Sommerinterview

Stadtverordnetenvorsteherin Gudrun Monat: „Ich will keine One-Woman-Show“

Hat viel vor: Stadtverordnetenvorsteherin Gudrun Monat.
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Hat viel vor: Stadtverordnetenvorsteherin Gudrun Monat.

Mühlheim – Von der Ersten Stadträtin zur ersten Bürgerin Mühlheims: Gudrun Monat ist nach ihrem Abschied aus dem Rathaus Ende 2019 nach der Kommunalwahl von der Stadtverordnetenversammlung zur Vorsteherin gewählt worden. Im Interview spricht die Lämmerspielerin darüber, wie sie das politische Ehrenamt ausüben will, wie sich das Klima im Parlament verändert hat und was in Sachen Klimaschutz getan werden muss.

Seit rund drei Monaten sind Sie erste Bürgerin der Stadt. Haben Sie sich schon in die neue Rolle eingelebt?

Ein Anfang ist gemacht. Die ersten drei Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung haben wir mit Mitwirkung aller Beteiligten und Fraktionen gut hinbekommen. Die Verwaltung ist genial. Sie unterstützt, wo es nur geht. Zu dem Amt gehört auch die Repräsentation des Parlaments im öffentlichen Leben – aber das findet pandemiebedingt zurzeit fast nicht statt. Es gibt kaum Veranstaltungen oder Feste, auf denen das Parlament zu vertreten ist. Diese Aufgabe kommt hoffentlich bald auf mich zu. Da freue ich mich drauf, das wird sicher viel Spaß machen, sich wieder unter Menschen begeben zu können.

Was haben Sie sich als Stadtverordnetenvorsteherin für die nächsten fünf Jahre vorgenommen?

Auf jeden Fall will ich das Amt parteiunabhängig ausüben. Das ist sowohl mit den Grünen als auch mit der Allianz für Mühlheim so abgesprochen und gemeinsamer Konsens. Ich werde mich dafür einsetzen, dass alle Parteien, egal ob in der Regierung oder in der Opposition, gleichwertig behandelt werden. Und ich möchte das Amt nicht so sehr auf meine Person zentrieren. Ich habe vier Stellvertreter, die ich einbeziehen werde. Wenn es gelingt, dass wir uns als Team verstehen, wäre das toll.

Wie meinen Sie das?

Wenn zum Beispiel an einem Wochenende mehrere Feste stattfinden, dann werde ich nicht überall selbst hingehen, sondern wir werden das untereinander aufteilen. Auch die Sitzungsleitung der Stadtverordnetenversammlung werde ich ab und zu delegieren. Ich will keine One-Woman-Show, sondern mit den Herren, die mich vertreten, gemeinsam für das Parlament und die Politik werben.

Sie haben nur Stellvertreter ...

Ja. Der Frauenanteil in der Stadtverordnetenversammlung ist noch niedriger als in der letzten Legislatur. Das ist bitter. Wir sind nur noch zwölf Frauen (Anm. d. Red. von 45 Stadtverordneten). Meine Stellvertreter und die Ausschussvorsitzenden sind alles Männer. Es gibt auch nur eine Frau unter den stellvertretenden Ausschussvorsitzenden.

Was glauben Sie, woran liegt das?

Ich glaube nicht, dass es allein daran liegt, dass Frauen andere Lebensbedingungen haben als Männer. Vielmehr gefällt Frauen das, was sich in Parteien abspielt beziehungsweise das, was sie als Außenstehende mitbekommen, oft nicht. Der Umgang ist auf allen Ebenen nach wie vor männlich geprägt. Selbst bei den Grünen, wo wir viel paritätisch machen, gibt es leider weniger weibliche als männliche Mitglieder. Es wäre schön, wenn es gemeinsam mit den anderen Frauen aus dem Parlament gelingen würde, mehr Frauen für die Kommunalpolitik zu begeistern.

Hat sich das Klima in der Stadtverordnetenversammlung denn seit der Kommunalwahl verändert?

Ja, es hat sich verändert. Mein Eindruck ist, es haben sich noch nicht alle in ihren neuen Rollen gefunden. Da wird sich abgetastet, beobachtet, wie machen die anderen das. Wir sind in der Testphase. Die großen Spitzen und Wortduelle hatten wir bisher nicht, weil wir miteinander noch vorsichtig sind.

Die Allianz für Mühlheim hat ebenfalls schon drei Monate auf dem Buckel. Wie beurteilen Sie die bisherige Zusammenarbeit der vier doch recht unterschiedlichen Fraktionen?

Als Stadtverordnetenvorsteherin will ich das gar nicht kommentieren. Auch nicht als Mitglied der Grünen Fraktion. Ich kann schließlich nicht den Anspruch haben, neutral zu sein und dann doch wieder parteipolitisch agieren. Vielleicht so viel: Die vier Parteien (Anm. d. Red.: CDU, Grüne, Bürger für Mühlheim, FDP) sind angetreten mit dem Ziel, den politischen Stil in Mühlheim zu ändern. Jeder Stadtverordnete und jede Fraktion hat aber ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was ein anderer, ein besserer Umgang miteinander bedeutet. Das gilt für die Allianz, aber auch für das Parlament insgesamt. Wir müssen einen gemeinsamen Nenner finden, was wir alle darunter verstehen. Und dann müssen wir das mit Leben füllen.

Wenn Gudrun Monat sich persönlich was wünschen dürfte, dann eine Brücke oder eine Fähre?

Ich persönlich träume immer noch von einer solarbetriebenen, umweltfreundlichen Fähre – auch für Autos. Ob sich das am Ende verwirklichen lässt, da bin ich sehr gespannt.

Die Hoffnung stirbt zuletzt...

Für mich schon. Ich finde eine Fähre zwischen Mühlheim und Maintal ist unbedingt notwendig. Ich wünsche mir, dass wir das Thema noch einmal grundlegend angehen. Dass man für die alte, umweltschädliche Fähre keinen professionellen Pächter finden konnte, hat mich nicht gewundert. Wenn wir eine moderne Fähre hätten, die auch dem heutigen Verkehr angepasst ist, sähe das sicher anders aus. Das wurde ja gar nicht probiert.

Die Grünen warnen seit Jahrzehnten vor dem menschengemachten Klimawandel. Welche Gedanken gingen Ihnen durch den Kopf, als Sie die Bilder aus den Hochwasserkatastrophengebieten gesehen haben?

Erst mal eine persönliche Betroffenheit: Ich bin in Rheinland-Pfalz aufgewachsen, kenne die Gegend sehr gut. Wenn ich die Bilder sehe, bin ich geschockt. Das Leid der Menschen ist erschütternd. Da spielt es keine Rolle, ob die Grünen davor gewarnt haben. Jetzt müssen wir den Menschen vor Ort helfen, die Schäden beheben und präventive Konzepte entwickeln. Ich bin froh, dass es sehr viel Solidarität und Hilfsbereitschaft gibt, und meine Hochachtung gilt – wieder einmal – den ehrenamtlichen Rettungsdiensten.

Was müsste in Mühlheim Ihrer Meinung nach dringend mit Blick auf den Klimawandel getan werden?

Als Grüne denke ich, dass wir das Thema in Mühlheim überhaupt erst mal angehen müssen. Der Beschluss, Klimakommune zu werden, war da nur ein erster Schritt. Wenn Deutschland klimaneutral werden soll, dann funktioniert das nur, wenn auch alle Städte und Gemeinden klimaneutral sind. In Mühlheim müssen wir eine CO2-Bilanz erstellen und daraus lässt sich ableiten, welche Maßnahmen am erfolgversprechendsten sind und welche Ziele wir uns setzen. Und dann gilt es zu handeln.

(Das Gespräch führte Ronny Paul)

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