Sonnaus flottester Regierungswechsel

Trotzdem ein Burgfräulein

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In Amt und Würden und Ehrenfummel: Ehrensenatorin Ursel Buschhaus (links) und Ritter Stephan Mündelein (rechts).

Mühlheim - Sechs Mühlheimer Vereine frönen König Karneval. Da ist der Adelstitel Hochburg nicht anmaßend. Eingefleischten Narren wird es bis Aschermittwoch nicht bange, feiert doch jede Gruppe nach ganz eigenem Brauch. Die Sonnau zum Beispiel.

Die kürte gestern ihre Regenten. Vorsitzender Karl-Christian Schelzke schlug Stephan Mündelein zum 48. Ritter und ernannte Ursel Buschhaus zur 41. Ehrensenatorin.

Der Stehempfang im Foyer der Willy-Brandt-Halle gehört zum Konzept der neuen Sonnau. Die auf Schlagerstimmung, Kabarett und Comedy konzentrierten Karnevalisten wollen sich nicht an einem Standort häuslich einrichten, sondern sich auf das Narrenvolk zubewegen. Die Vordenker könnten sich auch Kürung und Sitzung in einer Fabrikhalle oder einem Autohaus vorstellen. Na mal sehen. Jetzt präsentierten sie erst einmal ihre Antwort auf die aktuell aufgeflammte Diskussion um die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.

Der Ort hätte passender nicht gewählt werden können. Die Protagonisten aus „Gerdas kleiner Weltbühne“ unterm selben Dach standen Pate für den neuen Ritter. Stephan Müdelein regelt seit 2007 Gastronomie und Öffentlichkeitsarbeit in dem Travestie-Theater. Der Sohn eines Wirts und einer Fernmeldetechnikern aus Gießen wird am nächsten Wochenende 41 Jahre alt, schloss höhere Handelsschule und Ausbildung zum Rettungssanitäter ab. Nach dem Umzug nach Frankfurt 1990 lernte er noch Krankenpfleger.

Bald wurde er Pflegedienstleiter eines ambulanten Unternehmens. Er hat vor fast elf Jahren einen eigenen Pflegedienst aufgebaut, der mit 140 Angestellten mittlerweile zu den größten in der Region zählt. Mündelein ist auch ist Organisator der diese Kampagne in Mühlheim gastierenden Kultsitzung Rosa Wölkchen. Er selbst hat sich als „Männerliebhaber“ bekannt gemacht und lebt in einer festen Beziehung.

„Trotzdem kann man sich für den neuen Ritter ein Aushilfs-Burgfräulein vorstellen“, rief Plauderer Schelzke. Er hatte den mit langem Kleid und Hochfrisur aufgetakelten Weltbühnen-Mimen Rene im Blick. Die Quote der holden Weiblichkeit verbessert obendrein Ursel Buschhaus, die ebenfalls mit Narrenkappe, Orden und Urkunde ausgestattet wurde und nun als Ehrensenatorin mitregiert. Das Berufsleben führte die Kauffrau aus Offenbach zu Citroen und MAN. Sie ist sportlich unterwegs mit ihrem australischen Schäferhund, malt mit Aquarellfarben, trainiert Nordic Walking, Rhetorik und Sprachen und leitet zuweilen Reisen. Sie liebt Kleinkunstbühnen und – Bauchtanz!

Sitzung der Tanzsport- und Karnevalsgesellschaft Sonnau 2013

Sitzung der Tanzsport- und Karnevalsgesellschaft Sonnau

Zuvor hatte sich Eleonore Blöcher verabschiedet, die 47. Ritterin für den menschlichen Spaß. „Ich wollt’s erst gar net mache’“, blickte sie zurück. Doch nun erschien es ihr, als habe alles gerade erst angefangen. Die einstige Kita-Leiterin ließ keine Feier aus, berichtete von ihren Auftritten und der Fahrt hoch auf dem Sonnau-Wagen. Als 40. Ehrensenator hatte sich der Hausener Schornsteinfegermeister Peter Hoffmann empfohlen, als „Glücksbringer der Sonnau“ bleibe er dem Verein erhalten, betonte Schelzke. Mit Fastnacht hatte er früher nichts am Hut, „jetzt tut’s richtig gut“.

Doch zunächst riefen Andy Sommer und Conferencier Harry Bauer zur Polonaise, verbreiteten mit Schlagern die rechte Stimmung auf dem Weg in die fünfte Jahreszeit. Den Schlussakkord bildete ein bunter Gratulationschor mit Schnellsprechern und Schlächtschwetzern von den närrischen Abordnungen. Die Sonnau lädt ein zur Sitzung am 25. Januar in der Roten Warte. 

M.

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