Ein zweites Leben nach Brandstiftung

Der Kleiderladen ist wieder da

Größer, noch besser ausgestattet: Der neue DRK-Kleiderladen hat in der Offenbacher Straße 39 - 41 eröffnet.
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Größer, noch besser ausgestattet: Der neue DRK-Kleiderladen hat in der Offenbacher Straße 39 - 41 eröffnet.

Mühlheim - Genau zwei Jahre nach dem Start des später einer Brandstiftung zum Opfer gefallenen und nicht mehr zu rettenden DRK-Kleiderladens an der Bahnhofstraße hat die Einrichtung ihr zweites Leben begonnen.

Sie ist jetzt in der Offenbacher Straße 39-41 zu finden. Und sie ist größer und schöner als zuvor. Das Domizil habe das DRK natürlich nicht ganz freiwillig gewechselt, wie Patric Dietzel, Leiter der Sozialen Dienste im Kreisverband, anmerkt. Aber das Feuer im Oktober vergangenen Jahres machte erstmal alle Anstrengungen der ehrenamtlichen Mitarbeiter im Laden zunichte, dem Bezug von Kleidern für Bedürftige ein modernes Antlitz zu verpassen. Rasch konnte die Polizei den Brand Einbrechern zuordnen, die auf der Suche nach Bargeld gewesen waren und mit der Zündelei wohl ihre Spuren verwischen wollten. Gefasst sind sie bisher nicht.

Das Rote Kreuz unterhält schon seit vielen Jahren Kleiderkammern, in denen gegen den Nachweis der Bedürftigkeit Kleidungsstücke für eher symbolische als echte Preise zu haben sind. Dieses Konzept passte die DRK-Sozialarbeitern Beatrix Duttine-Eberhardt den heutigen und hiesigen Verhältnissen an, als sie den Marburger Kleiderladen zum Vorbild nahm. Im Sommer 2009 startete der erste Kleiderladen in Nieder-Roden. Er wurde von Beginn an gut angenommen. „Ein gut erhaltenes Jacket für zwei Euro oder ein ganzer Anzug für fünf Euro sind wirklich ein Schnäppchen“, sagt Dietzel. Und es können nicht nur Bedürftige einkaufen, sondern alle. Erfolg versprechend ist für Dietzel auch die klare Preisstruktur: „Es gibt nur Gegenstände für einen, zwei oder fünf Euro“. Feilschen ist nicht möglich. Das gebe weniger zahlungskräftiger Kundschaft das gute Gefühl, kein Almosenempfänger zu sein.

„Manchmal ist vor lauter Kunden kein Platz im Laden“

„Ehrenamtliche opfern ihre Zeit und wollen eingebunden werden in Entscheidungsprozesse“, bemerkt der seit rund 35 Jahren tätige Dietzel Veränderungen in der Einstellung der Mitarbeiter. Auch deswegen ist ihm an einer Selbstverwaltung gelegen. Die Mitarbeiterinnen teilen ihre Dienste samt Vertretungen eigenständig ein, bestimmen gar die Öffnungszeiten. Die Organisation wird von Hauptamtlichen, darunter Christine Zoeller als Projektverantwortliche, in Offenbach „nebenher“ erledigt. Mit den Einnahmen werden ausschließlich die Mieten und die Ausstattung wie Kleiderständer und -bügel bezahlt. Nach zwei bis drei Jahren haben sich die Anlaufkosten amortisiert, kann Dietzel auf Erfahrungen an den erfolgreichen Standorten Nieder-Roden, Neu-Isenburg und Rödermark zurückgreifen. Mit dem Überschuss werden dann soziale Projekte in der jeweiligen Kommune unterstützt. So gewinnt jeder.

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Der Bedarf? „Mal ist Bettwäsche gefragt, mal Garderobe oder Babykleidung, mal gehen Handtücher weg wie die berühmten warmen Semmeln“, sagt Mitarbeiterin Mira Kis. Eine gestiegene Nachfrage durch die Aufnahme von Flüchtlingen könne sie nicht feststellen. „An manchen Tagen ist vor lauter Kunden kein Platz im Laden, an anderen wiederum kommen nur wenige“, erklärt Ehrenamtlerin Eva Walter. Das liege dann wohl am Wetter. „Bei Regen kommen weniger Menschen in unseren Laden.“ Die Spende gut erhaltener Kleider ist weiterhin erwünscht. Geöffnet hat der DRK-Kleiderladen in der Offenbacher Straße 39 bis 41 montags bis freitags von 9.30 Uhr bis 12 Uhr sowie außer mittwochs die Nachmittage von 15 Uhr bis 17 Uhr. Samstags von 10 Uhr bis 13 Uhr. In den Schulferien ist mittwochs geschlossen. Kontakt: Tel. 06108/8234970.

peba

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