Vor Kommunalwahl

Fluglärm-BI und ihre Fragen an die Kandidaten

Mühlheim - Um den Fluglärm ist es stiller geworden, aber nicht ruhig. Mühlheims Fluglärm-Bürgerinitiative hat den ersten drei Kommunalwahlkandidaten jeder antretenden Partei Fragen zum Thema gestellt. Die Antwort-Essenz:

Aus der sogenannten Norah-Studie, die gesundheitliche Folgen des Fluglärms untersucht, liest Marius Schwabe wie Stephan Fuchs (CDU), dass sich das Nachtflugverbot positiv ausgewirkt habe. Die Studie zeige keinen Zusammenhang zwischen Fluglärm und Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko. Straßen- oder Schienenlärm seien schädigender. Auch sehe das Ergebnis keine Auswirkungen auf die Sprachwahrnehmung bei Kindern. Lärmpausen und Flughafenentgelte müssten aber erhöht und die Technik verbessert werden. Schwabe will ein Verkehrskonzept, das auch Straßen- und Schienenlärm sieht. Für Erika Sickenberger (CDU) zeigt die Studie Probleme der Lärmbelastung im Rhein-Main-Gebiet. Den Verweis auf andere Lärmquellen hält sie für unangebracht und fordert ein echtes Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr.

Für die Grünen Gudrun Monat, Jan Winkelmann und Margit Früchtl-Staab macht Lärm krank. Die Norah-Studie zeige einen geringeren Zusammenhang zwischen Lärm und Gesundheitsbeeinträchtigung als erwartet. Die Methodik der Untersuchung sei aber zum Teil unsauber. Ergebnisse der Blutdruckstudie etwa stünden im Gegensatz zu anderen wissenschaftlichen Untersuchungen. Eindeutig sei der Nachweis des Zusammenhangs zwischen Lärm und dem schwächeren Leistungsstand von Schülern.

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Aus SPD-Sicht von Rosi Palm, Harald Winter und Thomas Schmidt ist die Norah-Studie ebenfalls ein grundsätzlicher Beleg, dass Fluglärm krank mache. An Methodendiskussionen wollen sie sich nicht beteiligen. Dass die Untersuchung geringere Gesundheitsrisiken als angenommen sieht, ist für Dr. Jürgen Ries, Martina Chatzis und Klaus Weyer von den „Bürgern für Mühlheim“ keine Entwarnung. Gesundheitsrisiken, gleich in welchem Umfang, sollten durch Verringerung der allgemeinen Lärmbelästigung weiter reduziert werden.

CDU und „Bürger“ legen sich bei der Frage nach der Maximalzahl zumutbarer Flugbewegungen pro Jahr über Mühlheim nicht fest. Lärm solle durch technische Verbesserungen und höhere Entgelte verringert werden. Einen zumutbaren Lärmpegel definieren beide nicht. Aus Sicht der Grünen waren schon die 468.000 Flieger 2015 zu viel. Eine weitere Steigerungen sei unzumutbar. Meint auch die SPD, die jetzige Zahl reduziere bereits die Lebensqualität.

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Bei der Frage nach Einflussmöglichkeiten durch Lokalpolitiker sehen alle Parteien kaum welche. Erika Sickenberger (CDU) hält den städtischen Sitz in der Fluglärmkommission und das Engagement in der BI und bei den Montagsdemos für sinnvoll. Ebenso SPD, Grüne und „Bürger“. Sie definieren auch eigene Fluglärmmesstationen und Schadstoffmessungen als wichtig.

Und warum es in Mühlheim keine Messstation für Ultrafeinstaub gibt? Die „Bürger“ und Marius Schwabe selbst treten bisher nicht dafür ein. CDU-Stadträtin Sickenberger plädiert unterdessen dafür. Wie die Grünen und die SPD, die allerdings auf Schwierigkeiten und Kosten hinweist und zur Beobachtung der Ergebnisse anderer Kommunen rät.

mcr

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