weitere Maßnahmen durch die Stadt solle nach Vorlage und Durchsicht des Gutachtens entschieden werden.

Der ASV hatte bereits im vergangenen Jahr Kommunalpolitiker aller Fraktionen vor Ort informiert. Harald Schrodt, ASV-Vorsitzender, dankt dem CDU-Landtagsabgeordneten Ismail Tipi, durch den „Bewegung in die Sache“ gekommen sei. Bereits im dritten Jahr werde die Planung der Sanierung seitens der Fischer mit Wasserstands- und Schlammtiefen-Kontrollen durch eine Fachfirma vorangetrieben. „Anfangs maß der Hansteinweiher noch 70 Zentimeter Tiefe“, erinnert Schrodt. „Jetzt sind es 22 Zentimeter und er beginnt zu sterben.“ Sollten sich keine Veränderungen im Wasserhaushalt ergeben beziehungsweise verändernde Maßnahmen ergriffen werden, wäre nicht nur Bestand des Sees, sondern auch die Existenz des Angelsportvereins langfristig gefährdet, da der Hansteinweiher eine herausragende Bedeutung für den Verein hat, heißt es in der Magistratsvorlage.

Dabei sei eine Maßnahme schon abgesprochen, so Schrodt: Wenn das flache Ufer im Sommer trocken liege, soll ein Damm aus Strohballen gebildet werden, quasi ein Schlammrückhaltebecken. Dahinter werde eine Firma für Gewässerökologie Wasser pumpen, erläutert der ASV-Sprecher. Das Nass laufe so zurück in den See, der Schlamm bleibe dahinter, so der Plan. Die Barriere aus Strohballen wirke wie ein Grobfilter. Nach einem Absetz-, Ruhe- und Trocknungszeitraum würde der Bereich noch mit einer „Initialbepflanzung“ versehen werden, heißt es in der Magistratsvorlage. Zusätzlich seien Maßnahmen zur Auffrischung des Bestandes vorgesehen: Besatz mit Fischen und Teichmuscheln sowie Ufersicherungsmaßnahmen durch Anpflanzung und Verbau im gesamten Uferbereich des Weihers.

Die Maßnahmen seien allerdings, informiert Schrodt, „ein Eingriff in die Natur, der nur genehmigt wird, wenn er von einem zertifizierten Institut mit einem hydrogeologisch-biologischen Gutachten beantragt wird“.

Über derartige Maßnahmen entscheide die Untere Naturschutzbehörde, heißt es. Der ASV-Vorsitzende weist darauf hin, dass eine „Komplettsanierung“ eine mittlere sechsstellige Summe verschlinge. „Das kann der Verein nicht stemmen.“ Daher hofft der ASV für die Magistratsvorlage auf eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung. „Sinn und Zweck des Beschlussantrags ist, ein Institut zu beauftragen, einen Plan für eine Grundsanierung zu erstellen. Das ist ein erster Schritt“, sagt Schroth.

Denn, werden keine weiteren Schritte eingeleitet, sieht’s bald ziemlich düster für den ASV aus: „Wenn die Fische sich nicht mehr bewegen können, dürfen wir nicht mehr fischen, dann muss der See gesperrt werden.“ Das sei aktuell der Fall und aus diesem Grund seien schon 30 Mitglieder ausgetreten – was wiederum Verluste in der Kasse zur Folge habe. Schließlich werde auch der Fischbesatz aus Mitgliedsbeiträgen finanziert.

Mindereinnahmen seien allein schon durch die Maßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie deutlich spürbar: „Kein Backfisch-Fest, keine Vermietungen des Heims, kein Geld“, fasst Schrodt zusammen. Nichtsdestotrotz hatte der Verein 2019 mit seinen „letzten Ersparnissen“, privaten Spenden von Vorstandsmitgliedern und Hilfen der Stadt fast 32 000 Euro für eine Umwälzanlage aufgebracht. Sie saugt Sediment vom Boden an und speit es oben wieder aus. „Durch die Zirkulation wird kein zusätzlicher Schlamm gebildet, die Fische bekommen wieder genug Sauerstoff“, erläutert Schrodt.

Neben den noch ausstehenden Genehmigungen sei auch der finanzielle Aufwand erheblich. Die vom ASV und dem Mühlheimer Büro Schunke Gewässerökologie kalkulierten Kosten für die Sanierungsmaßnahme belaufen sich auf rund 200000 Euro, heißt es in der Magistratsvorlage. Für die Planungsleistungen seien noch Kosten von rund 20 000 Euro einzuplanen. (m / ron)

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