Bürger- und Seniorenhilfe pflegt dennoch Kontakte

Kaum noch Hilfeleistungen

Von Anfang an bei der Bürger- und Seniorenhilfe Mühlheim dabei war die heutige Vorsitzende llse Picard. Wegen der Pandemie konnte der Verein sein 25-jähriges Bestehen in diesem Jahr nicht feiern.
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Von Anfang an bei der Bürger- und Seniorenhilfe Mühlheim dabei war die heutige Vorsitzende llse Picard. Wegen der Pandemie konnte der Verein sein 25-jähriges Bestehen in diesem Jahr nicht feiern.

Mühlheim – Hinter jedem starken Verein steht eine starke Frau – oder auch mehrere, wie bei der Bürger- und Seniorenhilfe Mühlheim (BSHM). Deren Mitbegründerin und Vorsitzende heißt Ilse Picard, sie führt den Verein mit viel Erfahrung und ebenso viel Engagement gerade durch eine Ära, in der fast sämtliche Aktivitäten der Gemeinschaft unterbunden sind. Mit ihrem Team verwirklicht sie Ideen, um den Kontakt zu den Mitgliedern auch unter Pandemie-Bedingungen nicht abbrechen zu lassen.

„Es werden kaum Hilfeleistungen erbracht, weil auch die ehrenamtlich Tätigen der Corona-Risikogruppe angehören“, erläutert sie. „Vielen wird von ihren Kindern verboten, aus dem Haus zu gehen.“ Zudem seien die Anfragen zurückgegangen, das gelte auch für die städtisch organisierte Hilfe während der Pandemie. „Vielleicht ist der Zusammenhalt von Nachbarn, Freunden und Familie wieder stärker“, überlegt die Vereinschefin.

Bei der BSHM gibt es keine neue Ausgabe der sonst prall gefüllten Mitgliederzeitung, obendrein fehlen Werbekunden. Im neuen Jahr soll ein Frühlingsbote mit Erlebnissen im Lockdown und neuen Terminen erscheinen. Neue Mitglieder seien derzeit nicht in Sicht, weil es keine Unternehmungen gibt. „Ohne Kaffee-Kränzchen, Skatrunde und Flotte Kugel, ohne Oktoberfest, Gänseessen und vorweihnachtliche Feier, Vorträge und Ausflüge haben wir keine Chance zu werben“, stellt die Leiterin fest. Allein ein neues jüngstes Mitglied steht auf der Liste, Cosima, die vier Wochen alte Enkelin der Vorsitzenden.

Selbst mögliche Betätigungsformen wie Minigolf und Radfahren laufen nicht – es ist Winterpause. Das achtköpfige Büroteam ist fast arbeitslos. Die Mitarbeiterinnen hören nur den Anrufbeantworter ab und leeren den Briefkasten am Treffpunkt an der Goethestraße. „Wir konnten nicht mal eine Vorstandssitzung ansetzen, im März hätten wir unsere Hauptversammlung mit Neuwahlen gehabt“, schildert Ilse Picard.

„Wenigstens dafür hätte man uns einen Raum geben können“, bedauert sie, dass sich die BSHM nicht wie Vorstände andere Vereine in der Willy-Brandt-Halle zusammensetzen könne. „Ein digitaler Austausch durch Videokonferenzen ist für uns schwierig“, informiert die Sprecherin, „wir haben uns nur einmal im Freien getroffen“. Natürlich ist das Jubiläumsfest zum 25-jährigen Bestehen, das am 8. August steigen sollte, auch ausgefallen.

Besonders schade findet die Leiterin, dass durch den Stillstand auch das Projekt Wunsch-Großeltern ruht: „Das hatten wir gerade erst aufgebaut.“ Dabei erklären sich ältere Menschen bereit, zeitweise kleine Kinder zu betreuen. Bei einer Technik-Sprechstunde sollten Senioren über bargeldloses Zahlen mit dem Handy aufgeklärt werden. „Das wäre jetzt in der Pandemie sinnvoll“, betont die einstige Bankangestellte. „Aber auch das ist in der Gruppe nicht möglich“, der Berater sei aber bereit, Einzelgespräche zu führen.

„Von vielen Teilnehmern haben wir lange nichts gehört“, sagt die Vorsitzende. „Einige sieht man beim Einkaufen, anderen haben wir mit einem Gartenrechen Körbchen mit Einkäufen durchs Fenster gereicht.“ Zu Weihnachten sei eine Telefonaktion geplant, „wir wollen zeigen, uns gibt’s noch, und hören, ob Hilfe gebraucht wird“.

Ilse Picards Eltern führten ein Kurzwarengeschäft an der Offenbacher Arndtstraße. Bei der Turngemeinde hat sie ihren Ehemann kennengelernt und kam so nach Dietesheim. Gelernt hat sie den Beruf der Bürokauffrau in einem Tapeten- und Gardinengeschäft in der Lederstadt. Nach der Lehre wechselte sie zur Dresdner Bank, war zuletzt in der Verwaltung tätig.

Fast ein Vierteljahrhundert hat Ilse Picard Mutter und Schwiegermutter gepflegt. Zur Geburt ihrer Tochter 1995 überlegte sie, was sie noch Sinnvolles tun könne. Die 68-Jährige gründete im August 1995 die Seniorenhilfe mit, wurde zwei Jahre später zur Beisitzerin gewählt, war ab 2003 Zweite und ist seit sechs Jahren Vorsitzende.

Von Michael Prochnow

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