Keiner schleicht auf Schleichweg

+
In der verkehrsberuhigten Zone am Bürgerpark geht es im Moment alles andere als ruhig zu.

Mühlheim - Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Diese Weisheit nimmt anscheinend der eine oder andere Autofahrer derzeit zu wörtlich - und umkurvt die Vollsperrung der B 43 nicht wie ausgeschildert über den „fernen“ Südring, sondern ganz „nah“ durch den Ortskern. Von Cora Werwitzke

„Eine Sauerei“, nennen das einige Anwohner. „Nicht gänzlich zu vermeiden“, heißt es dazu aus dem Rathaus. Fakt ist: Mehr Autofahrer als sonst fahren dieser Tage durch Ring-, Rodau- und Mozartstraße. Darunter auch jede Menge Fahrzeuge mit Hanauer Kennzeichen. Man muss sicherlich kein Hellseher sein, um das gestiegene Verkehrsaufkommen mit der Vollsperrung der parallel verlaufenden Bundesstraße in Verbindung zu bringen. „Klar, die Leute kennen halt die Schleichwege“, ist sich ein älterer Herr sicher, der in der Rodaustraße gegenüber des Bürgerparks wohnt. Eine Passantin findet, dass es viele Autos auffällig eilig haben. „Das sind bestimmt Pendler, die zur Arbeit müssen.“

Nur wenige Meter weiter beginnt eine verkehrsberuhigte Zone, Schilder fordern Schritttempo. Zwei Kindergärten grenzen dort an die normalerweise nicht sehr stark frequentierte Straße. „An das Schritttempo hält sich kaum einer“, winkt Rosemarie Bauch ab. Die Leiterin der Kinderkrippe „Mühlmäuse am Bürgerpark“ spricht von spürbar mehr Durchgangsverkehr - „vor allem zu den Stoßzeiten.“ Allerdings sorgt eine Baustelle auf Höhe der Einrichtung quasi gezwungenermaßen für „Verkehrsberuhigung“. Von beiden Seiten können Autos den einspurigen Engpass nur langsam passieren.

Situationen, bei denen man die Luft anhält

Fast genauso zäh fließt der Verkehr etwa hundert Meter weiter auf Höhe der Zimmer- und Bahnhofstraße. Sich entgegenkommende Wagen sind gezwungen, an parkenden Autos entlang zu manövrieren. „Total chaotisch“, urteilt eine Anwohnerin verärgert. „Ich habe hier schon Szenen erlebt, bei denen man wirklich die Luft anhalten musste.“ Unter den Nachbarn sei man sich einig, dass der erste Unfall nur eine Frage der Zeit sei.

Der Vorschlag der Anwohner, vorübergehend im Bereich Rodau- und Mozartstraße ein Halteverbot einzurichten, stößt im Rathaus auf wenig Gegenliebe. „Damit würden wir ja nur erreichen, dass noch mehr Autos den Weg durch den Stadtkern nehmen“, entgegnet Erster Stadtrat Heinz Hölzel. Statt auf solche Maßnahmen setzt der Verkehrsdezernent darauf, dass Autofahrer, die sich einmal durch die engen Straßen „gezwängt“ haben, danach wieder dazu übergehen, die gut drei Kilometer lange Umleitung via Lämmerspieler Straße und Südring zu benutzen. Handlungsbedarf sieht der Erste Stadtrat demnach nicht: „Wir können den Autofahrern ja schlecht verbieten, gewisse Straßen zu benutzen. Zumal auch Anwohner ihre Häuser erreichen müssen.“ Hölzel betont weiter: „Alles in allem sind es vier Wochen, so lange gilt es, den Ausnahmezustand durchzustehen.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare