Kein Ersatztermin im Herbst

Mühlheimer Kerb fällt in diesem Jahr pandemiebedingt aus

Auch der Kerbborsch am Rathaus trägt Maske: Michael Rupp, Vorsitzender des VVM, zieht sie ihm an. Die Kerb fällt in diesem Jahr aus.
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Auch der Kerbborsch am Rathaus trägt Maske: Michael Rupp, Vorsitzender des VVM, zieht sie ihm an. Die Kerb fällt in diesem Jahr aus.

Es hat wohl keiner anders erwartet, die Entscheidung niemanden verwundert: Die Mühlheimer Kerb 2021 ist abgesagt. „Ins Festzelt mit Maske, das können wir uns nicht vorstellen“, lautet ein Argument von Michael Rupp. Der Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVM), der das einst größte Fest der Stadt zusammen mit dem Kerbverein und weiteren Gemeinschaften ausrichtete, hält auch eine Verlegung in den Herbst für unrealistisch.

Mühlheim – „Sollte tatsächlich Feiern wieder erlaubt werden, sind die Schausteller dann an anderen Orten verpflichtet“ – und Autoscooter, Schießbude, Losstand wie Kinderkarussell seien schließlich Zugpferde für den Rummel. Auch Bands und Zeltbauer seien kurzfristig nicht zu gewinnen, Kündigungen von Verträgen kämen den Gastgebern teuer zu stehen, führt der Sprecher an. „Wir können auch nicht Geschäftsleute um Spenden anfragen, deren Existenz nach der monatelangen Schließung auf der Kippe steht“, gibt Rupp zu bedenken.

Der Kerbverein habe ohne Kerb keine Einnahmen, aber auch keine Verluste. Für die Gruppen hinter den Theken sehe das schon ganz anders aus: Der Ortsverein der DLRG könne noch auf Bundes- und Landesmittel bauen, dem Karnevalverein hingegen, der im Festzelt ebenfalls Pommes, Bratwurst, Mühlen- und Feuerrädchen brutzelt, fehle jegliche Unterstützung, betont Rupp. Wie viele andere Clubs leide er mittlerweile unter Mitgliederschwund, weil zahlreiche Angebote an Training und Musikproben nach wie vor eingestellt sind.

Selbst der Weihnachtsmarkt stehe erneut auf der Kippe. „Trotz Impfungen würden Angst und Auflagen die Geselligkeit beeinträchtigen“, fürchtet der Sprecher, „kaum einer traut sich raus“. Sein Weg zu einem Neuanfang: „Die Vereine müssen überlegen, ob sie wieder aktiv werden wollen, und danach Konzepte erarbeiten und verwirklichen.“

Doch auch dabei rechnet der erfahrene Ehrenamtler mit Problemen. „Viele altgediente Helfer stehen nicht mehr zur Verfügung“, hört er regelmäßig. Andere stehen nach mehr als einem Jahr Stillstand auf dem Standpunkt, „es geht doch auch ohne“. So mancher kulturelle Höhepunkt der Mühlenstadt müsse neu belebt werden, „vielleicht geht das künftig nur mit weniger Leuten“, meint Rupp. (Von Michael Prochnow)

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