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Kunst auf acht Quadratmetern

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Die Zugpferd-Streetworker wollen die Jugendlichen Mühlheims auch mobil erreichen. Der neue Wohnwagen ist schon fast fertig.
Die Zugpferd-Streetworker wollen die Jugendlichen Mühlheims auch mobil erreichen. Der neue Wohnwagen ist schon fast fertig. © M.

Mühlheim - Der Verein Zugpferd macht seinem Namen alle Ehre: Er zieht künftig im Auftrag der Stadt mit einer Art Wohnwagen mit einem oder zwei Streetworkern an Bord dorthin, wo die Jugendlichen sind. Von Michael Prochnow

Robin verfeinert noch die Fäden im Traumfänger. Einen Skater und einen Wolf haben sie schon mit der Spraydose auf die Außenwand gebracht. Dazu hat die Kunstpädagogin Birgit Gutmann, die an der Goetheschule tätig ist, die von den Schülern ausgewählten Motive abfotografiert und in der Dämmerung auf den Wagen projiziert. Mit einem dünnen Stift hat sie die Konturen gezogen, das Team malt die Objekte am nächsten Tag aus.

Ein halbes Dutzend Jugendliche hat sich gemeldet, als Christian Kleinschmidt und Anni Wald im Juz nachfragten, wer bei der Gestaltung der „mobilen Anlaufstelle“ mitmachen möchte. „Sie haben gleich eine Whatsapp-Gruppe gebildet und sprechen sich stets ab, wann sie Zeit zum Malen haben“, erläutert die Sozialpädagogin. Stolz präsentiert sie das Gefährt, das noch auf dem Gelände am alten Forsthaus parkt, in dem der Verein Zugpferd residiert.

Er ist nicht nur Arbeitgeber für die Streetworker, sondern auch die Heimat für den Wagen. Nicht kindisch-knallig-bunt soll er werden, hat sich der Freundeskreis aus dem Bürgerpark entschieden. Die Silhouette des Wasserturms, das zersplitternde Stadtwappen, Tänzer und Basketballspieler erscheinen vielmehr in vornehmem Schwarz, das nur von ein paar Farbtupfern unterbrochen wird.

Etwa acht Quadratmeter misst der Innenraum. Für den Winter wird noch ein Ofen installiert, ein Stromanschluss gelegt, auch Regale werden noch eingebaut, informiert Kleinschmidt. Der rollende Treffpunkt soll mit Garnituren und reichlich Spielmaterial ausgestattet werden. Dazu kommt ein Werkzeugkoffer, damit auch mal ein Plattfuß am Fahrrad geflickt werden kann.

Als Anhänger kann er mühlos von einem Pkw gezogen werden, das war den Leuten vom Zugpferd wichtig, um die Mobilität zu erhöhen. „Wir wollen Ansprechpartner für die Mädchen und Jungen in Mühlheim sein“, betont der Mann mit dem Vollbart, „und das hat im ersten Jahr ganz gut geklappt“.

Viele Teenager und auch Flüchtlinge kennen ihn schon, sprechen ihn an, wenn’s daheim, in der Schule oder in der Clique Stress gibt. Kleinschmidt hört zu, gibt aber auch konkrete Tipps, wenn’s darum geht zu vermitteln, Ratschläge für einen Praktikumsplatz zu geben oder Migranten die richtigen Ansprechpartner im Rathaus zu vermitteln.

Seit fast zwei Jahren ist Christian in der Mühlenstadt unterwegs, jetzt hat er Unterstützung von Anni Wald bekommen. Das mobile Heim mit der Veranda über der Deichsel soll zum Ende der Ferien der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

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