Neues Alleinstellungsmerkmal

Lämmerspieler Rundweg weist Ortsfremden den Weg

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Neben Gudrun Monat stehen (von links) Günter Schmidt, Bernd Schwerzel, Horst Baier, Alfons Ott und Georg Fischer, der den Männern die Urkunden verlieh.

Mühlheim - Ortsfremde, die bisher Probleme hatten, den Gailenberg zu finden, haben es nun wesentlich leichter. Ab jetzt folgen sie am besten den erklärenden Tafeln am Wegesrand des Lämmerspieler Rundwegs. Von Stefan Mangold 

Den weihten die Ortsvereine mit Vertretern der Stadt und vielen Bürgern ein. Auf der Fußstrecke vom Friedhof zum Waldparkplatz an der Steinheimer Straße berichtet Horst Baier von einer interessanten klimatischen Korrelation: „Wenn die Lämmerspieler etwas feiern, herrscht fast immer gutes Wetter.“ Der These lässt sich auf keinen Fall widersprechen. Zum blauen Himmel passen die Klänge der fünf Lämmerspieler Jagdhornbläser auf dem für Autos heute abgesperrten Platz.

Zeremonien wie eine Schiffstaufe oder die Eröffnung einer Brücke sind vielfach erprobt. Politiker geben jedoch nicht alle naselang einen Rundweg frei. Was also tun? Bürgermeister Daniel Tybussek und Georg Fischer, der Vorsitzende der Lämmerspieler Ortsvereine (LOV), schneiden auch zu diesem Anlass ein rotes Band durch, eins vor der Tafel, die den Rundweg durch das Areal am Gailenberg beschreibt. Georg Fischer überreicht noch Urkunden. Eine nimmt Bernd Schwerzel entgegen, der dem Obst- und Gartenbauverein Lämmerspiel angehört. Die anderen bekommen Günter Schmitt, Alfons Ott und Horst Baier, allesamt von der Geschichtsgruppe Lämmerspiel. Das Quartett trieb das Projekt voran. Baier bekommt ein besonderes Lob, er entwarf die Schrifttafeln für den Weg.

Auf dem Parkplatz hören weit über hundert Bürger zu, als Fischer von „einem weiteren Alleinstellungsmerkmal Lämmerspiels“ spricht und Tybussek das ehrenamtliche Engagement lobt, „das den Menschen hilft, Natur begreifbar und erlebbar zu machen“. Auch Mühlheims Erste Stadträtin Gudrun Monat klatscht Beifall. Im Publikum steht Margarete Haus, die zu denen gehört, die nicht schon immer in Lämmerspiel lebten. Zwecks Heirat zog sie vor 40 Jahren von Seligenstadt nach Mühlheim. Die 68-Jährige freut sich, „dass durch den Rundweg die Geschichte lebt“.

Alfons Ott deutet an, so ganz geschmeidig habe sich die Idee nicht umsetzen lassen, „kein Projekt ohne Rückschläge“. Man wollte den Weg gegenüber vom Parkplatz beginnen lassen, damit die Leute nicht erst neben der Straße laufen müssen. Der Wingertsweg, der zum Gailenberg führt, hatte sich in den letzten 40 Jahren jedoch wieder weitgehend mit einer Humusschicht von selbst renaturiert. Es bedurfte administrativem Durchhaltevermögen, ihn wieder anzulegen.

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Horst Baier drückt Wolfgang Kressel, dem Geschäftsführer des Sponsors Stadtwerke, lachend die Wegweiser-Broschüre mit den Worten in die Hand: „Sie haben die ja schließlich bezahlt“. Auf dem Weg zum Weinberg, den die Broschüre als sechste Station verzeichnet, erzählt Ernst von Hermanni vom Naturschutzbund, der hier zwei Insektenhotels aufstellte, von der Unterstützung der Firma Mühlheimer Gartenwelt, „die spendeten vier Bäume und bepflanzten die Dächer der Insektenhotels“.

Die Route führt auch an der „Heinz-Bruch-Lichtung“ vorbei, dort, wo der im Februar verstorbene Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald vor ein paar Jahren ein Holzkreuz aufstellen ließ. Weiter geht es zum „Weingarten uff dem Geilenbergke“. Im 16. Jahrhundert bauten die Lämmerspieler dort im großen Stil Weintrauben an. Die Qualität des Ergebnisses hätte wohl keinen Sommelier genussvoll das Glas schwenken lassen. Der Gymnasiallehrer Siegfried Hellmann schätzt, „mehr als fünf Prozent Alkohol dürften nicht drin gewesen sein“. Neben den Weißburgunder-Reben der IG Weinbau Lämmerspiel erzählt Karl-Heinz Stier, der Vorsitzende des Geschichtsvereins, von den 60 bis 220 Litern, die der Weinberg jährlich hergibt. In Jahren wie 2011 und 2012 allerdings zerstörten die Eisheiligen die Ernte.

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