„Wir wollen die Gräben schließen“

Familiensache: Yannic Bill tritt für die SPD, Vater Michael Bill für die FDP an

„Gemeinsam für die Sache“: Yannic und Michael Bill.
+
„Gemeinsam für die Sache“: Yannic und Michael Bill.

Auf Bundesebene gab es von 1969 bis 1982 eine rot-gelbe Koalition aus SPD und FDP. Heutzutage ist ein solches Bündnis allein wegen der Mehrheitsverhältnisse wohl in weiter Ferne. Doch dass die Sozialdemokraten und die Freidemokraten auch anders könnten, zeigen die beiden Mühlheimer Yannic und Michael Bill.

Mühlheim – Für Sohn Yannic ist es schon der dritte Kommunalwahlkampf, den er für die SPD bestreitet, Vater Michael ist noch ein Frischling in der Kommunalpolitik, hat aber kürzlich die Liberalen in der Mühlenstadt wieder aufleben lassen und wagt sich als Ortsverbandsvorsitzender und Spitzenkandidat ins Rennen. Ihr Verhältnis beschreiben beide selbst in Kommunalwahlkampfzeiten als harmonisch, auch wenn es durchaus mal zu Meinungsverschiedenheiten kommt.

Vater Michael hat die eingangs erwähnte rot-gelbe Koalition gut in Erinnerung: „Ich bin in der sozial-liberalen Koalition sozialisiert worden und sie war meiner Meinung nach auch die beste, die Deutschland hatte“, so der 62-jährige Michael Bill. Er ist in Frankfurt geboren und aufgewachsen und vor 27 Jahren nach Mühlheim gezogen. Er arbeitet im Vertrieb eines IT-Unternehmens. Mit Kommunalpolitik hatte er damals noch nicht viel am Hut, auch wenn er selbst mal in der SPD Mitglied war. Ihn haben die Sozialdemokraten allerdings zusehends enttäuscht und er sieht die Partei heute nur noch als „rote Blase“.

Mühlheim: Vater ist neu in der Politik, Sohn hat schon reichlich Erfahrung

Ganz anders sein 28-jähriger Sohn Yannic Bill. Der selbstständige Medienproduzent ist bereits mit 18 Jahren in das Stadtparlament von Mühlheim gewählt worden. „Damals hat unsere Lehrerin gesagt, wir sollen uns mal eine Stadtverordnetenversammlung anschauen, ich und ein Freund waren die einzigen, die das machten und ich bin wenig später in die SPD eingetreten und wurde damals auch gleich gewählt.“ Zwei Legislaturperioden später tritt er erneut zur Wiederwahl an, allerdings nur auf Listenplatz 28. „Ich muss wohl darauf hoffen, dass mir die Leute drei Stimmen geben.“ Sein Vater ist dagegen in einer komfortableren Position, hat sich im vergangenen Jahr für die FDP als Spitzenkandidat aufgestellt und ist seitdem auch Parteimitglied. Als Konkurrenten sehen sich Vater und Sohn dennoch nicht: „Ich hoffe, dass wir es beide schaffen und was in Mühlheim bewegen“, sagt Yannic Bill.

Aber natürlich sind sich Vater und Sohn auch in ein paar politischen Fragen nicht einig: „Ich bin zum Beispiel wesentlich kritischer, was das Thema Polizeigewalt angeht als mein Vater.“ Michael Bill: „Yannic ist ein Unterstützer des SPD-Kanzlerkandidats, aber ich find es bedenklich, wenn Olaf Scholz bei Corona-Hilfen von einer Bazooka spricht; wir müssen da viel genauer rangehen, schließlich verfeuert er da die Steuergelder von jedem von uns.“

Mühlheim: Daran wollen Vater und Sohn gemeinsam politisch arbeiten

Doch zum Streit komme es eigentlich nie: „Wir haben die gleichen Ziele, aber vielleicht nicht immer die gleichen Wege“, sagt Vater Michael. Ein gemeinsames Ziel der beiden ist, dass in Mühlheim wieder mehr Sachpolitik betrieben wird. Immer wieder kam es in der Vergangenheit in der kommunalpolitischen Welt in der Mühlenstadt zu parteipolitischem Geplänkel, so zuletzt bei der Frage, ob Mühlheim ein „Sicherer Hafen“ für Geflüchtete werden soll (wir berichteten). „Wir wollen die Gräben wieder schließen, damit wieder zusammen gearbeitet wird, um so das Beste für die Stadt rauszuholen“, so Michael Bill. Neben dem Herzensprojekt Sicherer Hafen wollen die beiden auch in die Digitalisierung der Stadtverwaltung Schwung bringen: „Das ist dort fast noch steinzeitlich, da muss unbedingt was geschehen“, sagt ITler Michael Bill. Auch soll Mühlheim nicht zur „Schlafstadt“ werden: „Wir haben zwischen den Städten Hanau, Offenbach und Frankfurt gelegen gute Voraussetzungen, uns wirtschaftlich zu entwickeln“, so Sohn Yannic.

Von Lukas Reus

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare