Neue Mainbrücke

Kommentar: Jahrzehnte der Vorfreude

Eine Brücke also. Keine schlechte Idee. Schon lange scheinen die Lobgesänge auf eine Mobilität der direkten und damit schadstoffsparenden Verkehrsverbindungen nicht zu gelten, wenn es um den Main geht.

In einer Zeit, in der für gesparte Minuten Millionen ausgegeben werden (siehe Bahn), kappt ein mittelgroßer Fluss den motorisierten Verkehr weitestgehend: Auf einer Strecke von 15 Kilometern zwischen der Carl-Ulrich-Brücke in Offenbach und der Mainbrücke in Hanau existieren gerade mal zwei Querungsmöglichkeiten für Autos. Nicht genug, dass man sich als Passagier auf den beiden zerbeulten, vor sich hinzockelnden Schiffchen in die 50er Jahre zurückversetzt fühlt. Eine der beiden Fähren steckt seit bald zwei Jahren fest in einem bizarren Dschungel aus Verfahrensproblemen, Polit-Hickhack und ungünstigen Ausschreibungsanforderungen, die dazu führten, dass lange keiner das Ruder in die Hand nehmen wollte. Aktuell ruht der Fährbetrieb nach einer Havarie bei der Jungfernfahrt erneut – und das auf unabsehbare Zeit.

Nach der Unterzeichnung des Brückenplans vor einer Woche haben die Protagonisten mehrere Tage gewartet, bis sie an die Öffentlichkeit gingen. Mit diesem Possenspiel wollte man nicht in Verbindung gebracht werden.

Eine Brücke. Ja, das wär’s! Doch ein Großteil von uns wird sie dereinst allenfalls mit dem Rollator überqueren. Man kann bei der Realisierung des Projekts von bis zu 20 Jahren ausgehen. Denn die spannenden Fragen kommen ja erst: Wie verändern sich die Verkehrsströme? Welche Kommunen müssen mehr Verkehr hinnehmen, welche weniger? Wer zahlt was? Und vor allem: Wer bleibt an Bord, wenn die ersten Bürgerinitiativen Spruchbänder zu malen beginnen? Außerdem wird die Phalanx der Kommunal-, Regional-, Landes- und Bundesbehörden von der Kette gelassen.

Lesen Sie dazu: Nach Fähren-Havarie: Kommt jetzt eine Mainbrücke?

Fährbetreiber Mahir Kolbüken ist 56 Jahre alt. Eines ist sicher: Sollte er die Fähr-Konzession behalten, braucht er sich keine Sorgen zu machen, dass ihm vor seinem Ruhestand der Verdienst ausgeht.

Von Michael Eschenauer

Rubriklistenbild: © op-online.de

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