„Kein beunruhigender Trend“

Kriminalität in Mühlheim: Serie von Autospiegeldiebstählen trübt die Zahlen

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Seit sechs Jahren auf der Mühlheimer Wache: Fünf davon leitet Jürgen Hampel die Dienststelle bereits.

Die Zahlen der Kriminalstatistik in Mühlheim sind getrübt. Aber einen Trend sehen Verantwortliche nicht.

Mühlheim – Wenn der Corona-Krisenzeit etwas Positives abzugewinnen ist, dann sicherlich, dass es aktuell deutlich weniger Straftaten in Mühlheim gibt, wie der Dienstellenleiter der Wache an der Friedensstraße, Jürgen Hampel, berichtet. „Draußen ist es eher ruhiger.“ Allerdings bereite das Verarbeiten der kompletten Informationen und Verordnungen zu Corona deutlich Mehrarbeit. Und es gelte diesbezüglich auch, den vielen Anrufen besorgter Bürger wegen Corona, aber auch Trickbetrügereien nachzugehen, „die wir alle abarbeiten“, versichert der Erste Polizeihauptkommissar.

Was allerdings nach wie vor bei den Kriminellen „en vouge“ ist, ist der Betrug am Telefon – sei es der „falsche Polizist“, der „Enkeltrick“ oder eine ähnliche Masche. Viele Senioren seien aber mittlerweile aufgeklärt und melden sich sofort auf der Wache: „Wichtig ist, dass Bürger uns solche Anrufe mitteilen und wir sehen, dass es nicht abebbt.“ Allerdings tauchen diese Fälle nicht zwingend als Zahl in der Kriminalitätsstatistik auf. „Nur wenn konkret gefordert wird, ist es eine Straftat“, ein Versuch wird nicht erfasst, erläutert Hampel. Beim Blick auf die nun vorliegende Kriminalitätsstatistik von 2019 fällt auf, dass es genau wie im Vorjahr 246 Betrugsfälle unterschiedlicher Art gab. 120 davon sind dem Schwarzfahren in den Öffentlichen Verkehrsmitteln zuzuschreiben.

Mehr als 1200 Straftaten in Mühlheim erfasst

Insgesamt wurden 2019 in der Mühlenstadt 1251 Straftaten erfasst (2018: 1140) – der sechste Platz im kreisweiten Vergleich. Bei „Spitzenreiter Neu-Isenburg“ sind es 2285. Hampel sieht in der Statistik keinen „beunruhigenden Trend“. Zwar schmerze die Aufklärungsquote von 49,6 Prozent (2018: 56,4 Prozent), „die hätte ich mir besser gewünscht“, sei aber auch zu erklären, sagt Hampel. Denn alleine rund 80 unaufgeklärte Taten sind einer Serie von Autospiegeldiebstählen zuzuschreiben. „Das hat uns sehr beschäftigt“, erinnert sich der 58-Jährige. Und obwohl die Polizei auch mit Zivilstreifen zu unterschiedlichen Tageszeiten an unterschiedlichen Orten patrouilliert hat, konnte man die Diebe nicht auf frischer Tat ertappen. 

Ein Spiegel sei in Sekunden ausgebaut, die Täter seien für die Polizei so kaum greifbar. „Im Januar und Februar gab es einige Fälle sowie dann noch mal im August und September richtig viele und Ende Oktober war auf einmal Schluss“. Hampel vermutet, dass die Spiegel ins Ausland verkauft werden. Auch durch diese ungeklärte Serie sei die sogenannte Häufigkeitszahl (4404), die die registrierten Fälle auf 100 000 Einwohner errechnet, „höher als sonst“ und um 9,4 Prozent zum Vorjahr (4026) gestiegen. Die Nachbarn Offenbach (7711), Hanau (7088) und Maintal (4985) liegen darüber, Obertshausen (4037) darunter.

Einige Diebe sind in Mühlheim schwer zu fassen

Auch schwierig für die Gesetzeshüter ist es, Fahrraddieben auf die Schliche zu kommen. Bis zum vergangenen habe man den Wert aus dem Jahr 2015 halbieren können, nun ist er gestiegen. Für Hampel aber nicht beunruhigend, es sei auch ein sehr warmer Sommer gewesen. Prävention sei auch da wichtig. Daher sollte man sein Fahrrad registrieren lassen, rät Hampel. damit die Polizei das Velo überhaupt ausfindig machen könne.

Deutlich zurückgegangen sind Sachbeschädigungen an Fahrzeugen, zudem habe es weniger Nachbarschaftsstreits und erfreulicherweise auch weniger Wohnungseinbrüche als noch im Jahr 2018 gegeben. Die Zahl an Rauschgiftdelikten ist gestiegen, was aber auch an erhöhten Kontrollen liege. „Das ist ein klassisches Kontrolldelikt“, erläutert Hampel, der betont, ihm sei der Dienst am Bürger wichtig: „Wir wollen solide Arbeit machen.“

Dazu ist die Polizei nach wie vor in verschiedenen Arbeitskreisen aktiv und im Präventionsrat vertreten. Hampel lobt die schnellen Wege ins nahegelegene Rathaus. Auch Bürgermeister Daniel Tybussek schätzt die „unverändert gute Zusammenarbeit“ „Die Zahlen, auch wenn es einen leichten Anstieg gibt, zeigen, dass Mühlheim sicher ist“, betont er. Es gelte aber, sich nicht darauf auszuruhen, sondern jeden Tag mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen.

VON RONNY PAUL

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