Dietesheimer Mainufer

Patrouille beschädigt Fischerboot

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Der alte Fischernachen ist aus Stahl und nicht leicht kaputtzukriegen. Von Amts wegen wurde das trotzdem geschafft.

Mühlheim - In Gudrun Monats Posteingang haben sich die empörten Mails gestapelt, seit die Botschaft vom Knick im Kahn die Runde machte. Von Marcus Reinsch

Diese blöden Vandalen, diese versoffene Jugend, diese vermaledeiten Kaputtmacher, haben die eigentlich nicht Besseres zu tun, als ihre Langeweile an einem wehrlosen Boot auszulassen...? Haben sie vermutlich schon, so genau weiß man das nicht. Was Mühlheims Erste Stadträtin mit erster Karriere als Sozialarbeiterin ganz genau weiß, seit sie im rätselhaften Fall Fischernachen ein Geständnis bekommen hat: Vandalen waren’s nicht, Jugendliche waren’s nicht. Und zur Ehrenrettung letzterer ist das auch mal öffentlich zu sagen. Kaputtmacher waren’s gewissermaßen schon. Das Boot ist ja zweifellos ordentlich malträtiert. Aber die Schuldigen haben es nur getan, weil sie helfen wollten - wie sollte die Besatzung eines Patrouillenbootes des Wasser- und Schifffahrtsamtes auch wissen, dass Mühlheims im Mainhochwasser der vergangenen Tage planmäßig halb abgesoffenes Freiluft-Exponat gar nicht gerettet werden muss?

Die Dietesheimer Familie Jung hat der Stadt ihren Fischernachen vergangenen Herbst geschenkt. Adolf Jung hatte das gute Stück Stahl 1972 nach traditionellen Vorgaben gebaut. Und bis ins vorvorvergangene Jahr war es auch noch regelmäßig im Einsatz; Adolf Jung und Sohn Gerd legten damit im Main Reusen für den Aalfang aus. Danach wurde der Nachen allerdings kaum mehr genutzt. Die Stadt nahm diese Besonderheit gerne als Geschenk, arbeitete sie auf, strich sie im Originalfarbton neu, verankerte sie als Sitzgelegenheit, Spielgerät und Erinnerung an die lange Fischertradition vor Ort auf dem Flachufer des Dietesheimer Nachenhafens. So, als sei er nach dem Fischfang gerade aus dem Wasser aufs Ufer gezogen worden.

Das gelang offenbar mehr als authentisch. Als der Main gerade wieder einmal über die Ufer trat, erst das Fundament und dann durch die zur Druckentlastung gebohrten Löcher im Boden den Nachen selbst halb schluckte, glaubte besagte Patrouillenbootbesatzung an eine Havarie und schritt beherzt zur Tat: Langsam ranmanövieren, den Haken der Bootsseilwinde befestigen, ziehen - und kracks! Dass der Nachen gar nicht mehr im Einsatzm aber fest am Ufer fixiert war, war im Hochwasser nicht mehr zu erkennen. Die Information über die Platzierung des Museumsstücks sei zwar ans Amt gegangen, doch die Verbreitung dieser Botschaft dauere. So oder so: Der Fischernachen ist erstmal hinüber. Zu retten, diesmal richtig, ist er trotzdem. Das Wasser- und Schifffahrtsamt hat erstmal die Familie Jung angerufen und die Sache etwas zerknirscht erklärt. Dann hat sie das gute Stück abholen lassen, um ihn in seiner Werkstatt zu reparieren und neu zu lackieren.

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