Bürger wollen Kegel-Feldahorn

18 Bäume für die Hauptachse der Roten Warte

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Noch ist’s eine Mondlandschaft. Bis zum Jahresende soll die Rote Warte ihre Kanal-Durststrecke aber hinter sich haben.

Mühlheim - Noch wirkt der Alte Frankfurter Weg mit den Baggern, Rohren, Sandhügeln wie eine ewige Baustelle. Bald aber soll der Kanalaustausch vorüber sein. Nach Plan wird die Hauptachse der Roten Warte ab Herbst mit 18 Bäumen ihren letzten Schliff bekommen. Von Stefan Mangold 

Bei der Bürgerbeteiligung dazu machte der Kegel-Feldahorn das Rennen. Manchmal sind sich auf den ersten Blick Welten voneinander entfernte Dinge so nah wie Zwillinge. Stadtplanung und Fußball zum Beispiel. Mit Rücksicht auf das Pokalhalbfinale im Fernsehen hatte Bürgermeister Daniel Tybussek das Ende der Bürgerbeteiligung zur Frage, welche Bäume nach dem großen Kanalaustausch im Alten Frankfurter Weg gesetzt werden, am Mittwochabend auf 20 Uhr festgeklopft. Kein Problem; der Drops war sogar schon eine halbe Stunde vorher gelutscht: Die Rote Warte bekommt Kegel-Feldahorne.

Bagger, Rohre und Sandhügel auf dem Alten Frankfurter Weg.

Um zu gedeihen, gibt es für Bäume bessere Plätze als neben einer Straße, erklärt Petra Hopfgarten vom städtischen Fachbereich für Umwelt. Über Hundekot, Streusalz, Abgase und einen limitierten Wurzelraum freut sich generell kein Gewächs. „Folgen des Klimawandels müssen wir auch mit einkalkulieren“, spricht Hopfgarten über all die Trockenperioden, Temperaturschwankungen, die intensive Sonnenbestrahlung und heftige Niederschläge.

Die Suche nach einer passenden Baumsorte gestaltet sich ähnlich diffizil wie die von Unternehmen, die sich blutjunge Kräfte mit langer Berufserfahrung und null Gehaltsanspruch wünschen. Der Baum muss über robuste Eigenschaften verfügen und als „Bienennährpflanze“ taugen, aber keinen Honigtau absondern oder „sonstige lästige Effekte wie starken Fruchtfall“ verursachen. Vor dem Weg zur Arbeit will niemand sein Auto waschen oder Gezweig vom Dach räumen. Deshalb gelten die Anforderungen „windfest“ und „geringes Risiko von Astbrüchen“. Außerdem muss es sich um einen „Herz- und Feinwurzler“ handeln, der Leitungen, Rohre und Asphalt nicht sprengt. Was die Pflege betrifft, muss das Gewächs bescheiden sein und „schnittverträglich bei gleichzeitig wenig Formschnittbedarf“. Schädlinge dürfen ihm möglichst wenig auf die Rinde rücken.

Nach der Rasterfahndung bleiben da nur zwei Bäume übrig: die Säulen-Hainbuche und der Kegel-Feldahorn. Der etwa 15 Meter hohen Säulen-Hainbuche bescheinigt Hopfgarten Attraktivität, „aber sie sorgt für ein strenges Straßenbild“. Um das zu untermauern, zeigt die Fachbereichsleiterin ein Bild aus dem Frankfurter Stadtteil Riedberg, dessen Architektur einen kalten Eindruck hinterlässt, den die Säulen-Hainbuche noch unterstreicht. Der etwas kleinere Kegel-Feld-ahorn hingegen wirke so, „wie man sich einen Baum eigentlich vorstellt“. Die Baumkrone bildet eine runde Form. Im Herbst färben sich die Blätter gelblich.

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Um das Blattwerk dreht sich auch eine Frage aus dem Publikum. Noch in den siebziger Jahren fielen imposante Bäume der Kettensäge zum Opfer, weil Anwohner sich im Herbst für ein paar Tage gestört fühlten. Hopfgarten erklärt, die Blätter fielen zum einen nicht übertreiben üppig, zum anderen seien sie leicht zu kompostieren. Auch die Frage nach möglichen Allergien bleibt nicht ungestellt. Die Säulen-Hainbuche gehöre zwar der Familie der Birkengewächse an. Das bedeute jedoch nicht, dass ein Birkenallergiker sich fürchten müsse. Der Kegel-Feldahorn sei da ebenfalls unauffällig. Generell gelte jedoch, „dass ein Mensch gegen fast alles allergisch sein kann“.

Einer wie Franz-Dieter Buchheimer, der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Rote Warte, stimmt aus ästhetischen Gründen für den Kegel-Feldahorn: „Der passt proportional besser zu den Häusern, die Säulen-Hainbuche wirkt mir zu steril.“ An der gleichen Stelle, wenn auch aus anderen Gründen, setzt Hermann Andreas sein Kreuz. Er und seine Frau hatten unter dem Pollenflug der dem Kanalbau gewichenen Birken arg zu leiden. Zur Sicherheit setzt der Mann auf einen Baum, der mit der Birke in keinem verwandtschaftlichen Verhältnis steht. Bei einer Enthaltung stimmen 45 Bürger für den Kegel-Feldahorn, zwölf gefällt die Säulen-Hainbuche besser.

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