„Kita“ aktuell nicht gefragt

Mühlheimer Hundeschule 4 Pfoten leidet unter der Corona-Pandemie

Unzertrennliches Team: Hundeschulebetreiberin Sabrina Sawade mit sieben ihrer acht Vierbeiner.
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Unzertrennliches Team: Hundeschulebetreiberin Sabrina Sawade mit sieben ihrer acht Vierbeiner.

Wer sich zum ersten Mal in seinem Leben einen Hund besorgt und nicht weiß, welche Pädagogik er beim neuen Gefährten anwenden soll, der geht in die „Hundeschule/HundeKita 4 Pfoten“ und trainiert mit Sabrina Sawade.

Mühlheim – Die 40-Jährige zog vor drei Jahren mit ihrer Hundeschule von Dörnigheim nach Dietesheim. Zuvor hatte Sawade einen unangenehmen Brief aus dem Maintaler Rathaus zugestellt bekommen, in dem sinngemäß stand, „die Gemeinde will das Grundstück verkaufen, wenn Sie wollen, bekommen Sie den Zuschlag“. Die Adressatin verstand den Hinweis rein rhetorisch, „wie soll ich das Geld für 7000 Quadratmeter aus dem Hut zaubern?“ Auf der Suche nach einer Alternative stieß sie schließlich auf das Grundstück am Pfaffenbrunnenweg 3, am Rande des Naherholungsgebiets.

Als Jugendliche wollte Sawade Blindenhundeausbilderin werden, doch die Eltern stimmten nicht zu, „das wäre in Bottrop gewesen, zu weit weg, um mich dorthin zu lassen“. Mit 24 Jahren absolvierte sie die Ausbildung zur Hundetrainerin. Sawade erzählt, es gehe nicht nur um das Verhalten der Hunde, sondern auch um das der Besitzer, die sich erst mal daran gewöhnen müssten, einen neuen Freund zu haben, dessen Benehmen anderen auf den Wecker fallen könnte. „Wenn ich einen Hund mit mir führe, muss ich Rücksicht nehmen.“

Wie manche Eltern ihre Kinder als Mittel für die eigene Ich-Verbreitung benutzten, indem sie den Nachwuchs im Restaurant oder im Zug nach Herzenslust toben und schreien ließen, fänden auch manche Hundebesitzer nichts dabei, wenn ihr Vierbeiner Menschen anbelle oder Radler verfolge. Sawade berichtet, wie sich ihr gegenüber einmal eine Frau echauffierte, weil es ein Radfahrer am Main gewagt hatte, sie zu bitten, ihren anspringenden Hund anzuleinen. Die Hundetrainerin wies die Frau auf die Unfallgefahr hin, die entgegnete, „dann soll der nicht da lang fahren, wo ich meinen Hund ausführe“. Die Besucher der Hundeschule haben hingegen das Ziel, ihren Hund zu erziehen, um mit ihrem Vierbeiner und dem Rest der Welt sozial verträglich klarzukommen.

Viele suchen den Rat der Fachfrau

Auch Sawade bemerkt, was Statistiken belegen, „viele haben sich während Corona einen Hund angeschafft“. Deshalb bietet die „Hundeschule 4 Pfoten“ zur Zeit zwei Welpen-Kurse an. Zudem suchen sich nicht wenige bei der Fachfrau Hilfe, weil sie nicht wissen, wie sie ihrem Hund eine Unart abgewöhnen können, „etwa immer zu bellen, sowie er das Grundstück verlässt“. Für Hunde gelte das gleiche wie für Menschen, „es gibt keine Generalerkenntnis, wie sich ein Impuls auf den einzelnen auswirkt“. Sie analysiere den Umgang der Besitzer mit den Tieren, „die Hunde interpretieren oft eine Reaktion als Bestätigung ihres Verhaltens, die der Mensch als Kritik versteht“.

Sabrina Sawade und ihr Lebensgefährte kümmern sich privat um acht Hunde, sieben Old-Englisch-Bulldoggen und ein Australian Cattle Dog. Die Hundetrainerin nimmt das Oktett auch mit, wenn es einmal im Jahr ins Hundesporthotel nach Oberammergau geht, nicht zum Urlaub, sondern weil sie dort als gefragte Kursleiterin gilt.

In dem Hotel sind zur Zeit die Tore geschlossen. Mau sieht es auch für die Hundepension unter dem Dach von „4 Pfoten“ aus. „Während Corona fährt niemand in Urlaub“, nennt Sawade einen Grund. Vor der Pandemie gab es zudem viele, die morgens den Labrador oder die Promenadenmischung am Pfaffenbrunnenweg abgaben und nachmittags wieder abholten, ähnlich wie im Kindergarten. Wer kann, arbeitet jedoch von zu Hause. Ihre sechs Angestellten musste die Eigentümerin in Kurzarbeit schicken.

Wegen des Virus entfällt zur Zeit ein Spaß für Herr und Hund, den Sawade sonst mit Kurzteilnehmern teilt. Beim Mantrailing versteckt sich jemand, den ein Vierbeiner an der Leine der Herrin finden muss, „auf einen Kilometer kann jeder Hund den Menschen riechen“. (Stefan Mangold)

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