Die neue Lücken-Liste

Kitabedarfsplan verlangt „weitere Anstrengungen zur Bedarfsdeckung“

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Symbolbild

Mühlheim - In der Aufholjagd nach genug Betreuungsplätzen im geburtenstarken Mühlheim muss die Stadt strampeln, um Boden gutzumachen. Der neue Kindergartenbedarfsplan zeigt Lücken, die in Krabbelstuben mindestens im laufendem Jahr zu einer angespannten Situation führen.

Die gerade vorgelegte Neufassung des Kitaentwicklungsplans gibt Auskunft über den aktuellen Zustand der Kinderbetreuung in Mühlheim. Und darüber, was getan werden muss, um Angebot und Nachfrage auf einen Nenner zu bringen. Dass Mühlheim da noch viel Arbeit vor sich hat, wissen vor allem Eltern, die mit ihrem Nachwuchs auf einer Warteliste gelandet sind. Vor allem in den letzten drei Jahren sind die Kinderzahlen in der Stadt durch Zuzug und Geburten stark gestiegen. Deshalb seien die sogenannten Kinderbetreuungsquoten, also der Versorgungsgrad, trotz des Ausbaus der Betreuung „nicht wirklich gesteigert“ worden, heißt es im Resümee des Plans.

Vor allem im Krippenbereich für die unter Dreijährigen sei ein bedarfsgerechtes Angebot „durch die kurze Vorlaufzeit und den starken Anstieg der Geburten nicht ohne Weiteres möglich“. Und auch beim ebenfalls von einem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz hinterlegten Kindergartenbereich für Drei- bis Sechsjährige und bei der noch freiwilligen Schulkindbetreuung gebe es noch Handlungsbedarf. Der Überblick:

Gesamt:

Insgesamt gab es zum jüngsten Jahreswechsel 1727 betreute Kinder im Alter bis zwölf Jahre in den Einrichtungen von Stadt, konfessionellen und freien Trägern.

Unter Dreijährige

Insgesamt gab es 223 zehn Monate bis drei Jahre alte Krippenkinder. Davon 122 in städtischen Einrichtungen, 37 bei konfessionellen und freien Trägern und 64 bei Tagesmüttern. Weil für Kinder vom vollendeten ersten bis zum dritten Lebensjahr ein Rechtsanspruch auf frühkindliche Bildung besteht, hätte bis Ende Dezember für insgesamt 579 Kinder ein Platz gefordert werden können. Einige Familien wünschten die Aufnahme ihrer Kinder aber erst ab deren dritten Geburtstag, sprich: in den Kindergarten.

Als Richtwert für die Zahl der bereitzuhaltenden Krippenplätze hat der Gesetzgeber 35 Prozent der unter Dreijährigen genannt. Das entspräche in Mühlheim derzeit 203 Plätzen. Bei voller Auslastung liegt das aktuelle Angebot von 246 Plätzen mit einer Quote von 42,49 Prozent deutlich über dem Geforderten.

Das reicht aber trotzdem nicht. Zum einen sind die unter Einjährigen, für die voraussichtlich in absehbarer Zeit ein Krippenplatz notwendig wird, noch nicht eingerechnet. Zu erwarten ist da eine große Zahl von Anmeldungen, weil es vergangenes Jahr mit 318 Geburten so viele wie noch nie gab. Zum anderen liegt die Nachfrage weit höher als die gesetzliche Vorgabe. Deshalb gebe es besagte „angespannte Situation“ und der Ausbau der Krippenplätze werde fortgesetzt. Als wichtiger Baustein gelten die vom Frau-Mutter-Kind-Verein vermittelten Tagesmütter. Sie hätten sich, sagt Bürgermeister Daniel Tybussek, „über die Jahre zu einem zuverlässigen und konstanten Bestandteil der Kinderbetreuung in Mühlheim“ entwickelt.

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Über Dreijährige

Für Drei- bis Sechsjährige gibt es in Mühlheim theoretisch 898 Plätze. Doch der Arbeitsmarkt ist wie leergefegt; mancherorts fehlen immer noch Erzieherinnen. Und auch durch die 22 mit einem höheren Personalschlüssel und kleineren Gruppen verbundenen Integrationsplätze für Kinder mit Handicap, beispielsweise in der Arche-Noah-Kita der Friedensgemeinde, sinkt diese Zahl auf 844. Diesen stehen 938 Kinder gegenüber. Für etwas Entlastung sorgt dabei der Umstand, dass etwa 50 Mühlheimer Kinder auf Wunsch ihrer Eltern in anderen Kommunen betreut werden, um etwa näher am Arbeitsplatz von Mutter oder Vater zu sein.

Bis zum Ende dieses Jahres will die Stadt 93 weitere Kita-Plätze schaffen. 75 in der Schillerstraße und 18 per Erweiterung der „Wilden Zwerge“. Perspektivisch soll der weitere Ausbau der Kindergartenkapazitäten eine Entlastung auch für die Krippen bringen, weil dort Dreijährige mangels Kita-Platz festhängen.

Schüler

Insgesamt besuchten zum letzten Jahresende 1194 Kinder die Grundschulen. Die Angebote der städtischen Horte und Schulkindbetreuungen werden zurzeit von 688 bis zu Zwölfjährigen in Anspruch genommen. Das ist ein vergleichsweise guter und momentan von keiner Kreiskommune übertroffener Wert, wobei das keine Lorbeeren zum Ausruhen sind. An der Markwaldschule entsteht zurzeit eine weitere Betreuungseinrichtung für 170 Kinder. Zusätzlicher Handlungsbedarf für die Grundschüler in der Roten Warte und in Dietesheim ist darüber hinaus formuliert.

In existenten kommunalen Hort-Einrichtungen können 150 Sechs- bis Zwölfjährige außerhalb der Schule vor und nach dem Unterricht als auch in den Ferien betreut werden. Hinzu kommen 160 „Goethe-Kids“. Eine herausragende Rolle nehmen die Fördervereine der Grundschulen ein. Sie stellen 269 Plätze zur Verfügung. „Ohne sie und das ehrenamtliche Engagement wäre das derzeitige Angebot nicht haltbar“, merkt Tybussek an. (mcr)

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