Zweckgemeinschaft in der Corona-Krise

Flüchtlingshelferin nimmt alleinerziehenden syrischen Vater und seine Kinder auf

Kreis Offenbach: Flüchtlingshelferin nimmt syrische Familie auf
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In der Krise eine Wohngemeinschaft: Mustafa Sheek-Rashid ist mit seinen Kindern Sedra und Abdul vorübergehend in die Wohnung von  Flüchtlingshelferin Monika Fickel im Kreis Offenbach eingezogen. 

Um sie vor einer Corona-Infektion zu schützen hat eine Flüchtlingshelferin aus dem Kreis Offenbach eine syrische Familie bei sich zu Hause aufgenommen.

  • In Flüchtlingsunterkünften ist das Risiko eines Corona-Ausbruchs hoch
  • Eine Flüchtlingshelferin aus Mühlheim (Kreis Offenbach) hat deshalb eine Zweckgemeinschaft gegründet
  • Sie nahm eine Flüchtlingsfamilie bei sich zu Hause auf

Mühlheim – „Kannst du dir vorstellen, zu mir zu ziehen?“, hatte ihn Monika Fickel nach dem Beschluss des Lockdowns gefragt. Und aus dieser einfachen Frage haben sich Haushaltspläne, neue Gewohnheiten und ein neues Bild zur eigenen Wohnung entwickelt.

Flüchtlingsheime suchen bundesweit Mittel und Wege, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, wohnen dort doch viele Personen auf engem Raum. Fickel hat daher die syrische Familie Sheekh-Rashid kurz vor dem Shutdown in ihrer Wohnung aufgenommen, damit sie dort die Zeit während der Corona-Pandemie verbringen können.

Kreis Offenbach: Zweckgemeinschaft in der Corona-Krise - Flüchtlingshelferin nimmt Familie auf

Die Hürden, die Familie aus dem Flüchtlingsheim zu holen, waren anfangs hoch. Doch das Jugendamt und die Stadt haben am Ende die Idee gutgeheißen. So bilden der alleinerziehende Vater, seine beiden Kinder und die Flüchtlingshelferin seitdem eine spontan zusammengesetzte Zweckgemeinschaft. Fickel hat den alleinerziehenden Vater Mustafa Sheekh-Rashid, die achtjährige Sedra und den zehnjährigen Abdul ins Herz geschlossen.

Mustafa Sheek Rashid ist seit vier Jahren in Deutschland und probiert seitdem Fuß zu fassen. Er floh Anfang 2016 aus Latakia, einem der Schauplätze des syrischen Bürgerkriegs, seine Frau trennte sich noch dort von ihm. Mit seinen Kindern wohnt er nun seit vier Jahren in Zimmern in verschiedenen Unterkünften, momentan in Dietesheim. 

Landkreis Offenbach: Corona-Zweckgemeinschaft in Mühlheim - Mehr Platz zum Spielen

Ein Zimmer teilt das Trio zwar auch in Monika Fickels Wohnung, aber es ist eben doch eine ganz andere Erfahrung. Die Kinder haben mehr Platz zum Spielen, auch im Garten. Sehr zur Freude von Sedra, der es vor allem die vielen blühenden Pflanzen angetan haben. Abdul beobachtet gerne den Nistkasten und hört dem Gezwitscher der Vögel zu.

Die „Abenteuer“ des Quartetts spielen sich entweder in den vier Wänden oder in der Natur ab. So haben sie einmal beim gemeinsamen Spazierengehen ein verletztes Fuchsjunges gefunden und gleich die Feuerwehr verständigt, damit es gerettet werden kann. „Das war ein richtiges Abenteuer“, erinnert sich Sedra. Die hat mit ihrem Bruder entschieden, in den umliegenden Straßen von Fickels Wohnung Müll und Zigarettenstummel aufzusammeln. Mehrere Säcke sind da bereits zusammengekommen.

Kreis Offenbach: Hilfe in der Corona-Krise - Zweckgemeinschaft statt Flüchtlingsunterkunft

„Wir erleben Abenteuer, wo wir sonst keine haben“, sagt Abdul mit einem stolzen Lächeln. Auch die Internetverbindung in Fickels Wohnung ist von großem Vorteil für die Kinder. So haben sie es leichter, auf einem Laptop Schularbeiten und andere Aufgaben zu erledigen.

Sollten die Schulen wieder aufmachen, wird die Zweckgemeinschaft wieder aufgelöst, sind sich die vier sicher. Dann heißt es für Sedra, Abdul und Mustafa Sheekh-Rashid wieder in zurück in den Alltag in der Flüchtlingsunterkunft.

Was bleibt sind Erinnerungen an das gemeinsame Frühstücken, Tisch decken und abräumen, das Kochen von abwechselnd deutschen und syrischen Gerichten und natürlich die Erfahrung, wie es ist, in einer Wohnung mit Schlafzimmer, Bad und eigener Küche zu leben. Die Frage nach seinem größten Wunsch beantwortet Vater Mustafa schnell, ohne groß darüber nachdenken zu müssen: „eine eigene Wohnung“. Sedra und Abdul hingegen wünschen sich schlicht „ein schönes Leben“.

Von Jan-Niklas Eickhoff 

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