Bürgermeister vor Ort: „Kein Wunschkonzert“

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Rund 60 Lämmerspieler wollten den „Bürgermeister vor Ort“ treffen.

Mühlheim - Wie kaum anders zu erwarten, war es auch in Lämmerspiel vor allem das Thema Fluglärm, das die Gemüter erregte, als Daniel Tybussek jetzt sein Versprechen aus dem Wahlkampf wahr machte und sich den Einwohnern stellte. Von Michael Prochnow

Der „Bürgermeister vor Ort“ traf im Pfarrheim St. Lucia auf rund 60 Bürger. „Das ist kein Wunschkonzert“, ernüchterte der Rathauschef, aber „auf dem Weg gegen Politikverdrossenheit“ möge man gemeinsam versuchen, die Stadt zu gestalten. Das kam an. Weniger förmlich als bei der jüngsten Bürgerversammlung in der Willy-Brandt-Halle ging es zu, die Lämmerspieler diskutierten nicht nur mit Tybussek, sondern auch untereinander rege darüber, wo sie der Schuh drückt.

Themen jenseits des Fluglärms: Etwa der Stand zur geplanten Bebauung nördlich der Sudetenstraße. 35 Wohneinheiten, Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser sollen dort entstehen. 80 Prozent der Grundstücke befänden sich im Eigentum der Stadt, 25 Interessenten haben sich gemeldet, ab 2012 sollen die Flächen zum Verkauf angeboten werden, so Tybussek. Der Baugrund sei jedoch Karstboden, „schwierig bis nicht tragfähig“, meldete eine Anwohnerin Bedenken an. Es sei auch bei den Bestandsbauten in der Bürgermeister-Beheim-Straße mit Absenkungen und Erdeinbrüchen zu rechnen. Nach Hohlräumen werde aber nur auf dem zu bebauenden Gebiet gesucht. „Das ist fahrlässig“, meinte die Frau, „das ist kein geeigneter Baugrund“. Eine „Verplombung“ des Erdreichs habe Einfluss auf die angrenzenden Areale, mit Wertminderung sei zu rechnen.

„Wir platzen fast aus allen Nähten“

„Wir platzen fast aus allen Nähten“, klagte eine Andere mit Blick auf das mangelhafte Parkplatz-Angebot. Die Stellplatzordnung der Stadt sieht nur gut einen Platz pro Haus vor. Der Bürgermeister fürchtete eine schlechtere Vermarktungschance, wenn bei Neubauten künftig mehr Parkplätze ausgewiesen werden müssten. Besser sei, wenn die Bewohner ihre Fahrzeuge auf ihren Grundstücken abstellten.

Auch an Kindergarten-Plätze fehle es, weil der Stadtteil stark wachse. „Der Markt ist leergefegt“, es sei kaum Personal zu finden, dazu würden Nachbarstädte bereits Erzieher abwerben. Der Rathauschef strebt eine kreisweite Absprache an. „Wir können uns eine weitere Befreiung von Gebühren nicht leisten“, reagiert er auf kostenlose Kindergarten-Plätze in Rodgau. Tagesmütter würden durch Kreis und Stadt nur gefördert für die Betreuung von Kindern im Alter bis Drei - danach blieben die Eltern auf den Gesamtkosten sitzen, bis der Sprössling den Kindergarten besuchen könne, stellte eine Mutter dar. „Ich versteh’ nicht, warum so spät gehandelt wird“, machte sich ein Vater Luft. „Wir probieren eine ganze Menge“, antwortete Tybussek. So werde derzeit in mehreren Einrichtungen zusätzlicher Platz geschaffen. 500.000 Euro koste die Schaffung einer Gruppe, eine Zusicherung von wohnortnahen Plätzen sei nicht möglich.

Hartplatz der TSV

Könnte Kunstrasen das „Stadion Rote Erde“ ersetzen? Tybussek räumte auch mit den Gerüchten um den Hartplatz der TSV auf. Im Sportzentrum seien Kapazitäten frei, erklärte Klaus Schäfer vom Sportamt. Er bat, den Bedarf im Vorstand zu koordinieren,„das Angebot steht“.

In Sachen Fluglärm glichen die Infos denen der Bürgerversammlung. Erneut rief Tybussek zur Teilnahme an den Montags-Demos am Flughafen auf. Ziele des Protests seien die Beibehaltung des Nachtflugverbots, die Reduzierung des Lärms durch Verteilung und optimierte Anflugverfahren. Tybussek will ein Banner mit einer „Wortmühle“ aus Protest-Begriffen entrollen. „Die Stadt Mühlheim hat tief geschlafen“, kritisierte ein Bürger, die seit Oktober durchgeführten Messungen kämen zu spät. „Die Landebahn kriegen wir nicht mehr weg“, bedauerte der Bürgermeister. Er wolle aber alle Möglichkeiten für eine Entlastung ausschöpfen. Für den 14. Dezember ist ein „Bürgermeister vor Ort“-Termin in Dietesheim geplant.

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