Kirchturm von St. Sebastian

Botschaft vom Dachdecker

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Vollverkleidet: Der Kirchturm von St. Sebastian.

Mühlheim - Der Hahn ist wieder am Boden, der Statiker hat seinen Segen gegeben, der Turm trägt sein Gerüstkleid: Die Renovierung der bröckeligen St. Sebastian-Kirche läuft auf Hochtouren. Und am Ende wird die Gemeinde wohl sogar ohne Kredit auskommen.

Der Hahn sitzt wieder einmal im Pfarrhaus. Der 1,30 Meter große Gockel vom Gotteshaus-Gipfel wird gerade neu verzinkt, um sich demnächst in 30 Meter Höhe des Turms von St. Sebastian wieder nach dem Wind zu drehen. Indes zeigt die Uhr über dem obersten Fenster erneut an, was die Stunde geschlagen hat. Das Zifferblatt und das Uhrwerk wurden aufbereitet, auf dass es die nächsten 50 Jahre der Witterung standhalten kann. Bei einer Pfarrversammlung informierte Pfarrer Willi Gerd Kost über den Stand der Sanierung der Pfarrkirche. Kurz: Es geht voran.

Am 28. August 2013 begannen die Arbeiten mit dem Aufbau eines Gerüsts. „Jede Phase musste vom Statiker freigegeben werden, was den Zeitplan verzögerte“, erfuhren die Zuhörer. Auch der Austausch von Dachrinnen, Holzlamellen und Stein sorgten für Verzögerungen. Dann haben Fachleute das Mauerwerk abgestrahlt, Fugen verschlossen, beschädigte und gerissene Steine entfernt, neu vermessen, nachgearbeitet und wieder eingebaut. Innerhalb des Turms wurden Laufstiege gemäß der Sicherheitsanforderungen angebracht, eine stabile Treppe musste installiert werden. So eine Kirche bringt man keinesfalls spontan auf Vordermann.

Ende des Jahres sollen Arbeiten fertig sein

Seelsorger Kost hat den Fortgang der Arbeiten an der St. Sebastiankirche mit der Kamera dokumentiert. Die Fotos zeigen die ausgewechselte Holzverschalung und die Folie unter dem neuen Schiefer. Die Maßnahme soll die hinterhältige Feuchtigkeit am Turmdach vermeiden und über das gesamte Dach des Hauptschiffs fortgesetzt werden. Die Seitenschiffe erhalten eine Zink-Blech-Eindeckung anstelle des bisherigen Bitumens. Die Lamellenfenster auf Höhe der Glocken sind ebenfalls neu, jetzt werden jene an der Sakristei ausgetauscht.

Am 30. Mai 1964 verewigte sich Josef Lettau vom Kirchenchor auf einer Schieferplatte, als er „mit zitternden Knien“ anlässlich der Firmung die weiß-gelbe Fahne aus einer Öffnung gehängt habe, verriet der Ertappte bei im Pfarrheim. Auf einer anderen Tafel sind die Jahreszahl 1891 und der Name der Firma Joseph Nessel aus Seligenstadt mit Kreide notiert. Das Unternehmen hat das Gotteshaus vermutlich erstmals eingedeckt. Zwei Jahre später wurde die erste Messe in St. Sebastian gelesen.

Der aktuelle Pfarrer dokumentierte weiter, wie die Absätze am Sandsteinkranz, an Fenstereinfassungen und an den Portalen saniert werden. Ende des Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen werden.

„Das Geld ist wirklich gut angelegt“

Der Herr übers Geld ist Dr. Volker Kurz vom Verwaltungsrat. „Es ist eine Freude, hier fürs Geld zuständig zu sein, weil alle so gut mitmachen“, lobte er. Ein Kredit müsse wohl nicht aufgenommen werden, obwohl allein für die folgende Innenrenovierung 726.000 Euro veranschlagt sind. 260.000 Euro muss die Pfarrei selbst übernehmen. Die Heizungsanlage wird rund 80.000 Euro ausmachen, 33.000 Euro muss die Gemeinde berappen. Für beide Vorhaben seien Anträge für Zuschüsse in Mainz eingereicht. „Wir werden keinen Schuldenberg hinterlassen“, versprach Kurz.

Strom und Heizung kosten rund 26.000 Euro im Jahr, die Hälfte verschlinge das Pfarrheim. Der Finanzexperte warb, auch Spenden für die laufenden Ausgaben zu generieren. Im vergangenen Jahr mussten 5000 Euro aus Rücklagen geholt werden, um den Haushalt zu decken. Für rund 6000 Euro soll das Parkett im Saal abgeschliffen, gefugt und neu versiegelt werden.

Pfarrer Kost und PGR-Vorsitzender Udo Parakenings dankten den vielen Helfern. Sie überreichten Urkunden von der Aktion „Bausteine“ und weitere Dankesschreiben für Geldspenden. Die Kolpingfamilie überließ 10.000 Euro aus einer Geldanlage vom Fest zum 50-jährigen Bestehen 2000. „Das Geld ist wirklich gut angelegt“, bewertete ein Christ das Projekt. 

M.

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