Schüler entführen auf einen Kulturparcours am Mühlheimer Friedrich-Ebert-Gymnasium

Kreative Begegnungen

Verschiedene Ausdrucksformen nutzen die Schüler des Friedrich-Ebert-Gymnasium beim Kulturparcours.
+
Verschiedene Ausdrucksformen nutzen die Schüler des Friedrich-Ebert-Gymnasium beim Kulturparcours.

Das Klavier steckt in der kleinen Lautsprecher-Rolle am Boden, die Querflöte ertönt live: Benedict Vondung steht mit Mozarts Andante für Flöte und Orchester am Start einer ungewöhnlichen Tour durch die Schulräume. Klassen und Kurse des Friedrich-Ebert-Gymnasiums (FEG) haben einen Kulturparcours über ein Dutzend Stationen eingerichtet, kurze rhythmische, szenische und bildnerische Beiträge in einem geführten Rundgang vorgestellt.

Mühlheim – Vier Schüler starten nach dem üblichen Corona-Prozedere fürs Publikum zeitversetzt mit ihrer Gruppe. Das Interesse ist groß, jeweils rund 40 Personen haben sich für die Teilnahme an der Aktion registrieren lassen. Das Verlangen nach Bühnenluft mag auch an der langen Durststrecke durch den Lockdown liegen, vielleicht auch einfach daran, dass Eltern sowieso gerne und neugierig verfolgen, was ihre Sprösslinge so auf die Beine stellen.

Rhythmus aus der Brotbox

Dazu ist festzuhalten, dass sich das FEG schon traditionell nicht als Schule sturen Paukens präsentiert, vielmehr als erste Adresse, die Teenager fit fürs Leben macht. Und dazu zählt eben auch die Kunst. Die Schule „In der Seewiese“ hat sich längst zur unverzichtbaren Größe im kulturellen Leben der Mühlenstadt entwickelt. Auch die Pandemie griffen die Schüler als Medium kreativer Begegnungen auf.

Teenager der 10a haben ziemlich giftige Beobachtungen formuliert und tragen jetzt vor Häuserschluchten aus Kohle-Zeichnungen von Talenten aus der 6b ihre Erfahrungen mit dem Lockdown und dem nach Hause verordneten Lernen vor. Aus der Langeweile geboren und zu einem Hit geformt scheint der „Rhythmus aus der Brotbox“, komponiert von der 6a auf der Tischplatte.

Der Grundkurs Darstellendes Spiel bringt seinen „Fluch der Karibik“ ins Rampenlicht des Theatersaals. Da geht’s um Stimmen im Kopf, die ein Gespräch mit dem Psychologen entschlüsseln soll. Ein Keyboardspieler ergänzt das inszenierte Chaos mit passenden Klängen. Unter dem neuen Gebäude mit der Nummer 6 lodern „Feuer“ und „Angst“: Sechstklässler singen und tanzen einen selbst geformten Gedicht-Rap, eine Oberstufengruppe führt mit einem Schwarz-weiß-Video in hektischen Kamerafahrten und spektakulären optischen Effekten im Regen über düstere Waldwege.

Verfremdete Selbstporträts

Die nächsten Stationen streifen Goethes „Zauberlehrling“ und „Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse“: Das clevere Kerlchen, wortgewandt und verständnisvoll, entstammt einer unerwünschten Postlieferung. Schließlich wollen es die neuen „Besitzer“ nicht mehr zurückgeben. Die eigentlichen „Eigentümer“ wollen die „Ware“ dann auch nicht mehr, weil sich Konrad als ziemlich gestört darstellt. Die Gruppe hat die Rollen vielfach verteilt, sodass jeder Mitschüler zum Zuge kommt, eindeutige Merkmale wie Hut oder Jacke kennzeichnen die Rollen.

Auf Minimalistik hat sich auch das Ensemble der Neuntklässler spezialisiert. Sie zeigen aufgeladene „Backstage-Gespräche“, eine Art exzentrisches Mobbing unter Schauspielern hinter geschlossenem Vorhang. Für die nächste Nummer müssen sich die Zuschauer in der Sporthalle nur umdrehen. Da bewegen Schüler rechteckige Pappkartons, hochkant vor sich getragen, im Takt von Wassertropfen und strömenden Regen.

„Figuren im Raum“ verabschieden die Besucher, Experimentelle, verfremdete Selbstporträts, die an den Glaswänden des Mittelstufenzentrums und des Eingangs hängen. Was hängen bleibt, ist die Bedeutung künstlerischer Ausdrucksformen, gerade in Zeiten der Krise. Sie bündeln Wünsche und Interessen der Altersgruppen in gemeinsame Projekte, die am FEG Aufmerksamkeit und Verständnis für die Jugendlichen fördern. (Michael Prochnow)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare