Mühlheimer Kulturweg

Anleitung zum Stehenbleiben

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Der Kulturweg nutzt mehrere andere Routen. Wie hier den Mühlenwanderweg stadteinwärts.

Mühlheim - Geographen und Neurologen können vermutlich lange und tiefe Gespräche führen, ohne aneinander vorbeizureden. Denn mit Landschaften verhält es sich wie mit Gehirnströmen. Auf die Verknüpfungen und Impulse auf dem Weg von A nach B kommt es an.

Als gutes Beispiel empfiehlt sich da der Mühlheimer Kulturweg. Neue Strecken, die dem dichtbesiedelten Rhein-Main-Gebiet ohnehin kaum abzutrotzen wären, wurden für die im vergangenen Jahr eröffnete Route nicht ausgewiesen. Sie ermuntert stattdessen, auf bekannten Wegen Unbekanntes zu entdecken. Und zur Erkenntnis, dass es nicht nur ein Geradeaus gibt, sondern auch ein Links und ein Rechts. Ein Augenöffner-Angebot für Menschen, die auch mal stehen bleiben können.

Der Mühlheimer Kulturweg setzt sich aus zwei Schleifen zusammen. Die nördliche hat die Wirtschaftsgeschichte auch im jetzt 1000 Jahre alten Dietesheim zum Schwerpunkt. Sie führt von den Steinbrüchen im manchmal zum Leidwesen lokaler Akteure weit über die Grenzen der Stadt bekannten Naherholungsgebiet entlang des Mains und durch die Mühlheimer Altstadt bis zum Naturfreundehaus Am Maienschein. Die südliche Schleife folgt im weiten Bogen Naturspuren durch den Stadtwald und trifft am Naturfreundehaus wieder auf den industriegeschichtlichen Weg. Von dort ist es dann auch nur noch ein recht kurzes Stück bis zum Domizil der Offenbacher Gleichgesinnten. Eben so wird der Kulturweg zum Ziel.

Fast immer nahe S-Bahn-Strecke

Zum Ausprobieren – und bei Müdigkeit oder Wetterkapriolen dank der fast immer nahen S-Bahn-Strecke und hoher Gastronomiedichte auch ruckzuck in einen Kaffee-und-Kuchen-Ausflug umgewidmet: die „Nordkurve“ des Kulturwegs.

Ein Einstieg ist zwar an jeder Stelle möglich, weil keiner Chronologie zu folgen ist. Empfehlenswert ist aber, den Kulturweg an einer der beiden Nahtstellen zwischen seinem historisch und wirtschaftlich orientierten Teil und seiner südlichen, naturkundlichen Schleife zu beginnen. Heißt: Start am Grillplatz in den Steinbrüchen oder direkt am Naturfreundehaus. An beiden Punkten gibt es ausreichend Parkplätze. Die Gesamtlänge beträgt zirka 16 Kilometer.

Ab den Steinbrüchen: Der Weg verlässt den Grillplatz durch den rechten Ausgang. Er führt vorbei am Dietesheimer Sportplatz, unterquert die Bahnstrecke Frankfurt-Bebra und erreicht über die Luisenstraße den Main. Vom Damm aus sieht man die Mühlheimer Schleuse. Von hier aus lässt sich Dietesheim umrunden, bis der alte Fischerhafen und mit ihm eine wunderbare Aussicht auf den Fluss erreicht ist.

Nach drei Kilometern auf dem Mainuferweg gibt es an der Mainfähre nach Dörnigheim eine Rastmöglichkeit beim Mühlheimer Ruderverein, bevor es weiter zur Mündung der renaturierten Rodau, dem sogenannten Bachkopp, geht. Von dort weiter nach links auf dem Mühlenwanderweg (Beschilderung „Mühlrad“) städtcheneinwärts. Rechts des Dammes ragt die St. Markus-Kirche aus der Mühlheimer Altstadt.

Die einzige voll erhaltene Mühle weit und breit

Der Mühlenwanderweg stößt nach wenigen hundert Metern auf die Brückenmühle, auch Krebs‘ sche Mühle genannt. Es ist die einzige voll erhaltene Mühle und funktionsfähige Mühle weit und breit. Hier wird am Pfingstmontag der Mühlentag gefeiert. Es gibt Führungen im Halbstundentakt, einen nur für diesen Anlass zur Rodauinsel gelegten Steg, Fahrradbewachung durch den ADFC und vieles mehr. Schon fast in Sichtweite: das Rathaus, neben dem wieder die Bahnlinie unterquert wird. An ihr führt der Kulturweg entlang, nach drei Kilometern ist die Kleingartenanlage „Am Maienschein“ erreicht und wenig später das Mühlheimer Naturfreundehaus am Waldrand.  mcr

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