Mehr Fälle, mehr Aufklärung

Kriminalstatistik: Die Kurve steigt

Mühlheim - Die Mühlheimer Polizei hat vergangenes Jahr 1359 Straftaten registriert. Im Vergleich zu 2014 sind das 99 oder 6,8 Prozent mehr. Die Aufklärungsquote stieg allerdings ebenfalls. Und zwar erfreulich gewaltig. Gut: Die absoluten Angstmacher Mord und Totschlag gab es diesmal nicht. Von Marcus Reinsch 

Die Grafiken aus der Polizeistatistik zeigen die Entwicklung der Fallzahlen seit 2006 und die Verteilung auf sogenannte Straftatenobergruppen.

Das hätte natürlich gerne so weitergehen dürfen mit dem beruhigenden Gefälle. 2013 hatte die Mühlheimer Polizei 1301 Straftaten gezählt. 2014 waren es dann 1260. Dass die Kriminalstatistik fürs vergangene Jahr von 1359 Straftaten berichtet, stört da ein bisschen. Allerdings gibt es, wenn schon kein weiterer Rückgang zu vermelden ist, die zweitbeste Botschaft: Die Ermittler klärten 2015 mehr als jeden zweiten Fall auf. Die Quote liegt bei 53,9 Prozent. Das ist ein Riesenschritt im Vergleich zum Vorjahr. Da waren es 46,7 Prozent.

Statistiken sind gewissermaßen ein Presslufthammer. Sie können Menschen, die nackte Zahlen gerne interpretieren, auch falsche Fährten ebnen. Und es wäre falsch, in die Tabellen für die Mühlenstadt eine lokale Renaissance des Verbrechens zu deuten. Denn für die Steigerung der Fallzahlen war zwar nicht ausschließlich kriminalistischer Kleinkram verantwortlich. Aber fürs lästige Statistik-Plus sorgen eben auch Posten wie etwa die Sachbeschädigung an Autos (2015: 90, davon 28 aufgeklärt. 2014: 71, davon 7 aufgeklärt), Diebstähle aus Autos ohne erschwerende Umstände (2015: 2 aufgeklärte von 32, 2014: 1 von 27) und mit (2015: 29 aufgeklärte von 61, 2014: 0 von 50) und Ladendiebstähle (2015: 19 aufgeklärte von 21, 2014: 13 komplett aufgeklärte Fälle).

Und es gibt noch mehr Entwicklungen, die zeigen, warum die Mühlheimer nicht dramatisch unglücklich sein müssen mit ihren Zahlen. Dabei hilft die sogenannte Häufigkeitszahl (HZ). Die ist aussagekräftiger als die reale Fallzahl, weil sie die Zahl der registrierten Fälle auf je 100.000 Einwohner hochrechnet und die Statistik so von Unschärfen der Bevölkrungsentwicklung befreit. Die Mühlheimer Krimi-Steigerung lässt sich damit zwar nicht komplett erklären. Aber sie relativiert sie, weil die 2014er-Statistik von 27.475 Einwohnern ausging und die 2015er von 27.753. Das macht die Vor-Ort-Bilanz auch vergleichbar mit denen aus anderen Kommunen. In der Rangliste bewegt sich Mühlheim mit seiner HZ von 4897 (2014: 4568) im hiesigen Mittelfeld. Offenbach selbst hat da die rote Laterne (HZ: 10.620), bei den Kreisgemeinden zieht Neu-Isenburg (7248) den Kürzesten. Auf Augenhöhe: Rödermark (4851), am ruhigsten: Mainhausen (2813).

Bei den echten Angstmachern ist das Mühlheimer Bild gemischt. Mord und Totschlag oder auch nur den Versuch gab es vergangenes Jahr gar nicht (2014: 1, aufgeklärt). Fehlanzeige zum Glück auch beim Raub auf Geldinstitute, Postfilialen, Tankstellen, andere Geschäfte. Außerdem bei Brandstiftungen. Von denen hatte es 2014 noch 5 gegeben).

Bilder: Zehn kuriose Kriminalfälle 2015 in Hessen

„Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“, also auch Vergewaltigung, gab es mit 16 (aufgeklärt: 10) aber doppelt so viele wie im Jahr davor. Steigerungen auch bei Raub und räuberischer Erpressung (2015: 8 aufgeklärte von 12, 2014: 3 aufgeklärte von 6), Körperverletzungen von leicht bis schwer (2015: 75, 2014: 65, jeweils fast alle aufgeklärt) und Rauschgiftdelikten (2015: 143, 2014: 116, wiederum beinahe jedes geklärt).

Einbrüche fallen statistisch unter „Diebstahl unter erschwerenden Umständen“. In Firmenräume gab es 37 (2014: 32), in Wohnungen 44 (2014: 40), als Tageswohnungseinbrüche zählten vergangenes Jahr 19 (2014: 10).

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