Familienhaus mit 75 Betreuungsplätzen

Kita im Flüchtlingsdomizil

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Die 2016 von der städtischen Immobilientochter Wohnbau hochgezogene Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge an der Schillerstraße – auf unserem Luftbild oben rechts, über dem nach Flugzeughangar aussehenden Tegut-Markt – wird zum Familienhaus mit 75 Kindergartenplätzen.

Mühlheim - Die Stadt baut die Flüchtlingsunterkunft an der Schillerstraße zu einem Familienhaus um, das auch 75 neue Kindergartenplätze beherbergt. Es soll noch in diesem Jahr in Betrieb gehen. Außerdem erweitert die Kita „Wilde Zwerge“ eine Gruppe. Von Marcus Reinsch 

Die Vergabe der nach den Sommerferien freien Plätze beginnt nächste Woche. Die Aufholjagd in Sachen Kinderbetreuung macht in Mühlheim gerade einen respektablen Satz. Die Stadt lässt die Gemeinschaftsunterkunft neben dem Tegut-Markt an der Schillerstraße zu einem sogenannten Familienhaus umbauen. Im Erdgeschoss finden drei Kindergartengruppen für zusammen 75 Kinder Platz. Die Betreuung soll noch in diesem Jahr starten. Diese zusätzliche Betreuungskapazität reicht bekanntlich noch nicht, um die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot zu schließen. Denn mit Blick auf den Einwohnerzuwachs und die in die Einrichtungen drängenden geburtenstarken Jahrgänge fehlen hunderte Plätze. Der Bedarfsplan rechnet das in schmerzhafter Deutlichkeit vor.

Gegensteuern will die Stadt mit mehreren Neubauten und Erweiterungen. Die politischen Beschlüsse dafür sind nach angestrengten Diskussionen in der Stadtverordnetenversammlung gefallen. Als Befreiungsschlag gilt die an der Wilhelm-Busch-Straße für 100 über Dreijährige und 24 unter Dreijährige geplante Kita mit Krabbelstube. Doch das dauert noch. Flotter geht es am Standort der Markwaldschule, wo aktuell ein Bau für die Schulkindbetreuung hochgezogen wird. Dessen Maße sind auf der Baustelle mittlerweile erkennbar, die offizielle Grundsteinlegung ist für den morgigen Freitag geplant. Gewollte Fertigstellung: Ende dieses Jahres. Und dann sei dort auch Platz für eine weitere Kindergartengruppe, erinnert Bürgermeister Daniel Tybussek. Zudem stehe Geld für den Anbau an einer bestehenden Einrichtung bereit.

Die Stadtverwaltung, versichert Tybussek, befasse sich intensiv „mit der weiteren Entwicklung der Betreuungsplatzsituation für alle Altersgruppen“. Dazu gehöre auch die städtische Unterstützung für die Erweiterung einer Gruppe bei den „Wilden Zwergen“. Alles in allem werde die Stadt „noch in diesem Jahr 93 weitere Kindergartenplätze schaffen“. Die bisherige Gemeinschaftsunterkunft an der Schillerstraße gehört der städtischen Immobilientochter Wohnbau GmbH. Sie hat es für Jahrzehnte an die Stadt vermietet und schon im Baujahr 2016 als die sprichwörtliche eierlegende Wollmilchsau angelegt. Sprich: Die damals wegen der verzweifelten Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge in relativer Windeseile hochgezogenen drei schallgeschützten Stockwerke waren immer schon für andere Nutzungen vorbereitet. Vom Standort her gibt es zweifellos schönere Ecken in der Stadt als das vorne von Autos und hinten von S-Bahnen und Fernzügen in die akustische Zange genommene Tegut-Hinterland.

Mit der Vergabe der freien Plätze, die bereits nach den Sommerferien zur Verfügung stehen, wird die Stadt am Montag nächster Woche beginnen. Auf den Wartelisten der von ihr selbst, kirchlichen und freien Trägern betriebenen Einrichtungen, heißt es aus dem Rathaus, „stehen wieder zahlreiche junge Bewerber“.

So können Eltern das kindliche Selbstbewusstsein stärken

Zuerst werden die Träger jene Eltern anschreiben, deren Nachwuchs ganz oben auf den Wartelisten steht. Dann schließen die Erziehungsberechtigten entweder einen Betreuungsvertrag ab oder teilen mit, dass sie sich für eine Alternative entschieden haben. In letzterem Fall ist der Platz frei für die nächsten Bewerber, die dann ebenfalls das Angebot bekommen. Das erfolgt so lange, bis alle Kapazitäten erschöpft sind. Weil das Nachrückverfahren für nicht benötigte Plätze einige Wochen brauche, seien Eltern, die jetzt noch keine Nachricht erhalten, um Geduld gebeten.

Es sei ein Erfahrungswert der städtischen Kitakoordination und der freien und kirchlichen Träger, dass viele Eltern ihre Kinder gleich bei mehreren Kitas anmelden, um überhaupt einen Platz zu bekommen. Umso wichtiger sei es, dass sie schnellstmöglich eine Entscheidung treffen, um die Zeit der Ungewissheit für andere Familien zu verkürzen. Die Stadt sei „sehr interessiert, gute Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen und möchte jedem Kind einen Betreuungsplatz anbieten“. Dabei sei nicht sicher, ob das schon zu Beginn des neuen Kindergartenjahres gelingen werde.

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